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Kiel Händler fürchten erneute Sperrung
Kiel Händler fürchten erneute Sperrung
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12:49 05.07.2019
Von Steffen Müller
Noch ist die Zufahrt von der Ratzeburger Straße auf den Theodor-Heuss-Ring frei. Das beruhigt die Händler im Gewerbegebiet Stormarnstraße nicht: Der Luftreinhalteplan sieht eine Sperrung vor. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

Bereits von Mitte April bis Mitte Mai war eine Ausfahrt aus der Ratzeburger Straße auf den Theodor-Heuss-Ring nicht möglich, was nicht nur zu einem Verkehrschaos führte, sondern auch zur Folge hatte, dass den Geschäftsleuten die Kunden davonliefen. Von bis zu 30 Prozent Gewinneinbruch berichteten damals einige Händler. Erst nach lautstarken Protesten wurde die Sperrung wieder aufgehoben.

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Händler bekommen Schützenhilfe von Landespolitikern

Damit die Stormarnstraße auch in Zukunft gut erreichbar bleibt, machen die Gewerbetreibenden nun mobil. Nach einem Gespräch mit Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer haben sie zu einem weiteren Austausch mit den Kieler Landtagsabgeordneten von SPD, CDU, Grünen und FDP eingeladen und erhalten breite Zustimmung. Alle am Gespräch beteiligten Politiker wollen sich nach eigenem Bekunden dafür einsetzen, dass die Ratzeburger Straße nicht erneut gesperrt wird. 

Besonders pikant: Auch der Grüne Lasse Petersdotter spricht sich gegen die Sperrung aus, obwohl sein Parteifreund, Umweltminister Jan Philipp Albrecht, in dem von ihm vorgelegten Luftreinhalteplan fordert, die Zufahrt auf den Theodor-Heuss-Ring dichtzumachen. „Die Geschäftsleute haben gute Argumente geliefert, die gegen eine Sperrung sprechen“, sagte Petersdotter. „Die Maßnahmen zur Luftreinhaltung müssen verhältnismäßig sein.“ Bei der Stormarnstraße sieht Petersdotter kein gesundes Maß zwischen Aufwand und Ertrag.

Auch Grünen-Politiker gegen Sperrung

Klar sei aber auch, dass die Grenzwerte von 40 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel nicht überschritten werden dürfen. „Wenn wir eine Vorgabe aus dem Katalog streichen, müssen wir für Ersatz sorgen.“ Wo an anderer Stelle der Stickoxid-Ausstoß reduziert werden soll, müsse nun erörtert werden. Er habe bereits mit dem Umweltminister gesprochen, damit nach Alternativen gesucht werde. In der Verantwortung sieht Petersdotter hierbei Stadt und Land, schließlich habe die Stadt die erste Sperrung im April selbst angeordnet. 

Verständnis für die Unternehmer in der Stormarnstraße zeigte auch die SPD-Landtagsabgeordnete Özlem Ünsal. Wie Petersdotter merkte sie aber ebenfalls an: „Trotz rechtlicher Vorgaben muss es uns über den Luftreinhalteplan gelingen, eine tragfähige Lösung für alle Beteiligten in der Stadt zu erzielen. Unser Kieler Gewerbestandort Stormarnstraße mit seinen vielen Arbeitsplätzen muss erhalten und die vorgesehen Maßnahmen müssen verhältnismäßig bleiben.“ Das Ergebnis dürfe nicht lauten: Verlust von unzähligen Arbeitsplätzen durch Abwanderung von Betrieben. Gleichzeitig mahnte die SPD-Politikerin an, dass weder die Gesundheit der betroffenen Anwohner noch die Existenz der ortsansässigen Unternehmen und ihrer Mitarbeiter aufs Spiel gesetzt werden dürfen. 

Gibt es einen akzeptablen Mittelweg?

Um das Dilemma, einen Mittelweg zu finden, durch den die Luft sauberer wird, ohne dass die Wirtschaft darunter leidet, weiß auch der Kieler CDU-Landtagsabgeordnete Tobias von der Heide. „Ich werde mich dafür stark machen, dass die Sperrungen von Zufahrten zu Gewerbegebieten nicht Bestandteil des Luftreinhalteplans werden. Klar ist aber auch, dass der Luftreinhalteplan am Ende ein Szenario aufzeigen muss, das den vorgegebenen Grenzwert unterschreitet.“ Zudem mahnte er an, dass Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, wie bereits im Januar im Landtag gefordert, eine Analyse der wirtschaftlichen Folgen von möglichen Fahrverboten und Straßensperrungen in Auftrag geben solle. Für die Stormarnstraße hält der OB eine solche Überprüfung allerdings für nicht mehr nötig. „Es liegt auch ohne aufwendige Analyse auf der Hand, dass die Sperrung erhebliche negative Folgen hat.“ 

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