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Kiel Brennpunkt-Schulleiter schlagen Alarm
Kiel Brennpunkt-Schulleiter schlagen Alarm
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07:02 03.04.2018
Von Jürgen Küppers
Im Gegensatz zu Hamburg unterrichten Schulleiter in Schleswig-Holstein an Problemstandorten selbst – bis zu fast einer halben Planstelle. Quelle: IMAGO/PHOTOTHEK
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Kiel

Die Pädagogen erwägen jetzt, das Thema Arbeitszeit vor Gericht grundsätzlich zu klären.

Die Schulleiter berufen sich dabei auf ein bereits im Juni 2015 ergangenes Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Niedersachsen. Dies hatte einer Klage von Lehrern gegen eine vom Land Niedersachsen geplante Erhöhung ihrer Unterrichtsverpflichtung stattgegeben und dabei unter Berufung auf das Bundesverfassungsgericht deutlich gemacht: Entscheidungen zur Arbeitszeit von Lehrkräften und Schulleitungen müssen auf Basis der Fürsorgepflicht „durch empirische Untersuchungen der tatsächlichen Arbeitsbelastung abgesichert werden.“

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Eine solch wissenschaftlich basierte empirische und damit belastbare Untersuchung gibt es für Schleswig-Holstein jedoch nicht, bestätigte das Bildungsministerium. „Wir haben aber gerade die Statuserhebung zur Lehrergesundheit gemacht und arbeiten mit diesen Ergebnissen weiter“, erläuterte Ministeriumssprecher Thomas Schunck.

Die Überlastungsanzeigen der beiden Schulleiter seien dem Ministerium zwar bekannt. Ob und mit welcher Begründung Entlastungen abgelehnt wurden, ließ Schunck aber offen. Grundsätzlich würden die Schulaufsichten auf Basis des Pflichtstundenerlasses über mögliche Ermäßigungen entscheiden. Eine Statistik zur Häufigkeit solcher Anträge und ihrer Beantwortung gebe es ebenfalls nicht.

Die beiden Schulleiter, die anonym bleiben möchten, sehen sich als Speerspitze vieler Kollegen mit ähnlichen Problemen. Durch den Flüchtlingszuzug, Inklusion und Zuwachs von Verwaltungsaufgaben sei die Grenze des Zumutbaren mittlerweile deutlich überschritten: „In Stunden umgerechnet arbeiten wir im Schnitt pro Monat eine Woche mehr. Das kann so nicht weitergehen. Hier muss das Land seiner Fürsorgepflicht endlich nachkommen.“

02.04.2018
Martin Geist 02.04.2018
02.04.2018
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