Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kiel Streit um Gasthof kocht hoch
Kiel Streit um Gasthof kocht hoch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:30 06.09.2013
Von Volker Rebehn
Der ehemalige Gasthof "Stadt Kiel" an der Schwentinemündung - 1819 erbaut, seit 1995 unter Denkmalschutz - stand seit Anfang 2006 leer. Das Haus wurde im Juli 2013 (Aufnahme 29. Juli) abgerissen. An gleicher Stelle soll ein dreigeschossiges Haus (plus Staffelgeschoss) mit acht Wohnungen neu gebaut werden. Quelle: vr: Volker Rebehn
Kiel

Dass Emotionen an diesem Abend hoch kochen würden, war klar. Das denkmalgeschützte Ensemble aus Gasthof, ehemaliger Sparkasse und Kornwassermühle hat nicht nur lange Jahre das Bild an der Schwentinemündung geprägt. Weit über die Stadtgrenzen hinaus fühlen sich viele Menschen mit dieser Region eng verbunden. So hatte Peter Todeskino (Grüne) kein leichtes Spiel zu begründen, warum die Stadt den Abriss des fast 200 Jahre alten Gasthofes genehmigt hat.

 Der Bürgermeister erläuterte zunächst das lange Verfahren (seit 2006 stand das Haus leer), in dem es unter anderem zwei Bauanträge des Grundstückseigentümers gegeben habe, das Haus abzureißen und in Teilen beziehungsweise komplett als Replik neu aufzubauen. Beides habe das Landesamt für Denkmalpflege abgelehnt. Ein Gutachten habe zudem ergeben, dass eine Sanierung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht möglich und vertretbar gewesen sei. Daher habe die Stadt mit Zustimmung der Unteren Denkmalschutzbehörde den Abriss genehmigt. „Die Bauverwaltung ist eine gebundene Verwaltung. Wenn die Voraussetzungen stimmen, habe ich zu genehmigen“, sagte Todeskino. Der Neubauentwurf des Bauträgers (Agge Bau) sei vorher in einer städtischen Amtsleiterrunde und im Beirat für Stadtgestaltung beraten und verfeinert worden. Wie berichtet, soll ein dreigeschossiges Gebäude (plus Staffelgeschoss) mit acht Wohnungen entstehen.

 Der Ortsbeirat und anwesende SPD-Ratsmitglieder wollten das so nicht schlucken. „Das ist nicht irgendein Gebäude. Wir müssen die Erinnerung an die Werte in der Stadt erhalten“, meinte Torsten Stagars (SPD) und hoffte zumindest auf „ein Umgestalten der Fassade“. Sein Fraktionskollege Peter Kokocinski wies darauf hin, dass der Abriss im Ortsbeirat kein Thema gewesen sei. Dort habe man die Repliklösung unterstützt. Silke Jürgensen (FDP, beratendes Beiratsmitglied) fühlte sich sogar „über den Tisch gezogen“. Man habe etwas anderes erwartet und hätte früher in die Diskussion eingebunden werden müssen. Dann, so Jürgensen, wäre alles etwas einfacher gewesen.

 Die Diskussion wird anhalten. SPD (5 Sitze) und Grüne (1) im Ortsbeirat schickten den Bürgermeister mit dem Prüfauftrag nach Hause, ob an der Schwentinemündung doch noch ein Haus nach historischem Vorbild gebaut werden kann. Dazu soll Todeskino die rechtlichen Möglichkeiten der Stadt im Baugenehmigungsverfahren abklopfen. Die CDU stimmte dagegen. „Wir schlagen vergangene Schlachten“, sagte Arno Witt. Noch ist der Neubau nicht genehmigt. Darüber wollte der Bauausschuss voraussichtlich am 24. Oktober entscheiden. Der Ausschuss hat sich aber in seiner gestrigen Sitzung mit dem Thema beschäftigt.

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!