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Kiel Das ist "typisch Kiel"
Kiel Das ist "typisch Kiel"
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09:56 25.04.2019
Von Kristian Blasel
Was macht Kiel aus? Die Teilnehmer unserer Umfrage haben diese Frage beantwortet.  Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Die Resonanz war überwältigend. Unsere Fragen wurden im Internet und per Zeitungsbogen 3392-mal beantwortet. "Wir sind begeistert über das Engagement der Menschen für ihre Stadt", sagt KN-Chefredakteur Christian Longardt. "Kiel ist hier niemandem egal. Die Zukunft der Landeshauptstadt ist ein Thema, das ganz viele Leute bewegt." Was besonders erfreulich ist: Die Umfrage hat Frauen und Männer, junge und alte Menschen gleichermaßen angesprochen.

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Wichtige Fingerzeige für die Stadtplaner an der Förde

Einige Ergebnisse sind nicht überraschend, andere hingegen sehr. In Summe können sie allen Verantwortlichen in Kiel wichtige Hinweise über die Richtung geben, in der sie in den nächsten Jahren weitergehen sollten, "denn zum ersten Mal liegt mit dieser Umfrage auch ein umfassendes qualitatives Profil dessen vor, was Kiel ist, wie die Stadt ,tickt', welche Facetten ihren Charakter mit ausmachen", sagt der Kieler Soziologe Michael Dolz, der als Teil des Hamburger JES-Netzwerks für Stadtgestaltung an der Auswertung beteiligt war.

So wundert es zunächst wenig, wovon die Menschen aus der Region schwärmen, wenn sie an Kiel denken: vom Wasser natürlich, von der Kieler Woche und den Stränden. Aber auch von den kurzen Wegen, dem Wetter (!) und den Kreuzfahrtschiffen – beides allerdings Themen, die durchaus polarisieren. Und worüber wird gemeckert? Auch da ist der Trend eindeutig: Die Innenstadt, Parkprobleme und der Verkehr mit seinen vielen Baustellen sorgen für den meisten Verdruss. Und das Holsten-Fleet polarisiert die Stadtgesellschaft nach wie vor nachhaltig.

Fotostrecke: Darauf sind die Menschen in Kiel stolz

Darauf sind die Menschen stolz: Unsere Fotostrecke bietet die Top 20 der Antworten im Überblick. 

Umfrage zeigt "Innenstadtmüdigkeit" in Kiel

Unsere Leserinnen und Leser sind "innenstadtmüde", auch das belegt die Umfrage. Kritisiert wird, dass die Einkaufsmöglichkeiten nicht vielfältig genug sind und attraktive öffentliche Plätze fehlen. Die Befragten bestätigen die oft geäußerte Kritik daran, dass Kiel nicht genug aus seiner Wasserlage mache. Überraschend ist dagegen, wer am häufigsten in die Innenstadt kommt: Es sind vor allem junge Menschen.

Wir haben auch konkret nach den Orten gefragt, auf die die Umfrageteilnehmer besonders stolz sind. Auch da ist das Ergebnis eindeutig: Die Kiellinie, die seit Jahren wegen der Schäden an der Wasserseite nicht vernünftig genutzt werden kann, die Strände rund um die Förde sowie der Nord-Ostsee-Kanal begeistern die Menschen am meisten – gefolgt vom Hafen (der aber in weiten Teilen nicht zugänglich ist), Laboe, der Holtenauer Straße und Schilksee. Auf die Frage, warum es die Menschen aus der Stadt zieht, gab es diese Antwort: Kieler suchen Großstadtflair, Kultur und Genuss lieber andernorts – und, na klar, zum Skifahren verlassen sie Schleswig-Holstein ebenfalls. Daran wird auch die beste Stadtplanung nichts ändern können.

Wie ein Seefahrer zwischen Tradition und Moderne

!Städte kann man sich im übertragenen Sinne wie Menschen vorstellen, und hier ergibt sich ein überraschendes Charakterbild", sagt Dolz. "Typisch Kiel", das verbinden die Befragten mit Adjektiven wie "echt", "freundlich", "entspannt", "offen" und "familiär". Eigenschaften, die für Kiel keine Rolle spielen, sind dagegen "empfindlich", "weich", "wild", "modern" und "künstlich". Dabei sind es besonders junge Menschen, die "typisch Kiel" positiver beurteilen. Das Thema Weltoffenheit spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Hin- und hergerissen sind die Befragten in Bezug auf Eigenschaftspaare wie "vorsichtig oder sorglos" sowie "pulsierend oder langweilig". "Die Spannungsfelder markieren damit in gewisser Weise den möglichen Wendepunkt, der für Kiels Zukunft wichtig wird – wenn der Wandel tatsächlich von jungen Menschen getragen werden kann und sie an dessen Entwicklung wirklich teilhaben können", sagt Dolz.

Auf die Frage nach der "Person Kiel" ist das Bild eines Seefahrers entstanden, "der alt und erfahren ist, zwischen Tradition und Dynamik vermittelt und gleichzeitig Sinnbild für das typisch Kielerische, ,Norddeutsche' ist", wie es Dolz interpretiert. Diese Person wird von den Befragten als "bodenständig", gleichzeitig aber auch als "weltoffen" und "modern" charakterisiert. Zudem ist die Person (typisch norddeutsch), "grummelig" und "rau", gleichzeitig aber "herzlich", "freundlich" und "ehrlich". Weitere Charaktereigenschaften sind ihre Aufgeschlossenheit und ihr Mut. "Der Charakter pendelt damit zwischen Tradition und Moderne – Herkunft ist genauso wichtig wie die Aufgeschlossenheit Neuem gegenüber."

Dieses Bild spiegelt sich auch in den Metaphern für ihre Stadt wider. Ganz überwiegend finden die Kieler hier positive Bilder (865 von 1586). Nur 367 Metaphern sind eindeutig negativ besetzt. In diesen positiven Bildern wird Kiel unter anderem als "schätzenswert" und "entspannend", "integrierend" wie auch als "ungespielt herzlich" und "schnörkellos" beschrieben.

"Kiel sollte mutiger sein"

"Kiel sollte mutiger sein, die Stadt zu gestalten", ist für Dolz die Botschaft der Umfrage. "Kiel ist nicht Berlin und nicht Hamburg, und das ist auch gut so." Die Stadt eröffne mit ihrer Charakteristik einen Lebensraum für Menschen, bei dem es nicht darum gehe, den neuesten Trends nachzueifern. "Kiel ist ungespielt, unaufgeregt, echt und robust. Das sind Stärken, die viele Menschen gerade in unserer heutigen hochkomplexen, schnelllebigen, virtuellen Welt schätzen."

Für Donnerstagabend hat Stadträtin Doris Grondke zu einer Veranstaltung in das Veranstaltungszentrum Pumpe eingeladen, in der es um die Frage geht, was denn eigentlich die Kieler Seele sei. Zumindest ein Teil der Antwort liegt hiermit vor – dank der vielen Leserinnen und Leser, die sich an der KN-Umfrage beteiligt haben.

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