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Kiel "Ich warte auf Kiel und Lübeck"
Kiel "Ich warte auf Kiel und Lübeck"
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15:16 07.01.2019
Von Alev Doğan
Susann Schrader ist Geschäftsführerin des Studentenwerkes, das für rund 58.000 Studierende von zehn Hochschulen an sechs Standorten zuständig ist. Und sie sagt in Richtung der städtischen Verwaltungen: "Man schiebt mich hin und her." Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Frau Schrader, wann hat das Studentenwerk eigentlich das letzte Mal ein Wohnheim gebaut?

Landesweit gesehen wurde in Flensburg das letzte Wohnheim in 2017 errichtet. In Kiel war es 2003 das Max-Kade-Haus. 

Seit 2003 sind allein an der CAU mehr als 7000 Studenten dazu gekommen, aber kein weiteres Wohnheim? 

Wir bauen immer, auch aktuell. Wir sanieren und erweitern Wohnheime. Zuletzt haben wir vom Land das ehemalige Schwesternwohnheim in Kiel in der Feldstraße geschenkt bekommen. Das wurde jetzt abgerissen und da werden wir demnächst anfangen, neu zu bauen. Das werden leider nur 46 Wohneinheiten. Vom Land bekommen wir außerdem 500.000 Euro pro Jahr, um damit Stellen neu zu schaffen. Wir sind ja selber Bauherr, wir bauen ohne das landeseigene Gebäudemanagement. So konnten wir unsere Bauabteilung um rund acht Stellen aufstocken, Architekten, Techniker, Controller. Deshalb sind wir auch in der Lage zu sagen, ich fange morgen an zu bauen. Jetzt warten wir.

Worauf?

Das Studentenwerk wird nicht fremdfinanziert, wir finanzieren uns aus den Studentenwerksbeiträgen. Die Finanzierung der Wohnheime läuft über Mittel aus dem sozialen Wohnungsbau. Das heißt, es gibt vergünstigte Kredite mit Auflagen. Ich muss effizient bauen, bestimmte Energie-Richtlinien beachten, und darf nur weitervermieten zu einem bestimmten Preis. Und wir bauen so günstig, dass wir das auch einhalten können. Was wir aber dann nicht kaufen können, ist das Grundstück. Denn das kostet noch weitere Millionen, die wir nicht haben. Das Land hat in Flensburg zum Beispiel gesagt, diesen Baugrund, der gehört uns, den bekommt ihr in Erbpacht zu null Prozent. Wir bekommen es also "geschenkt" und dann haut die Finanzierung hin. Ich kann nur dort bauen, wo das Grundstück dem Land oder der Stadt gehört, denn die dürfen Erbpacht vergeben. 

Also warten Sie darauf, dass Land oder Stadt Ihnen entsprechende Grundstücke geben.

Ja. Und die schieben mich hin und her. Das ist mein Problem im Moment.

Was heißt das, die schieben Sie hin und her?

Wenn ich mir das in Kiel anschaue, da gibt es Flächen wie zum Beispiel das Nordmarksportfeld. Da wurde mir am Anfang von der Stadt signalisiert: Da könnt ihr drauf bauen. Dann irgendwann bekam ich die Information, nee, das geht doch nicht. Aber das wird dann nicht direkt kommuniziert. Man wartet eigentlich darauf, dass die Stadt den Prozess anschiebt, das passiert dann nicht, und man fragt schließlich noch mal nach, und es heißt: Nee, nee, das ist jetzt raus. Und man bekommt auch keine Erklärung warum.

Sie wissen also bis heute nicht warum?

Nicht wirklich. Ich habe am Hochschulempfang noch mal mit Vertretern der Stadt aus unterschiedlichen Referaten gesprochen. Der eine sagt: Doch, für mich gilt das immer noch. Der andere sagt: Nein, Sportfeld und Wohnen, das passt nicht zusammen. Da ist sich die Stadt nicht einig. Ich erwarte von der Stadt, dass die sich untereinander – Herr Stöcken, Frau Grondke und der Oberbürgermeister – absprechen. Dass sie eine Meinung haben. Und wenn ich dann ein Nein bekommen, dann ist das total okay. Immer wieder heißt es auch, soll das Land das doch machen. Bremerskamp in Kiel gehört zum Beispiel dem Land, wird aber verwaltet von der Universität. Für den "Rahmenplan Bremerskamp" waren Planungsaufträge an verschiedene Büros gegeben worden, was auf der Fläche entstehen soll. Nur einer der vorgestellten Entwürfe sah ein bisschen Wohnen vor, alle anderen hatten Wohnen überhaupt nicht zum Inhalt. Das kann doch nicht wahr sein. Wir sprechen seit zehn Jahren über studentisches Wohnen. Jetzt ist die Frage: Ist auf dem Bremerskamp irgendwo noch Platz, wo wir hinpassen könnten. 

Werden die Prioritäten falsch gesetzt? Zu viel Exzellenzuniversität, zu wenig Wohnraum?

So extrem würde ich das nicht formulieren, aber man sollte im Blick haben, dass wenn wir mehr Qualität in der Lehre haben und mehr Studenten kommen, wir auch den Anspruch decken müssen, Wohnraum bieten zu können. Ich sehe mich aber nicht im Widerstreit mit der Universität. Alles was die Uni größer und besser macht, macht uns ja auch besser. Ich sehe auch nicht die Uni in erster Verantwortung, sondern ich sehe das Land und die Stadt in der Verantwortung. Es muss uns in irgendeiner Form Baugrund gegeben werden. Es müssen verbindliche politische Entscheidungen getroffen werden. Das Land kommt seiner Pflicht nach.

Im Gegensatz zur Stadt?

Ja. Ich warte auf die Städte, vor allem Kiel und Lübeck. In Flensburg ist etwas besser geworden. Das Problem ist, die Städte könnten die Grundstücke zu einem wirklich guten Preis an einen privaten Investor verkaufen. Es ist eine Entscheidung innerhalb der Stadt: Verzichten wir auf die Kaufsumme und geben das in Erbpacht oder nicht. Das ist also eine politische Entscheidung. Und die trifft gerade keiner.

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