Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Anwohner will Flötenspieler vertreiben
Kiel Anwohner will Flötenspieler vertreiben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:07 30.08.2019
Von Oliver Stenzel
Der Bürgersteig vor der Sparkassen-Filiale in der Holtenauer Straße zählte bislang zu Ingo Korengs Stammplätzen. Quelle: Oliver Stenzel
Kiel.

Seit Jahren gehören Ingo Korengs Flötentöne fest zum Klangbild der Holtenauer Straße. Bevorzugt vor der Sparkassen-Filiale sitzt der 49-Jährige und spielt auf einem seiner zahlreichen Instrumente schlichte Lieder, die nicht wenigen Zuhörern zu Herzen gehen. Allerdings nicht allen: „Mittlerweile werde ich schon unruhig, wenn ich zu seiner Fassade schaue“, bekennt der Straßenmusiker und deutet auf das Wohnhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Hinter einem seiner Fenster vermutet er den Zuhörer, der ihn um seinen Stammplatz zu bringen droht. „Wenn ich hier zu spielen beginne, wird neuerdings wenig später anonym der Ordnungsdienst oder die Polizei gerufen“, berichtet Koreng, der sich deshalb immer häufiger einen anderen Standort in der Holtenauer sucht.

Straßenmusik ist in der Landeshauptstadt Kiel generell erlaubt

Von Seiten der Stadt Kiel müsste er das nur unter bestimmten Umständen tun – zum Beispiel nach einer Stunde Spielzeit, nach der Straßenmusiker grundsätzlich mindestens hundert Meter weiterziehen sollen. „Aber das habe ich schon immer getan“, beteuert Koreng, der bereits seit 18 Jahren auf den Bürgersteigen und in den Fußgängerzonen Kiels Musik macht. Der Anwohner, der es auf ihn abgesehen habe, beschwere sich aber immer sofort. Als sich Koreng nach mehreren auf diese Weise initiierten Platzverweisen vor der Sparkasse rarer zu machen begann, reagierten prompt seine Fans und wünschten sich den Musiker in den nachbarschaftlichen Netzwerken zurück.

Hier erfuhr auch Benjamin Walczak, der Vorsitzende des Ortsbeirats Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook, von dem Fall und setzte sich mit dem Ordnungsamt in Verbindung. „Tatsächlich darf Herr Koreng grundsätzlich vor der Sparkasse spielen, wenn er sich an die Auflagen hält, die in der Stadt für alle Straßenmusiker gelten“, berichtet Walczak. Neben dem Standortwechsel zählen hierzu die Verbote, die Musik elektrisch zu verstärken und kommerzielle Interessen mit ihr zu verfolgen. Überdies gibt es für Straßenmusiker kein Nutzungsrecht für Flächen, auf denen zum Zeitpunkt der geplanten Darbietung eine Veranstaltung stattfindet.

Straßenmusiker Ingo Koreng ist jetzt mit einem Schreiben ausgestattet

Der Ortsbeiratsvorsitzende hat Ingo Koreng deshalb jetzt mit einem Schreiben ausgestattet, das bestätigt, dass Straßenmusik auf der Holtenauer Straße allgemein und vor der Sparkassen-Filiale im Besonderen prinzipiell gestattet ist. Vermerkt sind auf dem Schreiben überdies entsprechende Kontaktdaten zu den städtischen Ämtern, damit gerufene Ordnungshüter sich gleich mit ihnen in Verbindung setzen und über den Hintergrund des konkreten Problemfalls informieren können. Walczak hofft, dass sich Ingo Koreng auf der Basis dieses Papiers zukünftig an seinem Standort wieder behaupten kann.

"Für Straßenmusiker spielt auch der soziale Aspekt eine wichtige Rolle"

Allerdings sieht das von der Stadt herausgegebene Merkblatt für Straßenmusiker auch eine Beendigung oder Verlegung ihrer musikalischen Darbietungen vor, wenn es über ihre Auftritte Beschwerden von Anliegern oder anderen Innenstadtnutzern gibt. „Diese dürfen dann allerdings nicht anonym bleiben“, betont Walczak, der sich den direkten Austausch im konkreten Fall wünschen würde, um zu einer konstruktiven Lösung zu finden. „Für viele Straßenmusiker spielt auch der soziale Aspekt eine wichtige Rolle“, hebt der Ortsbeiratsvorsitzende hervor. Ingo Koreng, der derzeit noch von Arbeitslosengeld II lebt und aus gesundheitlichen Gründen vor der Frühberentung steht, bestätigt, dass die Kontakte zu den Passanten für ihn eine große Bedeutung haben. Vor diesem Hintergrund betont Walczak, dass die Vertreibung eines Straßenmusikers auch die Gefahr seines generellen Rückzugs aus der Gesellschaft mit sich bringe.

Ingo Koreng hofft nun, dass er zu seinem ganz normalen musikalischem Alltag zurückkehren kann. Als er vor fast zwanzig Jahren mit dem Flötenspiel angefangen habe, berichtet er, sei sein Spiel tatsächlich noch nicht sehr hörenswert gewesen: „Aber heute bedanken sich viele Zuhörer sogar bei mir, weil sie hören, dass es von Herzen kommt.“ 

Weitere Nachrichten aus Kiel finden Sie hier.

Wer in Kiel derzeit keine Wohnung findet, dürfte angesichts der Nachricht nun wieder sinkender Einwohnerzahlen neue Hoffnung schöpfen. Doch bis sich dieser Effekt auf den Kieler Wohnungsmarkt auswirkt, wird es noch ein paar Jahre dauern.

Jürgen Küppers 30.08.2019

Im Niu Welly in Kiel hat am Donnerstagabend die Brandmeldeanlage einen Alarm ausgelöst. Die Hotelgäste verließen daraufhin das Gebäude. Schon nach 15 Minuten gab es Entwarnung.

Frank Behling 29.08.2019

Nach dem Feuer am Sandhafen Kiel bleibt die beliebte Strandbar länger als angenommen geschlossen. Am späten Nachmittag wurde das Ausmaß des Schadens neu bewertet - und auch Details zur Brandstiftung wurden genannt.

Frank Behling 29.08.2019