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Kiel „Der Alte Markt funktioniert nicht“
Kiel „Der Alte Markt funktioniert nicht“
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13:57 11.03.2018
Streitgespräch zum Alten Markt in Kiel: Stadtbaurätin Doris Grondke und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer bei einer intensiven Diskussion. Quelle: Ulf Dahl
Kiel - Altstadt

Wie werten Sie als Architektin, Frau Grondke, die Entscheidung, die Pavillons unter Denkmalschutz zu stellen?

Grondke: Ich habe großen Respekt vor der Einschätzung des Denkmalschutzes und der Fachabteilung. Die Gebäude sind Zeugen ihrer Zeit. Sie bedeuten ein Stück Kieler Baukultur und Stadtgeschichte und symbolisieren das Erlebnis der olympischen Segelwettbewerbe. Vielleicht sind wir heute den 70er-Jahren zu nah, um ihre Bauwerke zu schätzen. Die Pavillons haben sich in den historischen Mittelalter-Grundriss eingefügt und die Baufluchten der Persianischen Häuser integriert. Die derzeitige Kontroverse veranschaulicht die fachliche Sicht auf der einen Seite und den Publikumsgeschmack auf der anderen Seite.

Kämpfer: Diese Färbung finde ich schwierig: Die geschmacksverirrten Laien auf der einen Seite und die Experten, die schon wissen, was gut und richtig für die Stadt ist. So wie der Alte Markt derzeit ist, kann er nicht bleiben. Er muss wieder zum Aushängeschild werden. Die Pavillons, die Leerstände und die Aufteilung der Gebäude, die die Sichtachsen zur Dänischen Straße und Nikolaikirche versperren – all das zeigt, der Alte Markt funktioniert nicht richtig. Der Schutz der Vergangenheit darf nicht die Zukunft in Geiselhaft nehmen.

Grondke: Das tut er nicht. Denkmalschutz ist lebendig und muss über die Zeit hinausgehen. Die Vorfahren haben Häuser abgerissen, die man heute gern erhalten gesehen hätte. Wer weiß, wie es in 50 Jahren ist? Dann werden künftige Generationen sich fragen, warum wir so bauen konnten oder warum wir manches abgerissen haben. Ich halte daher den momentanen Diskurs für wichtig. Man sollte sich ohne sachliche Erläuterung aber keine vorgefertigte Meinung bilden. Die Ratsversammlung hat ja beschlossen, den Landeskonservator Dr. Paarmann in den Bauausschuss einzuladen, damit er begründet, warum er die Pavillons geschützt wissen will.

Umfrage zu den Pavillons am Alten Markt

Sind Sie, Herr Kämpfer, froh, dass die Abriss-Option nicht vom Tisch ist?

Kämpfer: Ja, aber ich erkenne natürlich auch die Argumente des Denkmalschutzes an. Die Pavillons sind keine beliebigen Gebäude. Das ist das eine, was in der Waagschale liegt. Das andere: Ein Problem sind die Volumina, die Aufteilung passt nicht zum heutigen Einzelhandel, das Hoch und Runter, das verhindert, den Alten Markt als echten Platz zu nutzen und eine Frequenzbremse zur Dänischen Straße darstellt. Man muss die Argumente in einer offenen Diskussion ohne Schere im Kopf gegeneinander abwägen und Ideen austauschen. Darin sind Doris Grondke und ich uns ja einig.

Grondke: Ich bin für den Erhalt der Pavillons, die aber natürlich saniert und renoviert werden müssten von den Eigentümern. Auch die Platzoberflächen und die Möblierung müssten aufgewertet und barrierefrei umgestaltet werden. Für mich sind ihre Volumina kein Hemmnis auf dem Weg zu einer Weiterentwicklung mit einer tollen Gesamtnutzung und Außenterrassen. Dann hätte das Ganze eine Riesenchance. Abriss ist für mich jedoch ebenso wenig eine Alternative wie die, nichts zu tun.

 
Die Stadt hat das Grundstück, auf dem die Pavillons stehen, bis 2030 verpachtet. Hat sie überhaupt vorher eine Chance, die Neugestaltung anzupacken?

Kämpfer: Die Stadt ist seit zwei Jahren mit der Handelshof Kommanditgesellschaft im Gespräch auch über die Frage, ob die Stadt die Pavillons vor Ablauf der Frist aufkauft. Die Bereitschaft dazu haben die Eigentümer. Als Anlieger mit ihren Geschäften wollen sie verständlicherweise mitbestimmen, was aus dem Platz wird. Wir brauchen konkrete Entwürfe der besten Köpfe und danach sehen wir, welche Version rechtlich und finanziell umsetzbar ist. Wir wollen aber schnell ran und könnten uns vorstellen, eine gemeinsamen Basis zu finden, den Alten Markt nach dem Vorbild des Viktualienmarktes in München mit festen, hochwertigen Ständen wieder zu beleben – mit oder ohne Pavillons. Ich persönlich bin jedoch skeptisch, ob uns das mit den Pavillons gelingt.

Grondke: Wir haben in dieser Woche ein weiteres Gespräch mit den Eigentümern. Das Konzept des Viktualienmarkts entstand übrigens 1969 auch mit Blick auf Olympia 1972. Die Münchner haben es nur geschafft, den Markt stärker in Szene zu setzen. Ich glaube ja an die Kraft der Plätze. Deshalb wollen wir ja auch den Plätzen an der Holstenstraße in verschiedenen Bauabschnitten unterschiedliche Charaktere verleihen. Asmus-Bremer-Platz eher zum Ausruhen, der Holstenplatz als Markt. Beim Holstentörn wird der Aufgang auf jeden Fall demnächst saniert.

Fragen: Martina Drexler und Kristian Blasel

Von KN-online

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