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Kiel Nur ein Ausbildungsplatz im ganzen Land
Kiel Nur ein Ausbildungsplatz im ganzen Land
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13:52 27.10.2019
Von Karen Schwenke
Meisterin und Geschäftsinhaberin Claudia Voss (re.) sucht eine Auszubildende zur Modistin. Ist ihre Praktikantin Marie Piepgras (16) eine Kandidatin? Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Der Arbeitsplatz im Hutgeschäft gegenüber vom Kieler Stadtmuseum Warleberger Hof sieht so traditionell aus, wie man es sich vorstellt. Vor der Tür Kopfsteinpflaster und Buchsbaum, im Verkaufsraum lauter Hüte und Mützen, Schals und Schachteln. Die angrenzende Werkstatt füllt eine alte, abgestoßene Werkbank. Der kleine Raum mit Fensterblick zum Hof ist die Kreativzentrale: Zwischen Nährollen, Ripsbändern, Rohlingen und hölzernen Hutformen fertigen die Modistinnen die Kopfkreationen von Hand.

"Man wird nicht reich - aber es wird auch nicht langweilig"

Ihre Arbeit ist abwechslungsreich: „Sie kreieren, formen, garnieren, fixieren, schneiden, dämpfen, nähen, beraten, verkaufen und vieles mehr. Wer den Beruf wählt, der wird nicht reich, dem wird aber auch nie langweilig“, sagt Geschäftsinhaberin Claudia Voss.

Seit 22 Jahren bildet die 50-Jährige aus. Nach einer kleinen Pause wünscht sie sich jetzt wieder „junges Blut“. Ins Schaufenster hängt sie ein Schild mit der Aufschrift: „Azubis, wo seid Ihr? Wir suchen Nachwuchs. Hast Du das Zeug zur Modistin? Dann bewirb Dich gleich ...“ So sucht die Meisterin seit zwei Monaten eine passende Auszubildende. Bisher vergeblich.

Dabei gibt es laut Voss genügend junge Frauen, die sich bewerben: „Aber, wenn sie sich dann vorstellen und die knallharten Fakten hören, dann fällt ihnen die Kinnlade herunter.“ Problem sei, dass seit einigen Jahren die Berufsschule in Berlin ist. „Man kann 16-jährige Schulabgängerinnen ja nicht zum Blockunterricht allein nach Berlin schicken; sie müssen sich dort eine Unterkunft suchen und alleine zurechtkommen“, erklärt Voss. Daher kämen eigentlich nur volljährige Bewerberinnen infrage.

Perspektiven nach der Ausbildung als Modistin

Obwohl es sich tendenziell um einen „aussterbenden Beruf handelt“, so Voss, seien die Perspektiven nicht schlecht: „Wir übernehmen Auszubildende, aber auch das Theater nimmt gern unsere Modistinnen.“ Die letzte Auszubildende des Kieler Betriebes sei Ende 2018 fertig geworden, dann nach kurzer Zeit als Gesellin gegangen und „designt jetzt für ein junges Label T-Shirts“, berichtet die Chefin.

Das Handwerk an sich wird zwar immer noch sehr traditionell ausgeübt, aber mit der Putzmacherin, wie der Beruf einst hieß, sei er nicht mehr vergleichbar. Wenn Frauen früher das Haus verließen, putzten sie sich heraus – mit einem Hut. Das trifft zwar auch heute noch zu. Aber das Geschäft sei längst nicht mehr so angestaubt. Ganz im Gegenteil, findet Meisterin Claudia Voss: „Seit Jahren sind Kopfbedeckungen gerade bei jungen Leuten wieder angesagt.“ Fast jeder trage Mützen, Caps oder Haarbänder. Von ihrer neuen Auszubildenden wünscht sie sich entsprechend „frische und junge Ideen“.

Dass die Nachfrage nicht abebbt, erlebt Claudia Voss nicht nur in Kiel, sondern auch in Eckernförde. Im April 2018 hat sie dort ein weiteres Hutgeschäft eröffnet und viele neue Kunden gewonnen. Etwa die Hälfte aller Kopfbedeckungen, die in beiden Fördestädten verkauft werden, fertigt die Inhaberin mit zwei weiteren Meisterinnen per Hand aus Stoff, Filz oder Stroh: „Wir haben so viel zu tun und viel zu wenige Hände, um alles zu schaffen, was wir gerne produzieren würden.“

Das Talent wird in Kiel getestet

Jetzt setzt sie also auf den Nachwuchs. Zwar hätten sich schon einige beworben, doch nicht jede Kandidatin sei geeignet. „Die Bewerberinnen müssen schon handwerklich talentiert sein und nähen können“, sagt sie. Daher teste sie die Kandidatinnen mit einer praktischen Aufgabe: „Sie müssen dieses Stück maßstabsgetreu nacharbeiten“, sagt sie und legt eine schwarze Filzblume auf die Werkbank.

Dann holt sie eine zweite, fast identische Blume hervor: „Diese hier hat Marie gemacht, die ist sehr gut geworden“, lobt die Meisterin ihre aktuelle Praktikantin. Die talentierte Marie Piepgras (16) selbst findet den Beruf zwar spannend, ob sie ihn aber ergreifen will, das müsse sie sich noch überlegen: „Ich habe das dreiwöchige Praktikum ja erst angefangen. Am Ende entscheide ich mich, ob ich weitermachen möchte.“

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