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Kiel Eschensterben bedroht Artenvielfalt
Kiel Eschensterben bedroht Artenvielfalt
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13:55 31.07.2019
Von Steffen Müller
Die Professoren Alexandra Erfmeier und Joachim Schrautzer untersuchen das Eschen-Sterben im Tiergehege Tannenberg im Projensdorfer Gehölz. Viele der Bäume sind bereits entwurzelt, die, die noch stehen haben bereits gar keine Blätter mehr.  Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

2,4 Millionen Euro stehen dem Team um die Projektleiter Alexandra Erfmeier und Joachim Schrautzer vom Institut für Ökosystemforschung an der CAU Kiel dafür zur Verfügung, gestellt wird das Geld von Bund und Land. Die Professoren verfolgen mit ihrem Team nun drei Schwerpunkte: Den aktuellen Zustand der Eschen in Schleswig-Holstein dokumentieren, den Verlauf des Baumsterbens in den nächsten Jahren verfolgen und eben die Auswirkungen auf das Ökosystem ermitteln.

Suche nach Alternativen läuft

Zu ihren Aufgaben gehört es nicht, ein Heilmittel zu finden oder den Auslöser, den invasiven Schlauchpilz Hymenoscyphus fraxineus aus Asien, zu bekämpfen. "Wir sind für das Monitoring zuständig", sagt Alexandra Erfmeier, die die Arbeit als "Reha-begleitende Maßnahme für die Artenvielfalt" bezeichnet.

Hymenoscyphus fraxineus

So schadet Hymenoscyphus fraxineus Eschen

Der Schlauchpilz Hymenoscyphus fraxineus ist 1992 durch die Forstwirtschaft aus Asien nach Europa eingeschleppt worden und breitete sich zunächst in Polen und Skandinavien aus. 2002 wurde der Pilz erstmals in Deutschland nachgewiesen, mittlerweile gibt es ihn in 22 europäischen Ländern. Die Sporen des Pilzes infizieren zunächst die Blätter, die daraufhin frühzeitig abfallen und den Baum von der Krone herab kahl werden lassen. Über den biologischen Kreislauf nimmt der Baum die Giftstoffe aus dem Laub auf, über die Leitbahnen verteilen sie sich in der Esche. Das hat zur Folge, dass die Rinde morsch wird und der Baum anfällig für Krankheiten wird.

Dafür stehen den Forschern bislang 120 Beobachtungs- und 264 Versuchsfelder bereit. Hier soll unter anderem erforscht werden, welche Baumarten die Esche ersetzen könnten, um die bisherige Natur auf dem Waldboden zu erhalten. Infrage kommen Spitzahorn, Flatterulme und Winterlinde. Einige der Flächen sollen demnächst auch der Öffentlichkeit anhand von Lehrpfaden zugänglich gemacht werden, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Tückische Kettenreaktion: Baumsterben löst Domino-Effekt aus

Denn das Baumsterben löst einen Domino-Effekt aus. "Es gibt viele Pilzarten, die an die Esche gebunden sind", erzählt die Invasionsbiologin Erfmeier, die sich nun die Frage stellt, was mit diesen voneinander abhängigen Lebewesen passiert, wenn die Esche ausfällt.

Das Problem sei nicht nur die fehlende Ko-Existenz. Durch den Blattverlust der Bäume fällt mehr Licht auf den Waldboden, was zur Folge hat, dass sich andere Arten wie Brennnesseln und Brombeeren, ausbreiten. "Die Natur wird weniger artenreich und unattraktiver für den Menschen", befürchtet Erfmeier. "Das ganze Ökosystem gerät ins Ungleichgewicht", ergänzt ihr Kollege Joachim Schrautzer.

Die Hoffnung schwindet

Der Biodiversitätsforscher Schrautzer ist allerdings wenig optimistisch, dass sich der Eschenbestand wieder erholen wird, er schätzt, dass vier Prozent der Population überleben wird. "Ich sehe kaum einen Baum, der nicht befallen ist." Nach seinen Angaben rechnen auch die meisten Forstwirte damit, dass die Esche nicht mehr zu retten sei.

"Es gibt bisher keine praktische Maßnahme, die gefruchtet hat." Damit wird sich das Bild der Wälder in Schleswig-Holstein dramatisch ändern. Und selbst wenn sich der Bestand erneuert und sich junge Eschen wieder ausbreiten können, dauert es 30 bis 40 Jahre, bis sie sich voll entwickelt haben. "Wir befinden uns in einer Umbruchphase, unabhängig davon, ob die Esche sich erholt oder nicht."

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