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Kiel Große Aufregung um Klärschlamm
Kiel Große Aufregung um Klärschlamm
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15:00 02.06.2019
Von Jennifer Ruske
Christian Kuhtz-Kunow und Kerstin Potapski vom Verein Waldhaus kontrollieren den Wasserstand in der Klärgrube hinter dem Haus. Quelle: Jennifer Ruske
Kiel

Mit dem Ärger über die Preiserhöhung ist das Waldhaus nicht alleine. Auch die Hasseer Kleingärtner monieren die gestiegenen Preise – und vor allem die Informationspolitik der Stadt. Denn erst mit Erhalt der Rechnung habe man von dieser „Kostenexplosion“ erfahren, so die Waldhaus-Mitglieder. Da ein Widerspruch gegen die Forderung abgelehnt wurde, klagt der Verein nun gegen die Stadt.

Verein Waldhaus ist Pächter der Fläche im Vieburger Gehölz

„Das Ganze ist eine verzwickte und undurchsichtige Geschichte“, sagen die Waldhaus-Sprecherinnen Andrea Buschow und Kerstin Potapski sowie Christian Kuhtz-Kunow, zuständig für den technischen Bereich im Waldhaus. Darin spielen die Stadt Kiel und das Unternehmen Remondis eine Rolle. Der Stadt gehört das Grundstück samt Vereinsheim im Vieburger Gehölz. Der Verein ist Pächter, seit 2003 organisiert er dort naturpädagogische Angebote. Zum Grundstück gehört eine Drei-Kammer-Klärgrube, die laut Verein rund sechs Kubikmeter fasst, laut Unterlagen, auf die sich das Umweltministerium beruft, 7,5 Kubikmeter.

Wie diese funktioniert, erklärt ein Experte für Kleinkläranlagen im Ministerium: In der Klärgrube wird das Abwasser aus Toilette und Küche in drei Kammern vorgereinigt (mechanische Klärung). Das läuft anschließend durch einen Sandfiltergraben, in dem durch Bakterien die biologische Klärung erfolgt, in den Wald und versickert dort. Alles, was nicht in den Sandfiltergraben geleitet wird, landet am Grund der Klärgrube, in der sogenannten Schlammkammer. „Das ist der Klärschlamm, den man abpumpen muss“, sagt Waldhaus-Mitglied Kuhtz-Kunow. In zwei Jahren käme in der Grube rund ein Kubikmeter Schlamm zusammen.

Stadt Kiel erteilte Auftrag der Firma Remondis

Eine Leerung erfolgt beim Waldhaus alle zwei Jahre. Den Auftrag dazu hat die Stadt Kiel der Firma Remondis erteilt. Im September 2018 wurden sechs Kubikmeter Schlamm und Wasser aus der Grube abgepumpt. Auch in den Jahren zuvor, sagt eine Remondis-Sprecherin, wurden regelmäßig rund sechs Kubikmeter entnommen. Die Menge sei ein Bestandteil des Ausschreibungsvertrages mit der Stadt, so die Sprecherin weiter.

„Anstatt nur den Schlamm zu entfernen, ist die Klärgrube komplett geleert worden“, kritisiert jedoch Kuhtz-Kunow. Und weiter: „Wir sollen für die Abfuhr von bereits geklärtem Wasser zur Kasse gebeten werden.“ Dem widerspricht der Experte für Kleinkläranlagen: Über den Zeitraum von zwei Jahren verteile sich der Schlamm über alle drei Kammern. Die Grube müsse daher regelmäßig entschlammt werden. „30 Zentimeter Schlamm und Wasser verbleiben dabei als Impfschlamm in der Grube.“ Um das zu gewährleisten, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird eine Grube bis auf diesen Rest geleert oder sie werde komplett abgesaugt, um am Ende eine entsprechende Menge Wasser/Schlamm zurückzuleiten. Für den Experten ist das Abpumpen völlig korrekt gelaufen.

Satzungsänderung im August 2018

Doch wie lässt sich die Preissteigerung erklären? Der Schmutzwassergebührenbescheid gibt Aufschluss: 2016 wurde die Schmutzwassergebühr nach dem Verbrauch von Frischwasser berechnet. Das sind beim Waldhaus rund 30 bis 35 Kubikmeter pro Jahr. Im August 2018 gab es eine Satzungsänderung der Stadt Kiel – seitdem werden den Vereinen und Privatleuten die Kosten der abgepumpten Kubikmeter in Rechnung gestellt. Weil der Verein im Wald liegt, werden laut städtischer Gebührentabelle 151 Euro pro Kubikmeter fällig. „Die Kläranlage gehört zu einer Gruppe von Klärgruben, die aufgrund ihrer Beschaffenheit oder Lage nur mit erhöhtem Aufwand abgesaugt werden können“, erklärt die Remondis-Sprecherin. Die Stadt Kiel verweist ebenfalls auf die neue Satzung. Detailliertere Angaben von der Stadt Kiel gibt es wegen der laufenden Klage derzeit nicht.

Der Verein fühlt sich von der Stadt Kiel „einfach schlecht informiert“. „Wir hätten uns über eine Information vorab über die Satzungsänderung und die Kosten, die auf uns zukommen, gefreut“, sagt Vereinsvorsitzende Hilke Freyer. „Denn 906 Euro zahlen zu müssen, anstatt rund 50 Euro wie in der Vergangenheit, das ist keine Kostensteigerung, sondern eine Kostenexplosion.“ Die ist für den Verein mit seinen rund 30 Mitgliedern nur schwer tragbar.

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