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Kiel Anwohner fürchten autofreie Kiellinie
Kiel Anwohner fürchten autofreie Kiellinie
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06:00 05.09.2019
Von Michael Kluth
Hier kommen die Autos entlang: Bodo Hasenritter befürchtet, dass bei einer Sperrung der Kiellinie der größte Teil des Verkehrs über den Düsternbrooker Weg links in die Lindenallee fließt. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Zwei Tage lang wird aufgebaut, deshalb beginnt die Sperrung schon am Donnerstag. Am Sonnabend startet das Fest auf der Fahrbahn. Es ist zugleich ein Test, ob die Kiellinie dauerhaft autofrei gemacht werden kann. Nicht jeder freut sich darauf.

Anwohner schreibt an Kieler Oberbürgermeister

Bodo Hasenritter ist seit 35 Jahren Anwohner an der Lindenallee. Der alteingesessene Kieler, der immer noch vom "Hindenburgufer" spricht, sieht einer womöglich dauerhaft autofreien Kiellinie mit Sorge entgegen. Der Pensionär hat an den Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) geschrieben. "Irgendwann müssen die mal mitkriegen, dass hier auch Leute wohnen", sagt er.

Die zentralen Sätze in seinem Schreiben lauten: "Die Stadt Kiel ruft den Klimanotstand aus, um die Belastung der Menschen zu verringern, und ihr Oberbürgermeister macht zugleich Vorschläge, die zwangsläufig zur Verlagerung des Verkehrs von einer unbewohnten Hauptsammelstraße in ein Wohn- und Erholungsgebiet führen. Was für eine Absurdität!"

Vorwurf: Vorschlag der Stadt Kiel ist populistisch

Hasenritter nennt den städtischen Vorstoß "populistisch" und die Verkehrspolitik der Stadt "irrational". Der Anwohner fürchtet, "dass der Verkehr sich immer die kürzeste und schnellste Ausweichroute sucht". Die verlaufe zwangsläufig über Düsternbrooker Weg, Lindenallee und Niemannsweg.

Einen Kommentar zur Kiellinie lesen Sie hier

Er habe nichts gegen mehr Attraktivität der Kiellinie, versichert Hasenritter - "aber nicht zulasten der Anwohner". Die Stadt müsse ihre Maßnahmen "für alle erträglich gestalten".

7200 Autos pro Tag auf der Kiellinie

Die online einsehbare Verkehrszählung der Stadt weist für die Kiellinie 2018 bis zu 7200 Fahrzeuge pro Wochentag aus. Gleichwohl nennt Tiefbauamtsleiter Peter Bender die Sperrung "verkehrlich unproblematisch". Die meisten Autofahrer würden weiträumig auf die B76 oder den Westring ausweichen.

Das sagt der Ortsbeirat

Benjamin Walczak wundert sich ein bisschen. Der Vorsitzende des Ortsbeirats Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook kann eine Unruhe im Stadtteil wegen der Kiellinie nicht bestätigen. Nennenswerte Proteste gegen den Autofrei-Test habe es jedenfalls im Ortsbeirat nicht gegeben, berichtet Walczak. Der Ortsbeirat selbst finde die Aktionsphase mit Erlebnisraum sehr gut und das Autofrei-Experiment sehr interessant. Es sei überhaupt keine Vorentscheidung über eine dauerhaft autofreie Kiellinie, sondern ein ergebnisoffener Test. Walczak fordert die Stadt zu einer zeitnahen Auswertung mit Verkehrszählung auf. Insbesondere müssten Folgen für den Fahrradverkehr und Auswirkungen auf Ausweichrouten berücksichtigt werden - nicht nur auf der Lindenallee, sondern vor allem auch auf der vielbewohnten Feldstraße.

Harald Banneck kann darüber nur lachen. "Da haben wir als Anwohner andere Erfahrungen gemacht", sagt der Nachbar von Bodo Hasenritter und bestätigt dessen Sorgen. Die beiden Pensionäre nennen Kämpfer "einen tüchtigen Mann, den tüchtigsten Oberbürgermeister seit Langem" - aber an der Kiellinie sei der Sozialdemokrat auf dem Holzweg.

Alternative Berthold-Beitz-Ufer

Die ortskundigen Düsternbrooker nennen eine Alternative. Das Berthold-Beitz-Ufer sei schon wegen der vorgezogenen Kaimauer breit genug, um dort einen "Erlebnisraum" einzurichten - "wenn denn der dort seit 2016 heimisch gewordene Bauzaun endlich beseitigt ist". Zudem könne der Verkehr dort über den Düsternbrooker Weg direkt wieder auf die Kiellinie geleitet werden, ohne Anwohner zu schädigen.

Banneck geht so weit anzukündigen: "Wenn die Kiellinie dauerhaft für Autos gesperrt wird, werden meine Frau und ich hier wegziehen." Es sei dann nicht mehr schön, in Düsternbrook zu wohnen. Hasenritter bestätigt: "Ich spiele auch mit dem Gedanken."

Aus dem Büro des Oberbürgermeisters hat Bodo Hasenritter übrigens keine Antwort erhalten, nur eine Zwischennachricht: "Dr. Kämpfer hat Ihr Anliegen an das zuständige Dezernat weitergeleitet. Wir bitten um etwas Geduld."

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