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Kiel Kieler Taucher lüften letztes Geheimnis
Kiel Kieler Taucher lüften letztes Geheimnis
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10:00 19.05.2019
Von Kristiane Backheuer
Das Submaris-Team vor der geborgenen Netzsäge des U-Boots vor Helgoland: Robert Marc Lehmann, Christian Howe, Florian Huber, Philipp Schubert und Uli Kunz (von links). Ende Juli/Anfang August wird die Säge in Laboe zu sehen sein, anschließend im Sea War Museum Jutland in Dänemark. Quelle: Uli Kunz
Kiel

Was für eine gigantische Zahl: Drei Millionen Schiffswracks liegen in unseren Weltmeeren. Und hinter all diesen Wracks stehen tragische Geschichten. „Irgendetwas ist bei jedem dieser Schiffe dramatisch schiefgegangen“, sagt der Kieler Unterwasserarchäologe Florian Huber (43). „Meine Passion ist es, diese Geschichten nach oben zu holen.“ Das ist ihm jetzt beim U-Boot UC 71 gelungen. Vor genau 100 Jahren sank das Tauchboot der Kaiserlichen Marine am Ende des Ersten Weltkrieges vor Helgoland. Dank unzähliger Tauchgänge und vielen Recherchen hat er nun ein Buch über das Schicksal von UC 71 geschrieben.

Angeblich sank das U-Boot wegen schlechten Wetters

„Mein Buch erzählt eine wahre Begebenheit, die mich als Wissenschaftler und Taucher, aber auch schlichtweg als Mensch sofort in ihren Bann gezogen hat“, sagt Florian Huber. Als er vor zwölf Jahren das erste Mal vor Helgoland nach dem U-Boot taucht, ist er fasziniert. Alle Luken und Schotten stehen offen. Hat die Besatzung UC 71 mit Absicht versenkt? Bei seinen Recherchen stößt er auf ein altes Brieftelegramm des damaligen Kommandanten. Darin schreibt der, dass das U-Boot aufgrund des schlechten Wetters gesunken ist. 

Zumindest, dass das Wetter schlecht war, stimmt. Aber am Rest hat der Forschungstaucher seine Zweifel. „Es war damals im Februar 1919 bitterkalt und die See vor Helgoland aufgewühlt“, erzählt Florian Huber. Ein Schlepper zog das U-Boot der Kaiserlichen Marine damals durch die Wellen. „Der Krieg ist verloren und das Tauchboot soll in England den Siegern übergeben werden“, so Huber. „Aber plötzlich geschieht das Unglaubliche: UC 71 sinkt. Mir ging eigentlich nie die Frage aus dem Kopf: Warum?“ 

Tagebücher des Maats erzählen die wahre Geschichte

Immer wieder arbeitet er mit seinen vier Kollegen der Forschungstaucherfirma „Submaris“ vor Helgoland. Sie filmen, vermessen und erforschen, was sie auf dem Meeresgrund finden. 2012 erreicht Huber sogar beim zuständigen Archäologischen Landesamt, dass das U-Boot unter Denkmalschutz gestellt wird. „Es ist das einzige noch existierende U-Boot-Wrack aus dem Ersten Weltkrieg in deutschen Gewässern. UC 71 ist wirklich etwas ganz Besonderes“, sagt Huber. Dabei hat Florian Huber schon viel gesehen. Ausgrabungen und Forschungsreisen führten ihn in mehr als 100 Länder. Er hat etliche Fachbücher, Bücher und Zeitschriftenbeiträge geschrieben. Regelmäßig steht er für TV-Dokumentationen wie „Terra X“ vor der Kamera

„Das war wie Weihnachten

Über das U-Boot vor Helgoland dreht er mit seinem Submaris-Team zwei Dokumentationen fürs ZDF und für den NDR. Eine dieser Sendungen sieht Kay Dzierzanowski im fernen Chemnitz und schaltet schnell. Bei ihm zu Hause liegen seit Jahren die alten Tagebücher von Georg Trinks, seinem Großonkel. Der fuhr im Alter von 21 auf besagtem U-Boot und hatte die Zeit vor dem Untergang festgehalten. Wenig später hält Florian Huber die beiden alten, leicht muffigen Büchlein in der Hand. „Das war wie Weihnachten“, sagt Florian Huber. Nur beim Aufschlagen durchzuckt es den Wissenschaftler leicht. Die Schrift ist kaum zu entziffern. Alle Texte sind in deutscher Kurrentschrift verfasst. Aber mit etwas Mühe kann er sich einlesen. „Es war fantastisch“, schwärmt er. „Ich bin vermutlich der Erste, der nach 100 Jahren erfährt, was auf UC 71 passiert ist.“

Besatzung hat das Boot selbst versenkt

Als Florian Huber die letzten Seiten liest, ist der ominöse Untergang von UC 71 endgültig geklärt: „Kein Fuß des Engländers sollte das Boot betreten, so war der Wille der Mannschaft, und sie hat es erreicht“, heißt es da. Seitdem weiß der Kieler Forschungstaucher, dass die Besatzung das U-Boot mit Absicht versenkt hat. In seinem Buch berichtet Florian Huber nun von seinen archäologischen Tauchgängen zum U-Boot vor Helgoland. Dazu erfährt der Leser dank Georg Trinks alles über die Gefechte, die Feindfahrten, die Ängste und Sorgen an Bord. „Sie haben gearbeitet, gehofft und gebangt und waren auf Gedeih und Verderb zusammen in dieser kleinen Röhre mit 3,65 Metern Durchmesser“, sagt Florian Huber. „Es muss sehr beklemmend gewesen sein.“

Das letzte Geheimnis des deutschen U-Boots UC 71

Das deutsche U-Boot UC 71

Das deutsche U-Boot UC 71 wurde am 12. Januar 1916 bei Blohm & Voss in Hamburg bestellt. Der Stapellauf fand am 12. August 1916 statt, die Übergabe an die Kaiserliche Marine am 28. November 1916. Unter militärischen Gesichtspunkten war das U-Boot sehr erfolgreich. Es versenkte insgesamt 61 Schiffe. Dazu kamen 17 beschädigte zivile Schiffe und ein militärisches Schiff. Das U-Boot war länger einsetzbar als andere, da es dank einer Doppelhüllenkonstruktion mehr Platz für Wasser- und Treibstofftanks hatte. UC 71 war 50 Meter lang und bot Platz für 26 Mann. In sechs Minenschächten befanden sich je drei Minen, die von der Mannschaft salopp „Eier“ genannt wurden. Außerdem gab es sieben Torpedos an Bord. Die zulässige Tauchtiefe betrug 50 Meter.

In Kürze kann man auch im Museum auf Helgoland tief in die Geschichte von UC 71 tauchen. Dort sollen die Tagebücher, die Netzsäge des U-Bootes und Modelle vom aktuellen Wrackzustand und vom U-Boot selbst ausgestellt werden. 

Florian Huber, Kein Engländer soll das Boot betreten! – Die letzte Fahrt von UC 71, Rowohlt, 250 Seiten, 24 Euro.

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