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Kiel Kieler Kraftwerk hat ein Methan-Problem
Kiel Kieler Kraftwerk hat ein Methan-Problem
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13:15 13.02.2020
Von Ulrich Metschies
Das neue Kieler Küstenkraftwerk läuft seit November und wurde im Januar offiziell eingeweiht. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

„Bei Einsatz von Erdgas in Motorkraftwerken beobachten wir technisch bedingt deutlich höhere Methanemissionen als in anderen Kraftwerken“, sagt Rolf Beckers, Experte für Großfeuerungsanlagen beim UBA. Methan werde als 25-mal klimaschädlicher eingestuft als Kohlendioxid. Beckers: „Dies führt rechnerisch zu einer Erhöhung der CO2-Emissionen um etwa 15 Prozent.“

Kritischer Methan-Schlupf

Sowohl die Landeshauptstadt als auch die Stadtwerke sehen im nagelneuen Gaskraftwerk einen Meilenstein für den Klimaschutz, da der CO2-Ausstoß um 70 Prozent oder rund eine Million Tonnen jährlich geringer sei als beim inzwischen stillgelegten Kohle-Meiler. Diese Zahlen werden vom UBA nicht angezweifelt, doch kritisch sieht es Deutschlands zentrale Umweltbehörde, dass der sogenannte Methan-Schlupf bei der Beurteilung von Gasmotoren bislang kaum eine Rolle spielt.

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Nachrüstung kaum möglich

Auch andere Experten weisen auf das Problem hin: „Wir müssen davon ausgehen, dass der Methan-Austritt die Klimabilanz des Kraftwerks deutlich trübt“, so Sabine Gores, Energie- und Klimaschutz-Expertin beim Freiburger Öko-Institut. Eine Nachrüstung dürfte nach UBA-Angaben „technisch-wirtschaftlich“ kaum umsetzbar sein. Beckers: „Da ist das Kind in den Brunnen gefallen.“

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Besser als das vorherige Kraftwerk

Die Diskussion ist aufgeladen: Das Bündnis „Mit Vollgas in den Untergang“ verweist auf Studien der Cornell-Universität in den USA. Demnach tritt bei der Förderung und dem Transport von Erdgas Methan in so großen Mengen aus, dass das Kraftwerk erheblich an Umweltfreundlichkeit einbüße. Anders als Umweltaktivisten halten die beiden Fachleute Beckers und Gores die neue Gasmotorenanlage jedoch für klima- und umweltfreundlicher als das alte Gemeinschaftskraftwerk.

CO2-Einspareffekt bleibt

Die Stadtwerke halten an ihrer positiven Bewertung fest: „Das Küstenkraftwerk vereint Ökologie und Nachhaltigkeit mit einem sehr hohen Maß an Versorgungssicherheit.“ Der Ausstoß von Methan werde rund um die Uhr erfasst. Umgerechnet auf 4500 Vollbenutzungsstunden ergebe sich eine jährliche Methanmenge von weniger als 2000 Tonnen. Zum Vergleich: Der direkte Kohlendioxidausstoß des abgeschalteten Kohlekraftwerks betrug 1,4 Millionen Tonnen und damit rund eine Million Tonnen mehr als für das neue Kraftwerk geplant. Laut Stadtwerke-Technikchef Jörg Teupen wird „der von uns kommunizierte CO2-Einspareffekt von etwa 70 Prozent“ selbst unter Berücksichtigung der CO2-Äquivalente eingehalten.

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