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Kiel Prozess wegen Attacke mit Rambo-Messer
Kiel Prozess wegen Attacke mit Rambo-Messer
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18:00 26.03.2019
Von Thomas Geyer
Ein 28-jähriger Mann muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung vor dem Kieler Amtsgericht verantworten. Quelle: Olaf Malzahn
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Kiel-Gaarden

Am 9. Mai 2018 soll er auf offener Straße in Kiel-Gaarden mit einem „Rambo-Messer“ den Ehemann seiner Schwester attackiert haben.

Auch das Auto des verhassten Schwagers blieb nicht verschont

Laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft schlug der Angeklagte zudem mit einer Eisenstange auf den Pkw des verhassten Schwagers ein. Dabei zertrümmerte er die Frontscheibe und demolierte die Karosserie auf der Fahrerseite. Hintergrund des Gewaltausbruchs soll ein generationsübergreifender Streit um den Zugriff auf die staatlichen Sozialleistungen gewesen sein, die der jungen Frau und ihren Kindern zustehen.

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„Wir bekamen vom Jobcenter unser Geld“, berichtet der als Nebenkläger am Prozess beteiligte Ehemann (40). „Doch die Scheckkarten hatte ihr Vater.“ Obwohl die Ehe schon seit Oktober 2015 bestehe, habe das Familienoberhaupt immer noch die Finanzen der Tochter kontrolliert. Sie selbst hätten nicht mal einen Kontoauszug zu Gesicht bekommen.

„Er kam mit dem Messer und griff mich an“

„Wir wollten unsere Scheckkarten zurück“, erklärt der Ehemann, warum die Spannungen im Frühjahr 2018 eskalierten. Nach langem Hin und Her habe sein Schwiegervater eingewilligt: „Komm vorbei, holt die Karten ab.“ Mit einem Freund habe er sich im Pkw auf den Weg gemacht. Doch als er vor dem Wohnhaus der Schwiegereltern in Gaarden ausgestiegen sei, hätten ihn diese vom Balkon herab „in Fäkalsprache beleidigt und bedroht“. 

Dann sei sein Schwager aus dem Haus auf ihn zugelaufen. „Er kam mit dem Messer und griff mich an.“ Die Mutter habe ihn mit Rufen („Töte ihn!“) angefeuert. „Ich würde alles für meine Mutter tun“, erklärte der Angeklagte gestern vor Gericht. Doch seinen Schwager habe er nicht umbringen wollen. Der Verletzte, dessen Schnitt am Daumen der rechten Hand genäht werden musste, will Drohungen wie „Ich schneide dich auf“ gehört haben.

Der Nebenkläger wirkt verzweifelt

Im Gerichtsgebäude sorgten gestern drei eigens abgeordnete Justizwachtmeister dafür, dass der Familienstreit nicht von Neuem eskaliert. Der Prozess wird kommende Woche mit Zeugenaussagen fortgesetzt. Der Nebenkläger wirkt verzweifelt. „Wir sind psychisch am Ende“, sagt er. „Wir wissen nicht, was sie vorhaben.“ Er habe Angst um seine beiden Kinder. Die älteste, uneheliche Tochter (6) dürfe ihre eigene Mutter nicht sehen. Die Familie halte das Mädchen von seiner Frau fern. „Wir haben uns lange nicht getraut, was zu sagen“, sagt der Zeuge. „Dabei sind wir doch nur nach Deutschland gekommen, um hier ein besseres Leben zu führen.“ 

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