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Kiel 1200 bei Diskussion um Flüchtlingsunterkunft
Kiel 1200 bei Diskussion um Flüchtlingsunterkunft
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11:52 08.02.2016
Von Heike Stüben
Überbordendes Interesse: Infoveranstaltung zur geplanten Flüchtlingsunterkunft in der Sporthalle Suchsdorf. Quelle: Sven Janssen
Kiel

Schon die erste Fragerunde zeigte, wie groß die Verunsicherung ist, wie heftig aber auch die Gerüchteküche im Stadtteil brodelt. Und so musste der Kieler Stadtrat Gerwin Stöcken immer wieder zum Planungsstand Auskunft geben: Der avisierte Standort am Steenbeker Weg sei noch in der Vorprüfung. 100 Container für 170 Menschen könnten dort aufgebaut werden. „Mehr ist nach meiner Einschätzung hier nicht verträglich. Wir planen zunächst eine Nutzung für fünf Jahre“, sagte Stöcken. Er räumte allerdings ein, dass niemand die internationale Entwicklung vorhersehen könne. „Es kann sein, dass das alles nicht reicht und ich irgendwann wieder zu ihnen kommen muss und wir über neue Pläne reden müssen.“

Auch wer in die Containerunterkunft einziehen würde, kann noch niemand sagen. In letzter Zeit kommen vor allem Familien, auch ältere Menschen nach Schleswig-Holstein, die in den nächsten Monaten auf die Kommunen verteilt werden. 

Betreuung und Polizei sind gewährleistet

Die Flüchtlinge würden auf jeden Fall von einer sozialen Organisation betreut. Außerdem wäre ein Wachdienst rund um die Uhr vor Ort. Die Polizei würde – bereits vor dem Bezug – verstärkt Streife in Uniform und zivil fahren. Ob das Grundstück überhaupt geologisch geeignet ist, müssen laut Stöcken noch die weiteren Prüfungen ergeben. Das Grundstück steht allerdings bereit: Es gehört seit längerem der Stadt, war bisher an einen Landwirt verpachtet. Der Pachtvertrag lief zum Ende 2015 aus und wurde nicht verlängert. 

Die größte Sorge der Anwohner gilt der Sicherheit. Eine Mutter verwies auf die vielen Kinder und Teenager in dem benachbarten Wohngebiet hin. „Diese Sorge kann ich Ihnen nicht nehmen. Wir können nicht permanent überall im Stadtteil sein“, sagte der Leiter des Ersten Reviers, Kai Born. Er berichtete aber, dass die Kriminalität an der Erstaufnahme am Nordmarksportfeld gen Null gehe. „Auch bei den Vorfällen in der Wik gehen wir nach wie vor nicht von einer Serie aus.“

Stöcken warnte vor Gerüchten

Gerwin Stöcken betonte, dass er die Sorgen verstehen können. „Aber wir sollten bedenken, dass 95 Prozent Sexualstraftaten im Nahfeld stattfinden, also von Tätern, zu denen die Opfer Vertrauen haben. „Stöcken bat eindringlich, nicht Gerüchten aufzusitzen wie etwa der angeblichen Vergewaltigung einer Reinigungskraft am Nordmarksportfeld. „Ich habe selbst mit der Frau gesprochen. Sie hat mir bestätigt, dass an diesem Gerücht nichts dran ist.“

Stöcken will nun mehrere Vorschläge von Besuchern prüfen lassen. Dazu gehört der Wunsch, eine Begegnungsstätte  in dem Stadtteil zu schaffen. Vorgeschlagen wurde dafür der Rungholtplatz, der Neubau der Wankendorfer oder auch die Flüchtlingsunterkunft selbst, wenn sie denn kommt. Auf jeden Fall soll die Beleuchtungssituation vor Ort verbessert werden. Außerdem wird der Vorschlag geprüft, ob statt Containern auch Häuser in Holzständerbauweise möglich sind. „Wenn das machbar ist, sollten wir das machen“, sagte Stöcken. Als wünschenswert, aber unrealistisch bezeichnete er hingegen den Vorschlag, die Flüchtlinge in Wohnungen über den Stadtteil verteilt unterzubringen.

Neben den Gegnern meldeten sich auch Bürger zu Wort, die die Integration von 170 Flüchtlingen in Suchsdorf für möglich halten. „Gerade um die Entwicklung von Parallelgesellschaften zu verhindern, sollten wir Kinder hier bei uns aufnehmen. Die Voraussetzungen für Integration sind in diesem Stadtteil meiner Meinung nach wirklich gut“, sagte die Leiterin des AWO-Kinderhauses, Margarete Meinlschmidt.

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