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Kiel Cyberangriff legt Uni-Computer lahm
Kiel Cyberangriff legt Uni-Computer lahm
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18:43 12.11.2019
Von Karen Schwenke
Die Kieler Universität kann derzeit nur sehr eingeschränkt mit der Außenwelt kommunizieren. Grund ist ein Cyberangriff auf das Rechenzentrum. Quelle: Jürgen Haack / CAU
Kiel

Erste Störungen liegen zwei Wochen zurück, flächendeckend wirke sich der Cyberangriff seit gut einer Woche auf den Unibetrieb aus, damit ist er wahrscheinlich der längste in der Geschichte der Christian-Albrechts-Universität (CAU). "Es geht in die Substanz", sagt Sprecher Boris Pawlowski. Und der Angriff hält weiter an, bisher konnte er nicht abgewehrt werden. Immerhin: "Es ist keine Cyberattacke, bei dem jemand in unsere Systeme eingedrungen ist."

Zwar arbeiten die IT-Experten rund um Rechenzentrumsleiter Dr. Holger Marten mit Hochdruck daran, die Effekte des Angriffes zu mindern. "Einfach so abstellen lässt sich das Problem leider nicht, weil es von außen kommt", heißt es. Auf dem gesamten Campus seien die Computer nur eingeschränkt nutzbar, und die Internetdienste der Hochschule kaum erreichbar. Betroffen sind 3500 Universitätsangestellte und 27.000 Studenten.

Verursacher der Botnetz-Attacke ist unbekannt

"Wenn die Attacken nicht nachlassen, dann ist der Betrieb weiter eingeschränkt", warnt Pawlowski. Von wem der Angriff ausgeht oder aus welchem Grund, wisse man nicht. Fakt ist, dass er von vielen in Reihe geschalteten Computern erfolgt, die mit wechselnden IT-Adressen gleichzeitig bestimmte Anfragen an die Universität stellen, zum Beispiel Internetseiten aufrufen oder Mails an die Uni richten.

Tausende Anfragen werden auf dieselben Server geschickt, so dass die Router-Systeme verstopfen: "Das verlangsamt das gesamte System. Wir kommen nicht mehr richtig raus, und andere Leute nicht mehr richtig rein", so Pawlowski. Diese Art von Cyberangriff nennt sich Botnetz.

Die Hochschule hat darauf mit einer Teil-Abschirmung reagiert. "Wir haben 30.000 Ports, also 30.000 Möglichkeiten mit der Außenwelt zu kommunizieren. Vor den Router, also vor den Verteiler, der all diese Anfragen bearbeitet, haben wir jetzt einen Spezialrouter geschaltet. Dieser filtert die bereits identifizierten Ärgeranfragen heraus", erklärt der Sprecher. So wolle man die internen Prozesse stabilisieren.

Was ist alles von dem Botnetz-Angriff betroffen?

"Das ist sehr mühsam und sehr ärgerlich, weil unsere Internetverbindungen nicht mehr richtig funktionieren." Betroffen sind zum Beispiel die Onleihe der Universitätsbibliothek oder der E-Mailverkehr. Auch können von den Campus-Rechnern keine Internetseiten aufgerufen werden. "Die Leute sind genervt, weil sie keine Bücher bestellen oder zurückgeben und keine Anträge laden können."

Laut Pawlowski seien Botnetz-Angriffe für die Uni nicht selten, "aber in der Dauer und der Komplexität ist es ungewöhnlich".  Nicht nur die Kieler Hochschule ist zu Schaden gekommen, andere Forschungsstandorte meldeten ähnliche Attacken. Das Universitätsklinikum hatte nach Auskunft von Sprecher Oliver Grieve ebenfalls „Schwierigkeiten mit dem Internet, aber das läuft wieder.“

Hintergrund: Botnetz

Von Botnetzen spricht man, wenn meist mehrere Tausend Computer und mobile Geräte per Fernsteuerung zusammengeschlossen und zu bestimmten Aktionen missbraucht werden. Der Botnetz-Angriff schadet dem Uni-System, weil die quasi gekaperten und in Reihe geschalteten Computer laufend auf das Rechenzentrum zugreifen und es somit verstopfen, ohne dass sie identifiziert werden können.

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