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Kiel Wie sich eine Frau im Handwerk durchboxt
Kiel Wie sich eine Frau im Handwerk durchboxt
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16:16 28.08.2019
Von Katharina Horban
Hanna Polte ist Auszubildende bei der Tischlerei Sienknecht in Kiel-Schilksee. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Noch immer ist es in vielen Betrieben normal, dass ein Kfz-Mechatroniker das Auto repariert oder ein Tischler den Einbauschrank fertigt. Weibliche Auszubildende sind im Handwerk weiterhin in der Minderheit: 2016 waren laut dem Statistischen Amt Schleswig-Holstein von insgesamt 48355 Auszubildenden im Land 18462 weiblich. Von den 15922 Auszubildenden im Handwerk waren nur 3197 Ausbildungsstellen von Frauen besetzt – also nicht einmal jede fünfte.

Auch Anja Schomakers von der Handwerkskammer Lübeck berichtet, dass der Anteil weiblicher Lehrlinge zuletzt prozentual gesunken sei – sowohl in Schleswig-Holstein als auch in Kiel. Beeinflusst würde die Statistik unter anderem durch folgende Entwicklung: "Die Lehrlingszahlen in tendenziell frauenstarken Berufen wie etwa Friseurin oder Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk sind seit einigen Jahren rückläufig." Laut Schomakers liegt deutschlandweit der Frauenanteil bei neugeschlossenen Ausbildungsverträgen im Handwerk bei fast einem Viertel, wobei junge Frauen aber sehr häufig kreative Handwerksberufe wählen: Maßschneiderin, Goldschmiedin oder auch Konditorin. Aber auch einzelne technische Berufe wie Augenoptikerin oder Zahntechnikerin seien bei Frauen durchaus beliebt.

Das tut die Handwerkskammer

"Wir wollen uns von Stereotypen lösen und ganz klischeefrei neue Wege bei der Berufswahl gehen", betont Anja Schomakers von der Handwerkskammer Lübeck. Verschiedene "Nachwuchsgesinnungsprojekte" werden von Lübeck aus koordiniert, etwa auch für den Großraum Kiel. In der Landeshauptstadt wird mit der Kreishandwerkerschaft Kiel einmal im Jahr die Lehrstellenrallye veranstaltet. Diese Initiativen sind längst nicht alle nur für Frauen gedacht, stets würde jedoch der Fokus darauf liegen, verstärkt Frauen fürs Handwerk zu gewinnen.

Bei dem Projekt "Regionale Fachberatung Schule – Betrieb" leiert die Handwerkskammer Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben an: Es geht um das Anforderungsprofil an zukünftige Azubis, Praktika und Schulmessen. Die Fachberatung sucht und vermittelt eine passende Schule mit dem Ziel, die Berufsorientierung und Ausbildungsreife der zukünftigen Auszubildenden zu stärken. Durch die langfristigen Kooperationen gewinnen die Betriebe laut Schomakers geeignete Nachwuchskräfte.

Die Aufklärungskampagne "Handwerk ist mehr" richtet sich hauptsächlich an weiterführende Schulen. Um die Berufsorientierung zu unterstützen, werden zum Beispiel Handwerksberufe und duale Studiengänge aufgezeigt. Auch bietet die Handwerkskammer Einzel- und Gruppenberatungen sowie ein Angebot der Lehrer- und Elternberatung an. Zuletzt ist die Handwerkskammer auch an Universitäten mit ihrem Projekt "Kurswechsel – machen!" vertreten, das sich vor allem an Studienzweifler richtet. Es werden berufliche Alternativen aufgezeigt und gegebenenfalls auch Praktikums- und Ausbildungsplätze im Handwerk vermittelt.

1981 kam der erste weibliche Lehrling in die Kieler Tischlerei

"Meine Eltern haben total offen reagiert. Ich kann jetzt mehr als mein Papa. Darüber hat er sich total gefreut", erzählt Hanna Polte. Die 21-Jährige befindet sich im dritten Lehrjahr ihrer Tischlerausbildung in der "Tischlerei Sienknecht" in Schilksee und arbeitet gerade an ihrem Gesellenstück. Neben Tischlermeister Joachim Sienknecht arbeiten in dem Betrieb zwei Männer und vier Frauen. Sienknecht hat 1981 den ersten weiblichen Lehrling angestellt und kürzlich die 28. Frau als Auszubildende unter Vertrag genommen. 2018 war Hanna Polte laut einer Erhebung der Handwerkskammer Lübeck eine von 93 Frauen im Ausbildungsberuf Tischlerin: Insgesamt waren in Schleswig-Holstein im Vorjahr 723 Auszubildende im Tischlerberuf angestellt.

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Lange hatte Polte den Wunsch, Architektur zu studieren: Ihr erstes Schulpraktikum hat sie bei einem Architekten gemacht, der ihr dann eine Ausbildung im Handwerk empfohlen hat. Deswegen landete Polte schließlich in der Tischlerei Sienknecht. Nach dem Abitur entschied sich niemand aus ihrem Freundeskreis für eine Ausbildung. Sie bemängelt, dass es an ihrer Schule Studieninformationstage gegeben habe – aber keinen Tag mit Informationen zur Ausbildung und schon gar nicht zum Handwerk: "Das ist ein großes Defizit."

Frauen mit Werkzeugkasten sorgten in Kiel für erstaunte Gesichter

Über Vorurteile, dass die Arbeit für Frauen zu anstrengend sei, sagt die 21-Jährige entschieden: "Es ist noch nie ein Auftrag gescheitert, weil ich nicht stark genug war. Es ist alles möglich." Wenn ihr etwas zu schwer ist, läuft sie zweimal und verliert vielleicht eine Minute. Auch das Klischee, dass Frauen mangelndes technisches Verständnis hätten, sei Unsinn. Bei den Kunden hat es während ihrer Ausbildung oft erstaunte Gesichter gegeben, wenn sogar zwei Frauen mit ihren Werkzeugkästen zu einem Termin erschienen sind: "Es dominiert positive Überraschung."

Für eine Ausbildung im Handwerk hat sich Polte entschieden, "weil sich das so angeboten hat": Für sie es sei wichtig, eine fundierte praktische Grundlage zu haben und auch mal auf der anderen Seite zu stehen. Mittlerweile weiß Polte jedoch, dass sie nach ihrer Tischlerausbildung nicht Architektur studieren wird – sondern Berufsschullehramt für Holztechnik und Politikwissenschaft. Das Tischlerhandwerk wird sie aber auch weiterhin begleiten: Im Herbst geht es für einen Handwerksaustausch in eine Tischlerei nach Dänemark.

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