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Kiel Nächste Runde im Legienhof-Streit
Kiel Nächste Runde im Legienhof-Streit
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12:30 28.07.2019
Von Steffen Müller
Alles muss raus: Am Sonnabend werden ab 10 Uhr Reste des Inventars verkauft.
Alles muss raus: Am Sonnabend werden ab 10 Uhr Reste des Inventars verkauft. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Im Fokus stehen die Grundstückseigentümerin, die Gewerkschaftshaus Kiel GmbH – eine Tochter der Vermögens- und Treuhandgesellschaft (VTG), und die Stadt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) berichtet auf Nachfrage, dass die VTG bei der Bauaufsicht eine Verlängerung der Duldung erreichen wollte, damit der Restaurant-Betrieb während der notwendigen Sanierungsmaßnahmen aufrechterhalten hätte werden können. Das Gesuch habe die Behörde laut DGB allerdings abgelehnt. Nach Angaben der Stadt wurde eine Verlängerung allerdings gar nicht beantragt. Es ist ein weiteres Kapital in den Irrungen und Wirrungen um die Zukunft des Legienhofs.

Ungewissheit Grund für das Ende

Wie berichtet, hatte das Restaurant im Gewerkschaftshaus vor einer Woche seinen letzten Tag. Nach 20 Jahren hat Betreiber Frank Feddersen beschlossen, dass Schluss ist. Als Grund nannte er die Ungewissheit, wie es mit dem sanierungsbedürftigen Gebäudekomplex weitergeht – insbesondere störte Feddersen die Unsicherheit, ob die auslaufende Nutzungsgenehmigung über das Jahr hinaus verlängert wird. Zuvor gab es seitens der Gewerkschaften Zweifel, ob die VTG, die im Auftrag der Gewerkschaften Immobilien verwaltet, überhaupt willens sei, den am 31. August auslaufenden Mitvertrag mit dem Pächter Feddersen zu verlängern und alles daran zu setzen, dass die Sanierung bei laufendem Betrieb stattfinden könne.

Entwurf für Mietvertragsverlängerung

Der ursprüngliche VTG-Plan sah vor, nach Ablauf des Mietverhältnisses die Gaststätte mit den Sitzungszimmern für ein umfangreiche Sanierung über einen längeren Zeitraum zu schließen, was die ortsansässigen Gewerkschaften jedoch abgelehnt hatten und die geplante Sanierung hinfällig werden ließ. Der Protest soll zu einem Umdenken bei der VTG geführt haben. Die Immobilienbesitzerin soll bereit gewesen sein, sich den Vorstellungen der Gewerkschaft zu beugen. Auch Pächter Feddersen erzählt, dass es Ende Mai einen Entwurf für die Verlängerung des Mietvertrags gegeben habe.

Zahlreiche Interessenten für Gastronomie

Da der Mietvertrag nun aber endgültig nicht verlängert wird, wird der Restaurantbereich im Erdgeschoss des Gewerkschaftshauses über einen noch nicht feststehenden Zeitraum geschlossen und umfangreich saniert. Neben der Wiederherstellung des Brandschutzes werden die komplette technische Gebäudeausstattung erneuert und die Mietflächen modernisiert. Nach DGB-Angaben werden nach der Sanierung die Räume wie bisher für Gastronomie, Sitzungen und öffentliche Veranstaltungen genutzt. Wer die Gastronomie dann betreibt, steht noch nicht fest, zahlreiche Interessenten gebe es bereits. Währenddessen geht das Unverständnis über die Schließung des Legienhofs weiter. Nachdem bereits Rolf Fischer, Vorsitzender der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, das Restaurant als einen „bedeutenden authentischen Ort“ bezeichnet hatte, legt nun die ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis nach.

Heide Simonis legt nach

In einem Brief, der an Frank Feddersen und unsere Zeitung ging, schreibt sie, dass – was auch immer die Gründe für das Aus waren – bei der Entscheidung die Geschichte des Hauses für die Stadt Kiel vergessen wurde. Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Ort während des Matrosenaufstands und der Revolution 1918, als sich die Kieler Arbeiter- und Soldatenräte im Gewerkschaftshaus trafen. Am 15. September 1920 stellte Albert Einstein Kielern seine Relativitätstheorie im Gewerkschaftshaus vor, da er aufgrund seines jüdischen Glaubens nicht an der Christian-Albrechts-Universität Vorlesungen halten durfte.

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