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Kiel Männer verfallen der alten Masche
Kiel Männer verfallen der alten Masche
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00:17 10.11.2013
Von Karina Dreyer
Umringt von seinen Fans: Thomas Jaenisch, einer der beiden MyBoshi-Gründer. Quelle: eye
Kiel

Leicht ist es nicht, mit Thomas Jaenisch ins Gespräch zu kommen. Umgarnt von Fans, muss der 29-Jährige Fragen über Fragen zu Häkeltechniken beantworten. Von sich selbst muss er nicht viel erzählen, die Fans sind gut informiert. Dass er mit Kumpel Felix Rohland 2009 als Skilehrer in Japan war, sich dort abends aus Langeweile von einer Spanierin das Häkeln beibringen ließen und kurze Zeit später erste eigene Mützen verkauft haben, wissen viele aus Talkshows. Die Oberfranken sind bereits Medienstars, haben etliche Häkel-Guides herausgegeben und im Heimort Hof 30 Häkel-Omis, die auf Bestellung der steigenden Fangemeinde Mützen fertigen. Es gibt auch eigenes Boshi-Garn, denn „die Drehung, Lauflänge, Dicke, das Verhältnis von Wärme und Flauschigkeit müssen stimmen“, betont Jaenisch. Im Internet besteht eine MyBoshi-Selbsthilfegruppe. Ach ja, und Boshi ist übrigens Japanisch und bedeutet Mütze.

Das Kieler Handarbeitsgeschäft ist rappelvoll mit Fans. „Häkeln ist momentan voll der Hammer, wir haben immer drei bis vier Tonnen Häkelwolle auf Lager“, beschreibt Geschäftsführer Armin Möller. Für ihn war der Häkel-Hype, vor allem bei Männern, längst überfällig. Das sieht auch Jaenisch so: „Häkeln ist für die männliche Emanzipation ganz wichtig. Viele Männer haben sich vorher nie getraut, öffentlich von ihrem Hobby zu erzählen“, weiß er aus Gesprächen. 20 Prozent der Häkler seien Männer.

Auch der zwölfjährige Arvit Zankl freut sich über den Besuch des Star-Häklers. Mit acht Jahren hat er das Häkeln gelernt, blieb aber immer bei Topflappen. Mit Boshi kamen seine ersten Mützen. „Das schwierigste ist, dabei zu bleiben und zufrieden mit dem Ergebnis zu sein“, sagt er und zückt aus seiner Hosentasche ein Etui mit allen nötigen Häkel-Utensilien.

Das Studium zum Wirtschaftsingenieur hat Jaenisch längst geschmissen, die beiden Freunde könnten mittlerweile von ihrem Unternehmen leben, sagt er. Ihre Idee war einfach gut: Nicht nur Mützen herstellen, sondern das Häkeln zum Kult zu machen.

 Umringt von seinen Fans: Thomas Jaenisch ist einer der Gründer von MyBoshi und löste einen Häkel-Hype aus. Am Mittwoch zeigte er in Kiel seine Kniffs und Tricks.

Mintgrün, rosa, rot, gelb oder braun, von uni bis gestreift: Pro Mütze braucht es zwei bis drei Knäuel, je nach Mehrfarbigkeit. Tanja Berger kauft mit ihrer Mutter Dörte Berger neues Garn. „Ich suche die Farben aus und meine Mutter häkelt für die ganze Familie Mützen“, sagt sie.

Das sei ganz typisch: „Es gibt die tragende Zielgruppe, die liegt zwischen 15 und 25 Jahren, sowie die machende, die beginnt ab 45 Jahren aufwärts“, so Jaenisch. Stephanie Schütt ist seit Sommer im Häkel-Fieber und begeistert vom Meister. „Er ist nicht so spießig, wirkt menschlich und männlich,“ findet die 37-Jährige. Zwei bis drei Stunden braucht sie pro Mütze, „das geht in einem Rutsch, macht einfach nur Spaß und ist entspannend“.