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Kiel Die „Majestät“ will sich noch nicht entblättern
Kiel Die „Majestät“ will sich noch nicht entblättern
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10:31 30.05.2016
Von Jürgen Küppers
Die Titanenwurz war am Wochenende ein begehrtes Fotomotiv der Besucher. Quelle: sp
Kiel

Stattliche 2,04 Meter misst die Titanenwurz. Am Montag dürften noch ein paar Zentimeter dazugekommen sein. Doch wann die Königin floralen Wachstums im Botanischen Garten der Universität endlich geruht, ihre Hochblätter fallen zu lassen, um ihre monströse Blüte zu zeigen, das weiß nur sie allein.

 Diesen nur für wenige Stunden erlebbaren Blüten-Ausnahmezustand einer einmaligen Pflanze hat Kurt Ohmsen vor zwei Jahren versäumt. „Da war die Blüte leider schon abgeknickt.“ Aber jetzt ist der 73-Jährige definitiv zu früh dran. Majestät steht still im Topf und mag sich nicht entblättern.

 Trotzdem will der Kieler Hobbyfotograf wie so viele andere Besucher an diesem Tag auch zumindest das Vorstadium der Blüte mit seiner Kamera festhalten. Aber das ist gar nicht so einfach. Denn Frau Königin mag’s kuschelig feuchtwarm. 40 Grad Celsius zeigt das Thermometer bei 100 Prozent Luftfeuchte im Victoria-Haus. Eine echte Gewächshaus-Sauna. Deshalb muss Kurt Ohmsen auch ständig den Beschlag von der Kameralinse wischen. „Bis irgendwann sogar die Beschichtung der Linse runter ist.“

 Gartenkustos Martin Nickol hat seine „Diva“, wie er die Titanenwurz nennt, natürlich auch ständig im Blick. Selbst von London aus, wo er bis zum Sonntagabend dienstlich weilte. Möglich macht diese Beobachtungsmöglichkeit eine „Titancam“, die man hier anklicken kann.

 Der Kustos hat offenbar ein recht inniges Verhältnis zur Titanenwurz entwickelt. Täglich schickte er in den vergangenen Tagen „Hofberichte“ von London aus in die Redaktion. Diese stets aktualisierten Meldungen klingen wie lyrische Hymnen. „Gestern sank das letzte Hüllblatt hernieder, die Diva ist um weitere 14 Zentimeter gewachsen. Welch eine Leistung! Was so wächst, ist mit seinem Wollen und Können noch nicht am Ende“, hieß es am Sonnabend.

 Weitere 13 Zentimeter Zuwachs meldete Nickol am Sonntag. Jetzt schwebe die Diva „turmgleich über den Wassern“. Doch selbst der Fachmann vermag nur eine vorsichtige Prognose abzugeben, wann denn die größte Blume der Welt sich endlich zum Blühen herablässt: „Ein, zwei, höchstens drei, maximal vier Tage. Aber wenn man erst einmal mit dem Wachstum in Schwung ist, wer weiß?“

 Diesen großen Moment hatten Hans-Georg Gerlich (75) und seine Ehefrau Antje (71) vor zwei Jahren bei der letzten Titanenwurz-Blüte verpasst. „Da muss man schon echt großes Glück haben, genau zur richtigen Zeit zu kommen“, meint die frühere Ärztin, die den Anblick der Pflanze aber auch im Vorstadium der Blüte schon beeindruckend genug findet: „Sie hat in der Tat etwas Majestätisches.“

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