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Kiel Kiel plant eine Schutzmauer am Theodor-Heuss-Ring
Kiel Kiel plant eine Schutzmauer am Theodor-Heuss-Ring
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14:27 13.11.2019
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Hier herrscht dicke Luft: Der entsprechende Abschnitt am Theodor-Heuss-Ring wird jetzt weiter entlastet, um die Stickoxid-Grenzwerte einzuhalten. Quelle: Frank Peter
Kiel

Die Luft am Theodor-Heuss-Ring wird nicht dünner. Die Stadt ergreift Kleinstmaßnahmen, um die Stickoxid-Konzentration zu senken, die Verwaltungsspitze und das Oberverwaltungsgericht warten auf den Luftreinhalteplan, den das Landesumweltministerium aufstellt. Der angekündigte Termin ist gerissen.

Das Umweltministerium kündigt den Luftreinhalteplan nunmehr für Ende November statt Ende Oktober an. "Die längere Bearbeitungsdauer ergibt sich aus zahlreichen Einwendungen der Stadt Kiel und neuen Berechnungsmethoden zu Emissionswerten", teilte Ministeriumssprecher Patrick Tiede auf Anfrage mit. 

Auf den Luftreinhalteplan wartet auch das Oberverwaltungsgericht in Schleswig. Eine Verhandlung über ein Diesel-Fahrverbot werde nicht mehr in diesem Jahr stattfinden, sagte Gerichtssprecherin Christine Nordmann und nannte zwei Gründe: Der zuständige 5. Senat sei derzeit mit dringenderen und älteren Sachen überlastet, und aus dem Luftreinhalteplan könne sich "eine neue prozessuale Situation" ergeben. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte gegen das Land Schleswig-Holstein geklagt, um ein Diesel-Fahrverbot zu erzwingen.

Lkw-Verbot in der Bahnhofstraße in Kiel

Derzeit lässt die Stadt Verbotsschilder an der Bahnhofstraße anbringen, um ab Dezember den Lkw-Verkehr (über 3,5 Tonnen) dort herauszuhalten. Die Idee dahinter: Wenn die Lastwagen von den Skandinavien-Fähren aus nicht mehr durch die Bahnhofstraße fahren dürfen, erreichen sie den Theodor-Heuss-Ring Richtung Fernstraßen erst hinter der Messstation – oder fahren gar nicht erst auf die Bundesstraße 76.

Kiel plant eine Schutzmauer am Theodor-Heuss-Ring

Zudem soll ab Frühjahr 2020 ein weiteres Bausteinchen des städtischen Maßnahmenplans gegen die Luftbelastung am Heuss-Ring gesetzt werden: Der Bauausschuss hat grünes Licht für eine Betonschutzwand und fotokatalytische Beläge von Rad- und Fußweg am sensiblen Straßenabschnitt gegeben. Die Oberfläche zieht bei Sonneneinstrahlung einige Schadstoffe aus der Luft.

Es gehe tatsächlich um eine 80 Zentimeter hohe Mauer, sagte Tiefbauamtsleiter Peter Bender. Sie ersetze die provisorischen Absperrungen der Zu- und Abfahrten zwischen Lübscher Baum und Dorotheenstraße. Auf dem Krusenrotter Weg und der Dithmarscher Straße seien herausnehmbare Elemente vorgesehen, um die Straßen als Rettungswege freimachen zu können. Auch die Mauer werde fotokatalytisch wirken, so Bender: "Wir schaffen damit zusätzliche Oberfläche."

CDU will weiter Absaugcontainer

Skepsis hagelte es für diese Maßnahmen von den Grünen: "Wir sehen das kritisch, weil wir es nicht hinreichend belegt wissen", sagte Ratsherr Arne Stenger. Er forderte statt neuer Beläge mehr Maßnahmen, um den Verkehr zu reduzieren. Ratsherr Arne Langniß ergänzte: "Lärm und Feinstäube werden damit nicht reduziert."

Rainer Kreutz (CDU) kritisierte die Kosten: "Wir geben für einen bloßen Versuch Millionen aus." Er forderte Absauganlagen: "Solange wir keine Alternative zur B 76 aus dem Kreis Plön haben, müssen wir eine technische Lösung finden." Der Ratsherr verwies zudem auf mit der Mauer manifestierte Umwege, die neue Belastungen erzeugten. 

Peter Bender berichtete, dass die Sanierung der Wege insgesamt etwa eine Million Euro koste – durch den speziellen Belag aber lediglich etwa 100.000 Euro Mehrkosten entstehen. Im Ausschuss enthielten sich letztlich CDU und AfD, alle anderen Fraktionen stimmten zu. 

Auch Sanierungen am Barkauer Kreuz

Eingebettet werde die Maßnahme in die Sanierungsarbeiten unterhalb des Überfliegers am Barkauer Kreuz, so die Stadt auf Anfrage. Erst wenn die Temperaturen erwartbar ganztägig über acht Grad liegen, könne damit begonnen werden – also mutmaßlich im April 2020. 

Ob Absauganlagen zum Einsatz kommen, hänge davon ab, ob sie im Luftreinhalteplan vorgesehen seien, sagte Stadtsprecher Arne Gloy. "Die Stadt geht davon aus, dass solche Anlagen eingesetzt werden."

So entwickeln sich die Stickoxide am Theodor-Heuss-Ring

Sinkende Stickoxid-Werte am Theodor-Heuss-Ring verkündete Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer schon im März, als er sein Maßnahmenpaket für den Theodor-Heuss-Ring vorstellte. Im Januar/Februar 2019 lag der Mittelwert danach bei 51 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Ein Jahr zuvor waren es noch 61 Mikrogramm gewesen. So niedrig wie zu Jahresbeginn ist der Wert zwar im Durchschnitt, allerdings nicht in jedem Monat geblieben: Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt lag der Jahresmittelwert ab dem 1. Januar um 17 Uhr bis gestern Abend bei etwa 50,4 Mikrogramm. Nach den Daten wurde in jedem Monat der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm gerissen.

Ausreißermonat nach unten war der März mit durchschnittlich 42,8; nach oben der April mit 67,3 Mikrogramm. Allerdings könnte Kiel um ein Diesel-Fahrverbot herumkommen, weil es rechtlich erst ab 50 Mikrogramm als verhältnismäßig gilt. Dieser Wert dürfte 2020 unterschritten werden.

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