Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Abendmahl mehr als Brot und Wein
Kiel Abendmahl mehr als Brot und Wein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:45 06.07.2015
Von Kristiane Backheuer
 Brot und Wein zum Abendmahl? Ach, wenn es nur so einfach wäre. Der Theologe Prof. Dieter Sänger forscht seit fünf Jahren zu diesem Thema, über das unter Gläubigen am heftigsten gestritten und diskutiert wird. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Eines vorweg: Dieter Sänger geht es nicht um eine endgültige Lösung, sondern eher um eine Art Bestandsaufnahme. Unter dem Motto „Think big“ hat sich der Theologe bei seinem Forschungsprojekt gleich 75 Wissenschaftler aus der ganzen Welt mit ins Boot geholt. Da ist die Fachfrau aus Amerika, die sich mit Opferritualen im frühen Judentum beschäftigt hat. Da ist der Kieler Kunsthistoriker, der 100 Bilder zusammengetragen hat, auf denen Essens-Szenen abgebildet sind. Und da ist der Archäologe aus Österreich, der die Grundrisse von Häusern reicher Menschen ausgegraben hat und große Speiseräume entdeckte.

„Als das Abendmahl nach dem Tod Jesu bei den Christen üblich wurde, war das völlig neu“, sagt der 66-jährige Theologe. „Erstmals waren Männer und Frauen, Arme und Reiche gleichberechtigt zum Mahl versammelt.“ Auf die übrige Bevölkerung hätte das mehr als befremdlich gewirkt. Frauen, Sklaven und kleine Leute seien in der Regel beim Essen nicht mit am Tisch gewesen. Genauso hätte das Austeilen von Brot und Wein als Zeichen für Leib und Blut Jesu Christi verwundert. „Sind das Kannibalen?“, hätte sich so mancher Außenstehender gefragt. Zudem hatte Jesus zu seinen Lebzeiten bei vielen nicht den allerbesten Ruf, so Dieter Sänger. Er sei als Fresser und Weintrinker verschrien gewesen.

Nach und nach verbreitete sich das Abendmahl aber und wurde zu einem Kennzeichen der Christen. „Man traf sich meist in Privathäusern“, so Dieter Sänger. Neben Brot und Wein sei häufig ein opulentes Mahl aufgetischt worden. Doch auch viele Fragen seien aufgetaucht. Darf jemand mit am Tisch sitzen, der nicht getauft ist? Kann Wein durch Traubensaft ersetzt werden? War das auf dem öffentlichen Markt gekaufte Essen vielleicht schon vorher einer heidnischen Gottheit geweiht?

Dieter Sänger ist das Abendmahl sehr vertraut. „Ich bin in der Nähe von Siegen aufgewachsen und besuchte regelmäßig den Gottesdienst“, erzählt er. Ein Pastor weckte in dem jungen Gymnasiasten die Begeisterung für theologische Fragen. Nach dem Studium in Wuppertal, Göttingen und Heidelberg war er zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter, dann eine Zeit lang Gemeindepastor, bis es ihn nach der Habilitation erst an die Uni in Mainz, Gießen, Frankfurt und schließlich nach Kiel verschlug. Zusammen mit seiner Frau Christiane, einer Deutsch- und Religionslehrerin, lebt er in Gettorf und liebt es, Freunde zum Essen einzuladen. Das Größte ist aber, wenn Sohn Christoph, ein Jurist, mit seiner Familie aus Düsseldorf kommt. „Unsere zweijährige Enkelin Josephine macht richtig Spaß.“ Tischgebet zum Mittag, gemeinsames Singen am Abend – Rituale, die Gemeinschaft fördern. So wie beim Abendmahl.

Zurück zu seinem Projekt: Im August 2012 kamen die Wissenschaftler, die an dem Thema arbeiten, erstmals in Kiel zusammen. „Das war gar nicht so leicht, Gelder von Forschungsstiftungen einzuwerben, damit wir die Kollegen überall aus der Welt einfliegen lassen konnten“, erzählt Dieter Sänger. Fünf Tage lang wurde vorgetragen und diskutiert. Ein Jahr später traf man sich auf der griechischen Insel Lesbos wieder – diesmal hatten die Norweger eingeladen. „Da saßen wir morgens ab 8 Uhr unterm Feigenbaum und haben bis abends diskutiert“, sagt der Theologe. „Wir alle haben enorm viel gelernt.“

Dieter Sänger selbst hat für das Projekt einen jüdischen Roman („Joseph und Asenet“) aus der Antike analysiert, der damals äußerst populär war. Darin geht es um eine heidnische Priesterin, die sich in einen Juden verliebt. „In der Schrift ist alles drin – high society, sex and crime“, sagt der Wissenschaftler schmunzelnd. „Aber der Text macht auch deutlich, dass Heiden aus jüdischer Sicht Götzendiener waren und auf keinen Fall mit einem Juden an einem Tisch sitzen und essen durften.“

Inzwischen liegen die Beiträge (teils auf Englisch, teils auf Deutsch) der verschiedenen Forscher aus aller Welt druckfertig bereit. In Kürze werden drei Bände mit insgesamt rund 2000 Seiten veröffentlicht. Eine Bestandsaufnahme, wie Menschen von 800 vor Christus bis ins 7. Jahrhundert nach Christus gegessen und später das Abendmahl gefeiert haben. „Bis heute gibt es kein vergleichbar umfassend angelegtes Werk“, sagt der gebürtige Westfale nicht ohne Stolz und hofft, vielleicht schon bald mit seinen Mitautoren wieder zum gemeinsamen Mahl zusammenzukommen.

Manchmal braucht es ungewöhnliche Wege, um neue Ansätze zu finden. Ein richtiges Wegenetz mit 24 Projekten hat sich seit zwei Jahren in der Alten Mu (frühere Muthesius-Kunsthochschule) entwickelt. Welche Ideen sie für Kiel haben, das zeigten die Kreativen gemeinsam mit der Muthesius-Kunsthochschule und dem Projekt Zukunftsmacher.sh während ihres gut besuchten Sommerfestes unter dem Motto „Karussell der Ideen“.

Karina Dreyer 06.07.2015

Mehr als 9000 Läuferinnen und Läufer haben sich bis heute für den KielLauf 2015 angemeldet. Am 13. September werden Hochleistungssportler dabei sein, aber auch Beginner und Neustarter. Und Prof. Burkhard Weisser – auf der Halbmarathon-Strecke.

Christian Trutschel 06.07.2015
Kiel Schleswig-Holstein Feuerwehr im Dauereinsatz

Unwetterartige Niederschläge, Gewitter und starke Sturmböen hinterließen in der Nacht zum Montag im Kreis Rendsburg-Eckernförde und in Kiel schwere Schäden. Umgestürzte Bäume und überflutete Straßen sorgten für Dutzende Einsätze. Hinzu kam in Kiel noch ein Feuer in einem Mehrfamilienhaus.

KN-online (Kieler Nachrichten) 06.07.2015