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Kiel Hilfe in schweren Krisen
Kiel Hilfe in schweren Krisen
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16:00 04.06.2019
Von Kristiane Backheuer
Die Trauerberatung Kiel rät: Nach schweren Verlusten ist es wichtig, dass neben Arbeit und Auseinandersetzung immer auch genügend Zeit zum Erholen und Entspannen bleibt. Quelle: Sabrina Aust
Kiel

Was hält uns im Leben, wenn uns der größte Verlust trifft? Wenn das Kind oder der Partner stirbt? In solch schweren Krisen hilft es, wenn man mit der Trauer nicht alleingelassen wird. Der „Kieler Arbeitskreis Trauerbegleitung“ bietet vielfältige Angebote.

Zwei der vielen Menschen in Kiel, die Betroffene begleiten, sind Rita Becker (50) und Klaus Onnasch (81). Wir sprachen mit beiden über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und über den Trend, sich schon zu Lebzeiten mit dem Tod intensiver auseinanderzusetzen. 

Wenn Rita Becker zur Führung über einen der Kieler Friedhöfe einlädt, ist sie selbst überrascht. „Manchmal kommen 40, 50 Menschen“, sagt die Trauerbegleiterin von der katholischen Pfarrei Franz von Assisi in Kiel. „Die Beerdigungskultur ändert sich stark. Die Menschen suchen Informationen dazu.“

Früher waren Tod und Trauer absolute Tabuthemen

Sie wollen Antworten auf die Fragen: Wie möchte ich selber zur Ruhe gebettet werden? Wie könnte mein eigener individueller Weg aussehen? „Es wird vermehrt über den Tod nachgedacht und über den Tod geredet. Das finde ich persönlich eine sehr positive Entwicklung. Früher waren Tod und Trauer absolute Tabuthemen.“ 

Vor zehn Jahren ließ sich Rita Becker als Trauerbegleiterin ausbilden. „Trauer ist etwas sehr Individuelles“, sagt sie. Ihr selbst würden der Glaube und die Liebe zu Gott die Kraft geben, die Arbeit mit Trauernden zu machen. „Wenn ich helfe, frage ich aber nicht: Woran glaubst Du? Sondern: Was kann ich für Dich tun?“

Sie hört zu, gibt Hilfestellung bei Ritualen wie Weihnachten oder dem ersten Todestag, zeigt Wege, wie der Gestorbene trotzdem noch einen Platz im Leben des Betroffenen haben kann. 

Trauer gehört zum Leben dazu

Wünschen würde sie sich, dass unsere Gesellschaft noch mehr zulässt, dass Menschen auch traurig sein dürfen. „Wenn man jemanden verliert, braucht man eine Abschieds- und Verlustverarbeitungszeit“, sagt Rita Becker. „Trauer ist keine Krankheit. Es gehört dazu, dieses große, starke Grundgefühl zu durchleben.“ 

Hilfe vermittelt der "Kieler Arbeitskreis Trauerbegleitung"

„Ohne Trauer kann ein Verlust zum Zusammenbruch oder zur Versteinerung führen“, pflichtet ihr Klaus Onnasch bei. Der ehemalige Pastor aus Kronshagen hat 2005 den „Kieler Arbeitskreis Trauerbegleitung“ mit aus der Taufe gehoben. Ein Zusammenschluss der örtlichen Institutionen und Initiativen, die verschiedene Trauerangebote wie Einzelgespräche, Trauercafés oder Trauergruppen anbieten. 

„Trauer“, so sagt Klaus Onnasch, „gibt uns Kraft und Zuversicht und holt uns zurück ins Leben.“ Er selbst hat seinen Sohn durch einen unerwarteten Tod verloren und seine krebskranke Ehefrau bis zum Ende begleitet. „Trauer kann uns heilen“, ist er sich sicher.

In einem Vortrag am 5. Juni stellt er die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse vor. „Was bei Wikipedia und anderswo über Trauer steht, ist veraltet“, sagt er. „Die Vorstellung, dass Trauer vier Phasen durchläuft, stimmt nicht.“

Jeder trauert auf seine ganz eigene Weise

Stattdessen spricht er von einem Spielraummodell, das aktuelle medizinische Forschungen bestätigen. „Jeder geht bei der Trauer seinen ganz eigenen Weg zwischen Aus einandersetzung und Erholung“, sagt er. „Nach schmerzlichen Verlusten kommt es zu übermäßigem Stress. Neurobiologische Forschungen zeigen, dass dieser Stress durch Symbole und Rituale, durch Innehalten und Mitteilen abgebaut werden kann.“ 

2010 hat Klaus Onnasch zusammen mit der Fachärztin Ursula Gast den Fachratgeber „Trauern mit Leib und Seele“ geschrieben. „Gerade ist die fünfte Auflage erschienen“, erzählt er erfreut. Derzeit arbeitet er an einem Buch zum Thema „Trauer und Freude“.

Andere Völker bringen ihre Trauer in Tänzen zum Ausdruck

Während seiner vielen Auslandsreisen hat er erlebt, wie andere Völker mit Trauer umgehen. „In Afrika und in der Türkei bringen die Menschen ihre Trauer oft in Tänzen zum Ausdruck“, berichtet er. Das könne enorm befreiend sein. Auch der Glaube könne durch Krisen hindurch neuen Mut geben. Aus Erfahrung weiß er: „Auch nach dem größten Verlust ist neues, erfülltes Leben wieder möglich.“ 

Termine

Vortrag und Friedhofsführung

Um neue Trauerforschung geht es in einem kostenlosen Vortrag von Klaus Onnasch am Mittwoch, 5. Juni, 19 Uhr, in den neuen Räumen der Firma Flenker in Kiel, Falkstr. 11. Der Kammermusiker Jürgen Stieghorst (Querflöte) wird diesen Abend mitgestalten. Um Anmeldung (Tel. 0431/593310) wird gebeten.

Zu einem kostenlosen Rundgang zum Thema „Bestattungsformen gestern und heute“ über den Parkfriedhof Eichhof lädt Trauerbegleiterin Rita Becker am Donnerstag, 13. Juni, 15.30 Uhr, ein. Treffpunkt ist der Vorplatz am Büro, Eichhofstraße 56.

Der „Kieler Arbeitskreis Trauerbegleitung“ ist über die Hospiz-Initiative, Tel. 0431/2203350, zu erreichen. Weitere Informationen unter: www.trauerlandschaft-kiel.de

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