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Kiel Falsche Ärztin kandidierte für SPD
Kiel Falsche Ärztin kandidierte für SPD
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14:19 03.11.2019
Von Heike Stüben
Der Eingang der Klinik "Hospital zum Heiligen Geist": Hier soll die mutmaßlich falsche Ärztin ohne entsprechende Ausbildung Patienten betäubt haben. Laut Staatsanwaltschaft starben vier Menschen. Am Dienstag wurde die Frau in Kiel festgenommen. Quelle: Uwe Zucchi
Kiel

Um den komplexen Fall zu klären, hat die Polizeidirektion im nordhessischen Homberg die Arbeitsgruppe "Medicus" eingerichtet und ehemalige Patienten der angeblichen Ärztin gebeten, sich zu melden. Bisher sind Hinweise im zweistelligen Bereich eingegangen, teilte die Polizei mit. Zum Inhalt könne man aber nichts sagen.

Die Frau soll 2007 nach einem Biologiestudium in Kassel promoviert haben. Laut Bild soll sie ihre Doktorarbeit im Internet veröffentlicht haben. Dabei gehe es im weiteren Sinne um Krebspatienten.

Die Mutter eines Sohnes soll dann über mehrere Jahre als Heilpraktikerin und Osteopatin eigene Praxen betreiben haben. Patienten sollen inzwischen bestätigt haben, dass sie sich ihnen als Ärztin vorgestellt hat.

Sie wollte auch Bürgermeisterin werden

2012 wollte die Mutter eines Sohnes für die SPD Bürgermeisterin im hessischen Emstal werden. Dabei, so erinnert sich der dortige SPD-Vorsitzende, habe sie sich als Ärztin mit dem Titel Dr. med. vorgestellt. Die Wahl gewann sie allerdings nicht. 

2015 soll sich die heute 48-Jährige dann unter Vortäuschung von Medizinstudium und Approbation 2015 eine Stelle als Assistenzärztin für Anästhesie im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar in Nordhessen erschlichen haben.

Dort soll sie zunächst als Ärztin gearbeitet und dabei schwerwiegende ärztliche Fehler bei der Narkose begangen haben. Diese soll – so der Verdacht der Ermittler – zum Tod von vier Patienten und zu gesundheitliche Schäden bei acht Patienten geführt haben.

Gibt es weitere Opfer?

Ob es weitere Opfer gibt, soll nun ermittelt werden – auch anhand der Unterlagen, die in der vergangenen Woche in der Kieler Wohnung der Frau, der Klinik in Hessen und an zwei Arbeitsplätze von Ärzten in Hessen und Brandenburg sichergestellt worden sind.

Ermittelt wird laut Staatsanwaltschaft Kassel auch, ob die vorgesetzten Ärzte ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Denn offenbar gab es Hinweise auf mangelhafte Leistungen.

So gab die Klinik an, dass die Frau 2018 nach zwei Jahren ihre ärztliche Tätigkeit in der Klinik beendete. „Danach hat sie auf ihren eigenen Wunsch bis zu ihrem Ausscheiden noch ein Dreivierteljahr im Verwaltungsbereich gearbeitet und uns im Sommer 2018 verlassen“, heißt es in einer Mitteilung des Hospitals.

Im Kreis Plön in Reha-Klinik gearbeitet

Ende 2018 soll sie dann nach Informationen des NDR in einer Reha-Klinik im Kreis Plön gearbeitet haben. Dort soll sie allerdings weder an Narkosen noch an Operationen beteiligt gewesen sein, sondern Reha-Maßnahmen verordnet haben – auch das allerdings ohne die notwendige medizinische Qualifikation.

Die Besondere Aufbauorganisation „Medicus“ hat für Betroffene im Schwalm-Eder-Kreis (wo sie von Anfang November 2015 bis August 2018 arbeitete) ein Hinweistelefon eingerichtet: 05681-774-180.

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