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Kiel Schock und Empörung in Gaarden
Kiel Schock und Empörung in Gaarden
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20:54 02.02.2016
Von Martin Geist
Die Hans-Christian-Andersen-Schule in der Stoschstraße im Kieler Stadtteil Gaarden auf dem Ostufer. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Die habe die Nachricht über das Verbrechen am Sonntag ohne Not zurückgehalten, sagen die Eltern. Zu diesem Zeitpunkt wissen sie noch nicht, dass der mutmaßliche Täter bereits Anfang Januar im Visier der Ermittler war. „Wir haben offiziell immer noch nichts erfahren“, bestätigte am späten Dienstagnachmittag Michael Breyer, Leiter der Hans-Christian-Andersen Schule. Die Gerüchte, die zunächst die Runde gemacht hatten, bestätigten sich allerdings bereits am Vormittag, als die Mutter des Opfers in die Schule kam und über die Gewalttat an ihrer kleinen Tochter berichtete.

In Kiel Gaarden wurde eine Siebenjährige verschleppt und missbraucht. Hier sehen Sie Bilder von der Schule.

Die Zurückhaltung der Polizei ist aus Sicht des Schulleiters alles andere als hilfreich: „So lange wir etwas nicht wirklich wissen, können wir auch nicht darauf reagieren. Ich hätte mir gewünscht, dass die Schule früher informiert worden wäre, dann hätten wir die Eltern um entsprechend höhere Aufmerksamkeit bitten können.“ Denise Matschullat, deren Kinder die erste und zweite Klasse der Gaardener Stadtteilschule besuchen, kritisiert dies ebenfalls. „Ganz, ganz schlimm“ sei es, solche womöglich lebenswichtigen Informationen zu verschweigen, ärgert sie sich. Für die junge Mutter, die nur zwei Gehminuten von der Schule entfernt wohnt, steht fest, dass sie ihre Kinder nur noch persönlich dorthin bringt und wieder abholt. Den Nachwuchs alleine losziehen lassen? „Nie wieder“.

Panik bei Eltern?

Eine in Gaarden tätige Sozialarbeiterin bezeichnet solche Äußerungen als typisch für die derzeitige Stimmung und spricht von „totaler Panik“ bei den Eltern. Überhaupt sei das Klima aufgeheizt. Kaum dass die Nachricht von der Vergewaltigung auch nur gerüchteweise die Runde gemacht hatte, entfalteten sich nach ihren Angaben schon erste Bestrebungen zur Gründung einer Bürgerwehr. „Ich rege mich wirklich auf“, ruft sogar ein Vater aus, der zu den eher Besonnenen gehört. Ihm geht es ebenfalls ums Thema Information: „Wieso arbeiten Polizei und Schule da nicht zusammen?“ Frustriert genau darüber gibt sich eine Mutter, die anmerkt: „Da haut in diesem Land irgendwas nicht hin.“

Unterdessen hat das siebenjährige Opfer des Verbrechens bereits am Dienstag wieder am Unterricht teilgenommen. Auf ausdrückliche Empfehlung einer Psychologin, die zur möglichst raschen Rückkehr in so etwas wie Normalität geraten hatte. Michael Breyer betont, dass Prophylaxe im Sozialkundeunterricht seiner Schule ohnehin eine wichtige Rolle spiele. Man werde jetzt noch einmal verstärkt aufklärend in allen Klassen wirken, darauf hinweisen, was zu tun ist, wenn man von fremden Leuten angesprochen wird oder gar dazu verleitet werden soll, mit ihnen zu kommen. Unterstützung will man sich dabei von Psychologen und Experten des Präventionsbüros „Petze“ holen.

Polizei weist Kritik zurück

Für Breyer ist das nicht mehr und nicht weniger als die Umsetzung allgemeiner Fürsorgepflicht. Der Vorfall als solcher falle dagegen nicht in den Verantwortungsbereich der Schule. Schließlich sei das Kind an einem Sonntag vom Täter in seine Wohnung gelockt worden. Und außerhalb der Unterrichtszeiten sei der Spielplatz auf dem Hof der Hans-Christian-Andersen-Schule ebenso wie die Spielplätze fast aller anderen Kieler Schulen eine ganz normale öffentliche Einrichtung.

Die Polizeidirektion Kiel weist die massive Kritik am Abend zurück. Über seinen Sprecher lässt Behördenleiter Thomas Bauchrowitz mitteilen, dass es für die Polizei schwierig sei, während eines laufenden Ermittlungsverfahrens Details an Außenstehende mitzuteilen. Die Gefahrenlage für die Bevölkerung sei aber geprüft worden. „Den Behördenleiter hat die Tat sehr berührt, entsprechend froh war er über die schnelle Aufklärung“, sagt der Polizeisprecher.

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