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Kiel Anwalt der Bökens gibt nicht auf
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20:55 26.11.2019
Von Frank Behling
Ablegen der „Gorch Fock“ am 28. August 2008 in Kiel zur 151. Reise: Eine Woche später ging Jenny Böken in der Nordsee während der Wache über Bord. Quelle: Frank Behling
Kiel

Was geschah in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008 auf der „Gorch Fock“? Diese Frage lässt die Eltern von Jenny Böken nicht ruhen. Die Offizieranwärterin war in jener Nacht über Bord des Segelschulschiffes gegangen und elf Tage später tot aus der Nordsee geborgen worden. Jetzt sind die Eltern mit einem weiteren Versuch gescheitert, ein Gerichtsverfahren einleiten zu lassen. Kurz vor dem zehnten Todestag der Kadettin hatten die Eltern mit ihrem Anwalt Rainer Dietz vor einem Jahr eine neue Zeugin präsentiert, die nach dem Todesfall in Gesprächen Wörter wie Mord und Vergewaltigung herausgehört haben wollte. 

Ermittler halten Zeugin nicht für glaubwürdig

Um ihrem Wunsch nach einem Verfahren Nachdruck zu verleihen, hatten sie im Januar 140.000 Unterschriften von Menschen aus ganz Deutschland in Form einer Online-Petition im Kieler Justizministerium eingereicht. Vergebens: Die im Frühjahr eingeleiteten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kiel wurden jetzt wieder eingestellt. Die von Anwalt Rainer Dietz präsentierte neue Zeugin war im April vernommen worden. Über mehrere Stunden hatten die Ermittler die Zeugin befragt. 

Die Überprüfung der Angaben war ernüchternd: „Wir stießen dabei auf Widersprüche, die uns an der Glaubwürdigkeit der Zeugin haben zweifeln lassen“, sagt Oberstaatsanwalt Michael Bimler

Die Zeugin war 2008 Soldat bei der Bundeswehr. Nach dem Ende ihres Jobs hatte sie sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen. Auf einer Party vor dem Auslaufen hatte der Soldat die Offizieranwärterin in Düsseldorf auf einem Bahnhof kennengelernt. Bei einer anschließenden Abschiedsparty soll es eine kurze, intensive Affäre mit Jenny Böken gegeben haben. 

Aussagen der Zeugin widersprechen Ermittlungsergebnissen

Die Schilderungen über diese Party sowie Andeutungen von Angehörigen der Bundeswehr nach dem Tod der Kadettin sollen aus Sicht des Anwalts den Verdacht einer Gewalttat untermauern. Die Angaben der Zeugin waren von der Staatsanwaltschaft überprüft worden. Die Ermittlungsergebnisse stehen danach eindeutig im Widerspruch zu ihren Angaben. „Wir brauchen für ein Verfahren vor einem Gericht schon so etwas wie Tatsachen. Bei all den Befragungen haben wir aber keine Ansatzpunkte finden können“, sagt Oberstaatsanwalt Bimler. Weitere Gründe, die die Fortführung des Todesermittlungsverfahrens hätten rechtfertigen können, liegen aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht vor. 

Böken-Anwalt legt Beschwerde gegen Einstellung des Verfahrens ein

Das sieht der Anwalt anders. „Wir haben Beschwerde gegen die Einstellung eingereicht. Selbst wenn man der Zeugin nicht glauben will, gibt es aus unserer Sicht noch andere Ermittlungsansätze, denen die Staatsanwaltschaft nachgehen müsste. Die Art und Weise des Vorgehens ist aus unserer Sicht sehr oberflächlich“, so Anwalt Dietz. Er fordert eine Überprüfung der Entscheidung der Staatsanwaltschaft durch den Generalstaatsanwalt. „Die Eltern wollen wissen, was da 2008 an Bord passiert ist. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben“, so Rainer Dietz.

Ermittler gehen weiter von Unglücksfall aus

Ohne neue belastbare Fakten gehen die Ermittler weiter von einem Unglücksfall ohne Fremdeinwirkung aus. Der Vorfall ereignete sich auf hoher See vor Borkum, als das Schiff auf der 151. Auslandsausbildungsreise auf dem Weg nach Hamburg war. 

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