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Kiel Trauung im Kreißsaal: Wie eine Geburt die Ehepläne über den Haufen warf
Kiel Trauung im Kreißsaal: Wie eine Geburt die Ehepläne über den Haufen warf
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07:49 06.12.2019
Von Karen Schwenke
Nicole und Benjamin Frank gaben sich am Donnerstag das Ja-Wort im Kreißsaal des UKSH neben der Geburtswanne. Keine elf Stunden zuvor brachte die Braut ihren ersten Sohn im Saal nebenan auf die Welt. Der kleine Mikael kam einen Monat zu früh, genau an dem standesamtlichen Hochzeitstermin der Eltern. Quelle: Maximilian Hermsen
Kiel

Nicole und Benjamin Frank schweben auf Wolke sieben. Ihre Hochzeit und die Geburt ihres Sohnes fielen auf einen Tag. „Ich bin überwältigt – da gibt’s nichts drüber“, sagt er. Eigentlich wollten das Paar im Standesamt heiraten. Doch am Vorabend platzte die Fruchtblase und damit fast die Hochzeit.

Die frischgebackene Mutter und Ehefrau Nicole hält den neugeborenen Sohn im Arm und seufzt: „Ich bin einfach glücklich.“ Der kleine Mikael kam einen Monat zu früh, genau am Hochzeitstermin der Eltern und brachte ihre Pläne damit heftig durcheinander.

Kiel: Die ersten Hochzeitsgäste kamen als die Wehen einsetzten

Am Mittwochabend im Hause Frank in Kiel-Kroog waren gerade Hochzeitsgäste aus Usedom eingetroffen, als bei Nicole Budnick (jetzt Frank) die Wehen einsetzten. „Der errechnete Geburtstermin war erst der 4. Januar“, erzählt die 31-Jährige. Ihr Mann sagt: „Es gab überhaupt keine Anzeichen, dass das Kind früher kommt.“ Der 35-Jährige wollte unbedingt vor der Geburt heiraten, er wollte ein eheliches Kind, „damit wir von Anfang an eine Familie sind“. Und „damit er sich den Papierkram erspart“, meint seine Frau.

Doch mit den einsetzenden Wehen hatten sie keine Wahl. Statt die Hochzeitsvorfreude zu genießen, begaben sich die beiden ins Uniklinikum. Drei Stunden später, kurz nach Mitternacht, kam Frühchen Mikael gesund auf die Welt. Die Freude war riesengroß. Aber nun gab es ein Problem: Was sollte aus der Trauung am Vormittag um 11.30 Uhr werden?

Diese Frage klärte das Hebammenteam rund um Leiterin Jessica Mustin am Morgen mit einem Anruf im Standesamt. Nils-Helge Reinert fackelte nicht lange. Der Standesamtsleiter sagte prompt zu und übernahm höchstpersönlich die Trauung. Seit 34 Jahren arbeite er als Standesbeamter, aber neben einer Geburtswanne mitten im Kreißsaal habe er noch kein Paar getraut.

Das Baby kam früher: Eltern holten die geplatzte Trauung gleich im Krankenhaus nach.

Hebammen richteten den Kreißsaal für die Trauung her

Zur Vorbereitung der Trauung blieb den Hebammen nur eine Stunde Zeit, berichtet Jessica Mustin. Der schönste Kreißsaal mit Fördeblick wurde ausgewählt, mit Blumen geschmückt, und eine Hochzeitseistorte organisiert. „Ärzte, Hebammen und -schülerinnen standen Spalier“, berichtet Dr. André Farrokh, ärztlicher Leiter des Kreißsaals. Auch er hat in 20 Jahren Berufserfahrung so eine Trauung noch nicht erlebt.

„Das war für das ganze Team etwas ganz Besonderes. Noch dazu im Advent – das ist herzerwärmend“, schwärmt der Geburtshelfer. Auch die Braut musste improvisieren. Während ihr Mann die Trauung im Anzug antrat, war ihr so kurz nach der Geburt nicht nach dem weißen Kleid zumute. Sie zog eine bequeme schwarze Leggings an, T-Shirt und Strickjacke.

Trotzdem: „Es war schön“, urteilt der Standesamtsleiter, der bereits unzählige Paare getraut hat. „Familienmitglieder, Mediziner und Hebammen standen im Kreißsaal, es war alles wunderbar dekoriert, Musik hat gespielt und als dann die Mutter mit dem Kind auf dem Arm hereinkam, musste ich mich ganz kurz zusammenreißen, dass noch keine Träne fließt.“ Er werde häufiger zu Trauungen in Kieler Kliniken gerufen, berichtet Reinert. Aber nicht aus so freudigen Gründen. Es gehe dann immer um Eheschließungen, bei denen ein Partner im Sterben liege.

Im Kreißsaal der UKSH-Frauenklinik hingegen ist auch nach der Hochzeit alles auf Leben gepolt: Baby Mikael nimmt erst einige Schlucke aus Mamas Brust und zeigt dann, wie laut er schreien kann. Dr. Farrokh ist begeistert: „Ganz schön kräftig.“ Die Geburt sei aus medizinischer Sicht unkompliziert verlaufen. Mit seinen 47 Zentimetern und 2915 Gramm sei das Frühchen stabil, müsse nur noch routinemäßig einige Tage zur Beobachtung in der Klinik bleiben. Den Arzt wundert nicht, dass der Junge den Zeitplan der Eltern durchkreuzt hat: „Nur zwei Prozent der Kinder kommen zum errechneten Geburtstermin.“

Mikael durchkreuzte schon vor der Geburt Pläne der Eltern

Dabei hat Mikael nicht zum ersten Mal den Lebensplan seiner Eltern sabotiert. Eigentlich habe sie erst deutlich später ein Kind haben wollen, gibt seine Mutter zu. Kein Wunder: Nicole und Benjamin Frank sind erst seit genau einem Jahr zusammen. Schneller als gedacht wurde sie schwanger, im November bestellte das Paar kurzfristig das Aufgebot, und am Donnerstag nach den ereignisreichen Stunden samt Geburt und Trauung feierte der Bräutigam seine Hochzeit im engeren Familienkreis mit 16 Gästen – ohne seine Braut.

Die ruhte selig, aber vollkommen erschöpft mit ihrem Sohn in der Klinik. Hinter der kleinen Familie liegt ein Jahr voller Ereignisse und ein Tag voller Lebenshöhepunkte. „Ja, so muss man das nennen“, nickt der Bräutigam und frischgebackene Vater. „Aber es dauert wohl noch ein paar Tage, bis wir das realisieren.“

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