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Kiel Unterwegs mit den Wasserrettern
Kiel Unterwegs mit den Wasserrettern
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14:21 29.06.2013
Von Thomas Eisenkrätzer
Die Schlauchbootbesatzungen der Wasserretter sind ständig nah am Geschehen und immer schnell da, wenn sie gebraucht werden: hier die das Kieler DLRG-Boot "Nivea 13" und das Team um Bootsführer Tobias "Tobi" Wilke (3. v. li.), dahinter DLRG-Boot "Rudolf Prey II", ebenfalls aus Kiel. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

Es ist ein guter Tag. Leichter Wellengang, schwacher, gleichmäßiger Wind, bewölkter Himmel. Als die Mannschaft der „Adler“ an Bord geht, haben sich die Segler bereits zu ihren Regattafeldern aufgemacht, und mit ihnen die Wasserrettungsteams auf den kleinen Booten mit den leistungsstarken Motoren. Sie kreisen um die Segler wie Falken um Starenschwärme – nur aus einem ganz anderen Grund: Bei einem Unfall sind sie sofort zur Stelle. Und manchmal geht es dabei um Leben und Tod.

 Die in Kiel stationierte „Adler“, ein teilüberdachtes Blechboot, hat eine andere Aufgabe. Sie schleppt Boote zurück in den Hafen – weil sie gekentert sind, abgetrieben oder sich wegen Flaute nicht bewegen lassen. Bootsführer ist heute der Kieler Carsten Petersen (49), der seit 19 Jahren die Regatten begleitet und sich mit den kleinen und den großen Rettungsbooten gut auskennt. Wie alle hier wechselt er durch, feste Besatzungen gibt es nicht.

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 Allein die DLRG stellt zur Kieler Woche 14 Motorboote, Funkanlagen, Sanitätsmaterial sowie 90 Helfer. Mancher kommt von weit her und jedes Jahr wieder – wie Björn Koslowski: Er ist 28 Jahre alt, Bochumer, Mitglied der Ortsgruppe Kiel, und hilft zum zehnten Mal auf der Kieler Woche. Oder Niko Gruneberg (44), der in Mölln wohnt und seit 1990 zur Kieler Woche Urlaub nimmt, um zu helfen. Und dessen Frau Heidi an diesem Tag auf der kleinen „Flensburg“ DLRG-Dienst tut. Jetzt, wo die Kinder größer sind, geht das wieder.

 Urlaub nehmen, um ehrenamtlich zu arbeiten, warum tut man das? „Man fühlt sich wie in einer großen Familie, da gehört man einfach dazu, wenn man Mitglied ist“, sagt Günter Keller (66), stellvertretender Kieler Ortsgruppenvorsitzender und seit 1978 dabei. Dazu passt, dass DLRG-Eltern ihre Kinder sofort nach der Geburt bei der DLRG anmelden. So wird klar, warum Ole, der zwölfjährige Sohn vom Bootsführer, seit zwölf Jahren bei der DLRG ist. Und Niko Gruneberg seit 44 Jahren.

 Zu retten gibt es niemanden an diesem Vormittag, doch erfahre ich von Günter Keller immer mehr über die Arbeit auf dem Wasser. Dass die „Flensburg“ eine Pumpe an Bord hat, um Segelboote leer zu pumpen, dass der kleinere, wendigere Schlepper „Holstein“ aus Flensburg dafür da ist, gekenterte Boote aus dem Feld zu holen, die er der „Adler“ übergibt, die sie dann in den Hafen schleppt. Dass beinahe jeder hier mindestens ein bisschen segeln kann, um ein Segelboot fachkundig bedienen zu können. Und dass DLRG, Wasserwacht und DGzRS auf der operativen Ebene gut zusammenarbeiten.

 Es ist einiges passiert in den vergangenen Jahren. Ein Segler wurde vom Mastbaum schwer verletzt und von den DLRGlern versorgt, ein anderer ging beim Verrichten seiner Notdurft über Bord und musste eingesammelt werden. Vor einigen Jahren kenterten etwa 40 Segler zeitgleich durch eine Böe – und brauchten die Hilfe der Wasserretter. Ein anderes Mal trieben viele Segler bei einem Gewittersturm stark nach Osten ab und mussten zurückgeschleppt werden. Und einmal soll die „Adler“ 24 Laserboote gleichzeitig in den Hafen geschleppt haben, weil Flaute war.

 Auch den Helfern musste schon mal geholfen werden. Als eines der DLRG-Schlauchboote nach einem Einsatz weit draußen kaum noch gegen den Sturm ankam und Stunden gebraucht hätte, um zurück nach Schilksee zu kommen, fand es, samt Besatzung, Unterschlupf: im Rumpf eines Seenotrettungskreuzers der DGzRS.