Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Schottenrock der anderen Sorte
Kiel Schottenrock der anderen Sorte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:42 27.06.2014
Von Kai-Peter Boysen
Die Red Hot Chilli Pipers rockten die Bühne mit ihren Dudelsäcken. Quelle: Boysen
Anzeige
Kiel

Bagrock nennt sich dieser Stil, den die acht Schotten in zwölf Jahren von Belgien bis Barbados getragen haben. Basis ist eine Rockband aus Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug, dazu gesellen sich drei Dudelsackpfeifer und ein Marschtrommler, der auch für die Percussion an den Congas sorgt.
Mit dem Intro von Faithless` “Insomnia“ stellen sich die Herren vor, die ab da dem Schottenrock eine neue Bedeutung verleihen. Traditionell gewandet, lassen es The Red Hot Chilli Pipers in einem Medley aus „Smoke On The Water“, „Thunderstruck“ und „Gimme All Your Lovin“ tüchtig krachen. Sogar das Deep Purplesche Call-And-Response-Spiel zwischen Stimme und Gitarre wird von Dudelsack und Gitarre übernommen, wobei sich die Herren Thomson (Gitarre) und McKane (Bagpipe) Rücken an Rücken und Kopf auf Schulter ins Finale steigern.

Doch die Pipers sind keine reine Coverband, auf ihren bisher vier Studioalben finden sich auch Eigenkompositionen und Bearbeitungen von Traditionals wie der „Little Cascade“, deren Rhythmik durch Gitarre und Schlagzeug ganz vordergründig wird. Dazu haben sich die Männer in den Röcken einige amüsante Choreographien ausgedacht, die von Boygroup-Posing und Hüftschwung bis zum Huckepack reichen. Natürlich immer augenzwinkernd und mit scherzhaften Bemerkungen aufgelockert.

Für die Moderation ist meist Dudelsackspieler Kevin MacDonald zuständig, der die Band 2002 gegründet hat und wie seine Mitbläser Absolvent der Royal Scottish Acadamy of Music ist. Die drei pfeifen auf alles, sei es „Clocks“ von Coldplay, „Use Somebody“ von Kings Of Leon, „Everybody Dance Now“ von C & C Music Factory oder „Wake Me Up“ von Avicii, das bereits zwei Millionen mal auf youtube geklickt wurde und wie eine sehnsuchtsvolle Highland-Tune beginnt. Dabei erweitern die Dudelsäcke die Grundakkorde durch das traditionelle Bagpipe-Hochgeschwindigkeitsspiel oder sie übernehmen die Gesangsmelodie. Im Falle „Chasing Cars“ gliedern sie die Harmonien auf, spielen alle ihren eigenen Part, wobei die Grundidee des Liedes nie verloren geht. Also alles Andere als reines Karaoke, was die Schotten da über die Lippen bringen.
Verschnaufpausen gibt es fast keine und trotz der bekannten Grundzutaten bleibt das Konzert abwechslungsreich und sehr unterhaltsam. Das Publikum klatscht begeistert mit und lässt sich sogar bei „100 Pipers“ dazu überreden, sich hinzuhocken, um dann zum Tanzen aufzuspringen. Jugendliche sind das von Konzerten gewohnt, die Älteren schauen sich mit dem Mach-du-zuerst-dann mach-ich-auch Blick an, aber MacDonald schafft es, fast alle zu animieren.

Ein cool arrangiertes „Don`t Stop Believin`“ von AOR-Legende Journey, „We Will Rock You“ und „Eye Of The Tiger” bilden das furiose Finale der Red Hot Chilli Pipers, die übrigens keinen Song ihrer berühmten Namensgeber Red Hot Chilli Peppers gespielt haben.