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Kiel Gebuddelt wird in Kiel immer
Kiel Gebuddelt wird in Kiel immer
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04:49 28.05.2014
Von Günter Schellhase
Als neuer Chef des Tiefbauamtes lässt Peter Bender in der Stormarnstraße die Regen- und Schmutzwasserrohre erneuern und die Straße anschließend asphaltieren. Quelle: pae
Kiel

Peter Bender kommt mit dem Fahrrad zum Termin – wie sonst ließe sich eine Stadt besser erkunden? Der 45-Jährige hat sich die Stormarnstraße ausgesucht, die auf 350 Metern neue Schmutz- und Regenwasserkanäle bekommen soll. „Ab Herbst dieses Jahres nehmen wir das Kopfsteinpflaster auf und erneuern die Rohre“, erklärt er. Anlieger und Einkäufer müssen sich keine Sorgen machen, denn Baumärkte, Einkaufsdiscounter und andere Geschäfte bleiben erreichbar.

Bender hat sich dafür stark gemacht, dass die Fahrbahn anschließend asphaltiert wird. Der Fußweg auf einer Seite wird hergerichtet und bekommt Parkbuchten. Auf dem Asphalt wird mit einer Linie ein Radweg eingezeichnet, denn er gehört zu einer Veloroute. Ob das Geld jedoch auch noch für das Teilstück hinter der Kurve bis zur Tankstelle reicht, kann er noch nicht abschätzen. „Etwa ein Jahr werden die Arbeiten dauern und bis zu zwei Millionen Euro kosten“, sagt der studierte Bauingenieur.

Norddeutschland ist Benders Heimat, genauer will er nicht werden. Studiert hat er in Hannover, sein Referendariat bis 1997 bei der Hafenplanung in Altenwerder absolviert. Nach einer kurzen Station beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Stralsund wechselte er 1999 zur Wasser- und Schifffahrtsverwaltung nach Kiel als Sachbereichsleiter für Seefahrtszeichen. Damals wohnte er in der Nähe des Uni-Quartiers in der Franckestraße und lernte die Stadt ein bisschen kennen.

Viel Geduld verlangt der Tiefbauamtsleiter den Kraftfahrern im kommenden Jahr ab, wenn der Überflieger am Barkauer Kreuz gemacht wird. Das Bauwerk stammt aus dem Jahr 1972 und wurde damals, wie auch die Rader Hochbrücke, eher „schlank“ gerechnet. Große Lkw dürfen die Brücke nicht mehr befahren und müssen einen Umweg über den Tonberg machen, kleine Lastwagen haben einen ausreichenden Abstand einzuhalten.

„Wir haben durch die Zunahme des Verkehrs und die immer größer werdenden Lkw hier gravierende Schäden“, erklärt der Chef von 290 Mitarbeitern. Zunächst werden die Kappen, die die Leitplanken tragen, saniert. Diese Arbeiten dauern etwa ein Jahr; hierfür wird die Straße für sechs bis acht Wochen voll gesperrt. Wer aus Richtung Lübeck kommt und in die Stadt will, muss den Umweg über den Tonberg nehmen.

Ab 2016 spannen die Spezialisten dann Spannglieder unter der Fahrbahn, um die Tragfähigkeit zu erhöhen. Auch das dauert etwa ein Jahr, größere Sperrungen sind dabei nicht zu erwarten. „Wirtschaftlich macht es Sinn, dafür insgesamt drei Millionen Euro zu investieren, weil wir dann 20 Jahre Ruhe haben“, sagt Bender. Mit dem Bau der Autobahn 21 müsste die Anschlussstelle sowieso neu durchdacht werden.

Derzeit pendelt Bender an den Wochenende noch oft nach Rostock, wo er nach seiner ersten Kieler Zeit das Dezernat für Straßenplanung, Straßenentwurf, Landschaftspflege und Umweltschutz im Landesamt für Straßenbau und Verkehr leitete. „Ich habe in Kiel schon eine Wohnung wieder in der Nähe der Uni in Aussicht und will zum Herbst mit Sack und Pack umziehen“, sagt der Junggeselle und Fußballfan von Hansa Rostock. Einige Abende in Kiel hat er bereits in Oper und Theater verbracht. Gerne läuft und schwimmt er auch, um sich fit zu halten.

Der Um- und Ausbau des Anschlusses Kiel-Mitte mit der Veloroute 10 ist das größte Verkehrsprojekt, das Bender über die Bühne bringen muss. Mit einer neuen Brücke über die Autobahn 215 können Autofahrer auf der B76 aus Richtung Norden zum Citti-Park und von dort aus ohne Umweg über den Westring Richtung Norden und Hamburg abfahren. Von den 15 Millionen Euro Baukosten trägt der Bund ein Drittel.

„Wir zahlen zehn Millionen, weil auf der Brücke eine Spur für den Fahrradschnellweg Richtung Universität mit entsteht“, erklärt Bender. Das Planfeststellungsverfahren beginnt nach den Sommerferien. Der Landesbetrieb Straßenbau benötigt für die Bearbeitung bis zu zwei Jahre, so dass der Tiefbauamtsleiter mit dem Baubeginn 2016 rechnet. Fertig sein soll alles nach anderthalb Jahren.

Als der Ingenieur in Rostock die Stellenausschreibung für die Nachfolge von Uwe Schmeckthal las, bewarb er sich sofort auf den Posten. „Eine große Herausforderung, auch die Personalverantwortung hat mich gereizt“, sagt er. Alle geforderten Bereiche sind ihm vertraut, nur mit der Stadtentwässerung kennt er sich noch nicht gut aus. „Ich kann sagen, dass ich im Rathaus sehr gut aufgenommen wurde. Auch die Stadtpolitiker sind freundlich und weisen mich auf Sachen hin.“