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Kiel Unterwasser-Observatorium verschwunden
Kiel Unterwasser-Observatorium verschwunden
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18:14 03.09.2019
Von Niko Rönnfeldt
Das Observatorium bei Boknis Eck war Teil des Cosyna-Netzes (Coastal Observing System for Northern and Arctic Seas). Die Sensoren lieferten wichtige Daten, um Veränderungen in marinen Ökosystemen zu erkennen. Seit kurzem ist es verschwunden. Quelle: Forschungstauchzentrum CAU
Kiel

Im Dezember 2016 installierten das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und das Helmholtz-Zentrum Geesthacht in einem Sperrgebiet am Ausgang der Eckernförder Bucht bei Boknis Eck das Observatorium für Umweltmessungen am Meeresboden. Es ermittelt dort unter anderem Parameter wie Strömungsgeschwindigkeiten und Methankonzentrationen.

Nun ist das Observatorium verschwunden. „Am 21. August um 8.15 Uhr stellte es die Datenübertragung ein“, berichtet Boknis-Eck-Koordinator Prof. Hermann Bange vom Geomar am Dienstag. „Zunächst dachten wir an einen Übertragungsfehler." Doch ein Tauchereinsatz offenbarte: „Die Geräte waren weg, die Taucher konnten sie nicht mehr finden“, so Bange.

Taucher fanden nur ein abgerissenes Kabel

Das Boknis-Eck-Observatorium besteht aus zwei etwa Schreibtisch-großen Gestellen. Eines ist für die Stromversorgung der Anlage verantwortlich und über ein Kabel mit der Küste verbunden. Das andere Gestell trägt die eigentlichen Sensoren. „Als die Taucher an der Position des Observatoriums den Meeresboden erreichten, fanden sie nur noch das abgerissene Landkabel. Es war völlig zerfasert“, sagt Bange. Ob Versehen oder Absicht: "Die Spuren sahen nach roher Gewalt aus", ergänzt Geomar-Sprecher Jan Steffen.

Die Gestelle wiegen jeweils rund 520 und 220 Kilogramm, die Kabelverbindungen sind äußerst massiv. Die Experten schließen deshalb Stürme, Strömungen oder Meerestiere als "Täter" aus.

Geomar bittet um Hinweise von Zeugen

„Wir haben zunächst versucht, mit eigenen Recherchen und weiteren Tauchereinsätzen die Geräte wiederzufinden. Bisher aber ohne Erfolg. Deshalb würden wir uns über Hinweise sehr freuen. Vielleicht hat ja jemand am Morgen des 21. August beim Sperrgebiet ‚Hausgarten‘ in Höhe des Campingplatzes Hökholz etwas beobachtet. Oder jemand findet Teile der Gestelle irgendwo am Strand“, sagt Professor Bange (Hinweise an info@geomar.de). Mittlerweile ist auch die Kriminalpolizei in Eckernförde eingeschaltet. Laut Sprecher Steffen ist eine entsprechende Anzeige gestellt.

Der Unterwasserknoten bei Boknis Eck hat rund 300.000 Euro gekostet. „Geradezu unbezahlbar sind aber die Daten, die wir damit erheben. Sie helfen der Forschung, Veränderungen in der Ostsee zu registrieren und eventuell Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Deshalb werden wir versuchen, das Observatorium so schnell wie möglich wieder in Betrieb zu nehmen“, betont der Boknis-Eck-Koordinator Bange.

Boknis Eck: Forschung seit 1957

Boknis Eck: Forschung seit 1957

Der Name Boknis Eck hat in der Meeresforschung einen guten Klang. Seit 1957 werden dort jeden Monat Umweltdaten wie zum Beispiel Temperatur, Salzgehalt, Nährstoffe, Sauerstoff oder Chlorophyll erhoben. Sie lassen Rückschlüsse auf den Zustand des Ökosystems der südwestlichen Ostsee zu. Damit sind die Ergebnisse aus Boknis Eck mit die ältesten, noch aktiven meereswissenschaftlichen Zeitserien weltweit.

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