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Kiel Susanne Gaschke (SPD) bleibt Favoritin
Kiel Susanne Gaschke (SPD) bleibt Favoritin
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13:29 28.06.2016
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
In die Stichwahl in zwei Wochen um den Posten des Oberbürgermeisters in Kiel geht die Sozialdemokratin Susanne Gaschke (re.) als Favoritin. Quelle: dpa
Kiel

Die SPD-Kandidatin vorn, aber zum Sieg gleich im ersten Anlauf reichte es bei der Oberbürgermeisterwahl in Kiel am Sonntag nicht. Die Journalistin Susanne Gaschke (45) von den Sozialdemokraten holte mit 43,23 Prozent die meisten Stimmen und geht so als Favoritin in die Stichwahl. Es folgten Gert Meyer (41) von der CDU mit 38,76 Prozent und der Grüne Andreas Tietze (50) mit 13,78 Prozent. Je mehr der 103 Wahlbezirke ausgezählt wurden, desto knapper wurde der Abstand zwischen Gaschke und Meyer.

Die Neuwahl des Oberbürgermeisters wurde erforderlich, weil der frühere Amtsinhaber Torsten Albig (SPD) Ministerpräsident wurde. Chancenlos blieben wie erwartet die Einzelbewerber Matthias Cravan und Jan Barg mit 1,55 und 2,66 Prozent.

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Die Wahlbeteiligung betrug 35,78 Prozent; damit wurde der Tiefstand von 2009 mit 36,5 Prozent noch unterboten. Als Seiteneinsteigerin und neue Kandidatin sei sie sehr zufrieden, sagte die „Zeit“-Redakteurin Gaschke. Ob sie nun die Favoritin für die Stichwahl sei? „Ja, natürlich“.

Die Wahl in Kiel wurde mit besonderer Spannung erwartet, weil sich kein klarer Favorit herausgeschält hatte. „Ich bin sehr zufrieden, den zweiten Wahlgang erreicht zu haben“, sagte Meyer. Bei der Stichwahl sei er weiter der Außenseiter. „Die Favoritenstellung von Frau Gaschke bleibt natürlich bestehen“, sagte Meyer.

Susanne Gaschke kann bei einem starken grünen Gegenkandidaten sehr zufrieden sein“, sagte Ministerpräsident Albig. „Jetzt gilt es, für den zweiten Wahlgang alle zu mobilisieren, die eine soziale, gerechte und starke Stadt wollen. Dafür müssen wir die grünen Wähler für uns gewinnen.“

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195 000 Bewohner waren am Sonntag aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Zwar ist Kiel eine traditionelle Hochburg der SPD. Offen blieb aber bis zum Schluss, inwieweit die Kandidatin Gaschke — als „Zeit“-Redakteurin eine politische Seiteneinsteigerin — das Wählerpotenzial der Sozialdemokraten ausschöpfen und Stimmen im bürgerlichen Lager holen könnte. 2009 war das Albig bestens gelungen, als er die damalige CDU-Amtsinhaberin Angelika Volquartz bereits im ersten Wahlgang bezwingen konnte.

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Ein halbes Jahr nach der Landtagswahl und ein halbes Jahr vor den Kommunalwahlen gab der Urnengang in Kiel einen interessanten Hinweis auf die Stimmungslage im Land. Die CDU hatte gehofft, endlich mal wieder in einer Großstadt zu siegen und die Grünen sehnten sich danach, an den Erfolg ihres Parteifreundes Fritz Kuhn in Stuttgart anzuknüpfen. Mit unter 14 Prozent Prozent blieb ihr Kandidat Tietze allerdings deutlich unter den Hoffnungen. „Es ist nicht gelungen, die Stimmung von Stuttgart nach Kiel zu holen“, sagte Tietze. „Enttäuscht bin ich nicht“, meinte er aber zu seinem Abschneiden. Wichtig sei, dass 60 Prozent der Wähler eine rot-grüne Politik wollten.

SPD-Kandidatin Gaschke, die Anglistik, Pädagogik und Öffentliches Recht studierte, hatte sich nur sehr knapp im parteiinternen Bewerberrennen durchgesetzt und war nicht die Wunschkandidatin der SPD-Spitze. CDU-Kandidat Meyer, Ex-Stadtrat, langjähriges Mitglied der Ratsversammlung und Diplom-Betriebswirt präsentierte sich im Wahlkampf als seriöser Pragmatiker. Immer wieder machte er deutlich, dass sich die hoch verschuldete 238.000-Einwohner-Stadt keine großen Sprünge leisten kann. Sie sitzt auf einem Schuldenberg von 400 Millionen Euro, das Defizit in diesem Jahr beträgt rund 90 Millionen.

Die Landeshauptstadt Kiel wurde seit 1950 von zehn Oberbürgermeistern geleitet. Zweimal schaffte es eine Frau an die Spitze des Rathauses: Angelika Volquartz (2003 bis 2009) und Susanne Gaschke (2012 bis 2013). Bis auf Angelika Volquartz (CDU) waren alle anderen Oberbürgermeister in der SPD verankert. Hier eine Übersicht.

Grünen-Kandidat Tietze, Sozialökonom, Theologe und im Landtag Wirtschaftspolitiker, warb für moderne Energie- und Verkehrskonzepte in einer kreativen „grünen“ Stadt.