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Kiel Mysteriöses Brummen aus der Tiefe
Kiel Mysteriöses Brummen aus der Tiefe
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08:42 17.08.2015
Von Paul Wagner
Ursula Ruh mag das Brummen nicht mehr hören. Sie lebt seit 55 Jahren in Kroog und hört seit fünf Jahren in ihrem Haus ein Geräusch aus der Tiefe der Erde. Quelle: Sonja Paar
Kiel

Zahlreiche Bewohner aus den Stadtteilen Wellsee und Elmschenhagen berichten – unter anderem im Internet – von dem seltsamen Geräusch. Einigen raubt es den Schlaf.

 „2010 fing das hier an“, sagt Ursula Ruh. Seit 1955 lebt sie in Kroog, seit 30 Jahren mit ihrem Mann in einem schmucken Reihenhaus in der Straße Am Wellsee. Seit fünf Jahren dröhne es „fast durchgehend aus dem Untergrund“, berichtet Ruh. Ähnlich wie ein ferner Generator oder ein laufendes Aggregat, empfinde sie das Geräusch. Sie führt Tagebuch, wann und wie laut es zu hören ist. „Tag und Nacht, Sommer wie Winter, im Keller und auf der Terrasse“, nehme sie das Brummen wahr. „Viele Leute aus der Nachbarschaft und auch aus Wellsee hören es auch.“ Aber: „Andere hören es nicht – je nach dem, wie feinfühlig die Menschen sind“, sagt Ursula Ruh.

Anfangs dachte sie noch an eine kaputte Pumpe oder eine Waschmaschine in einem der Nachbarhäuser. Doch als sich die Anwohner verabredeten, alles gleichzeitig abzuschalten, blieb das Geräusch. Im Februar 2013 kamen mehrere Dutzend Betroffene in der örtlichen Begegnungsstätte zusammen und berichteten von ähnlichen Erfahrungen mit dem Brummen aus der Tiefe. Das Tückische: Man könne das Geräusch wegen seiner tiefen Tonlage nicht orten. Es ist einfach da. Oft geht Ursula Ruh mit Kopfhörern und Musik ins Bett. Ansonsten finde sie keinen Schlaf.

 Mehrfach waren Mitarbeiter vom städtischen Umweltamt und vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und ländliche Räume in den vergangenen Jahren in der Gegend, um die Ursache zu finden. Auch Mitarbeiter der Stadtentwässerung waren mehrfach vor Ort, spülten unter anderem die Abwasserleitungen – ohne Erfolg.

 Lange hat Ursula Ruh gezögert, an die Öffentlichkeit zu gehen. Einerseits könne man sie für verrückt halten, andererseits fürchteten Anwohner den Wertverlust ihrer Grundstücke, sollte der idyllische Ortsteil Kroog in den Medien mit einem Dauerbrummen in Zusammenhang gebracht werden. Aber jetzt – seit wenigen Wochen ist die bisherige Angestellte der Uniklinik im Ruhestand – sei der richtige Zeitpunkt gekommen, öffentlich nach der Ursache zu suchen. „Wenn wir die Ursache finden, ist allen geholfen“, ist sich Ursula Ruh sicher.

 Einige Anwohner vermuten, dass das Brummen mit dem Ausbau einer unterirdischen Gas-Lagerstätte der Stadtwerke in etwa 1600 Meter Tiefe zu tun haben könnte. Diese sogenannte Kaverne liegt – streng geschützt – unter dem Stadtteil Rönne und dient als Puffer und Reserve, aus der 30000 Kieler Haushalte ein Jahr lang mit Gas versorgt werden könnten. Erst vor wenigen Monaten haben die Stadtwerke eine neue unterirdische Kammer in Betrieb genommen. „Die pumpen doch dort ständig Gas rein und raus. Vielleicht hat das Brummen etwas damit zu tun“, sagt Ursula Ruh.

 Die Stadtwerke sichern den Betroffenen ihre Unterstützung zu: „Wir bedauern sehr, dass in diesem Bereich vereinzelt ein mysteriöses Geräusch wahrgenommen wird und verstehen absolut, dass die Bewohner den Grund hierfür finden und das Geräusch abstellen möchten“, sagt Unternehmenssprecher Sönke Schuster. „Als regional verwurzelter Energieversorger haben wir bei all unseren Aktivitäten die Öffentlichkeit im Fokus. So haben wir auch für den Betrieb der Gasspeicher, den sogenannten Kavernen, immer wieder den Dialog mit den Anwohnern gesucht.“ Zwischen 1971 und Anfang 2015 wurden unter Rönne nach und nach drei Kavernen in Betrieb genommen. „Hierfür sind alle behördlichen Genehmigungen eingeholt worden. Auch zusätzliche Schallgutachten wurden erstellt“, versichert Schuster. „Daher gehen wir nach aktuellem Kenntnisstand davon aus, dass wir nicht für das von einigen Anwohnern wahrgenommene Geräusch verantwortlich sind.“

 Dennoch hat Schuster eine Bitte an die betroffenen Anwohner: „Eventuell können diese eine zeitliche Dokumentation erstellen, in der die Wahrnehmung des Geräusches festgehalten wird. Dann können wir dies mit den Einsatzzeiten unserer Anlagen abgleichen“, so der Sprecher. „Darüber hinaus wäre es auch hilfreich, wenn sich die Betroffenen bei uns melden und uns ihre Adressen geben. Dann könnten wir das Gebiet besser eingrenzen und mit den gesammelten Information einen Zusammenhang eventuell komplett ausschließen.“

Brummton-Phänomen

Weltweit ist das Phänomen mit tiefen Tönen aus dem Untergrund zu beobachten, Theorien zum sogenannten „Hum“ oder „Brummton-Phänomen“ gibt es viele. Forscher beißen sich an dem Thema die Zähne aus. Fakt ist: Empfindliche Messgeräte konnten an einigen Stellen die Wahrnehmung der Anwohner bestätigen, Ursachen wurden meist nicht gefunden. Zuletzt haben Wissenschaftler Geräusche aus dem Erdinneren ins Gespräch gebracht, die womöglich von einigen empfindsamen Menschen gespürt werden.

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