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Kiel Massive Kritik an KVG-Argumentation
Kiel Massive Kritik an KVG-Argumentation
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18:56 28.08.2018
Von Jürgen Küppers
Gerhard Roch (hier in Begleitung von Enkelin Hanna und Ehefrau Silvia) galt trotz Beinamputation und Ausweis bei der KVG nicht als schwerbehindert (KN-online berichtete). Jetzt sieht sich das Verkehrsunternehmen in seiner Argumentation zur Verweigerung eines Schwerbehindertentickets harscher Kritik von Behindertenfunktionären ausgesetzt.  Quelle: hfr Privat
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Wie berichtet, begründete die SFK ihre harte Haltung unter anderem so: Ein von Gerhard Roch vorgelegter Schwerbehindertenausweis aus dessen Heimat Österreich gelte in Deutschland nicht. Selbst Hinweise auf Rollstuhl, fehlendes Bein und offenkundige Schwerbehinderung halfen ihm nicht. Er musste den regulären Preis im Rahmen eines Gruppentickets zahlen.

Zur Begründung der strengen Auslegung bei der Nicht-Anerkennung des Ausweises aus Österreich sagte Wiebke Bonow, ÖPNV-Abteilungsleiterin beim städtischen Eigenbetrieb: "Mit diesen Ausweisen wird leider viel Schindluder getrieben."

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Behindertenfunktionäre sind empört

Diese Äußerung hält die Geschäftsführerin des Gehörlosenverbandes, Cortina Bittner, für "diskriminierend". Sie rücke damit praktisch alle Inhaber eines Schwerbehindertenausweises ins schlechte Licht: "Diese Verallgemeinerung führt nur dazu, dass wir in aller Öffentlichkeit als raffgierige Betrüger dastehen."

Ähnlich sieht das der Vize-Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Dirk Mitzloff, der die "strenge Auslegung" der SFK-Geschäftsbedingungen in dieser Form als "unseriös" einstuft: "Ich halte es für angebracht, dass Wiebke Bonow ihre Behauptung, es werde Schindluder mit den Ausweisen betrieben, entweder fundiert belegt oder sich bei Ausweisinhabern entschuldigt."

Bürgermeister zahlt Ticket aus eigener Tasche

Eine Art Wiedergutmachung mit Seitenhieb Richtung Kiel plant Schönkirchens Bürgermeister Gerd Radisch. Er will dem Ehepaar Roch, das die Ferien bei Verwandten in Schönkirchen verbrachte, das Fährticket aus eigener Tasche bezahlen, "damit beide Schönkirchen als pragmatisch sowie menschlich denkende und handelnde Gemeinde in Erinnerung behalten".

Zudem attestierte der Bürgermeister KVG und SFK "mangelnden Pragmatismus". Möge ihr Verhalten auch formal korrekt gewesen sein: "Allein der vom Unternehmen zu zahlende Zeitaufwand für Stellungnahmen der Abteilungsleiterin sowie des Geschäftsführers dürfte den eingenommenen Fahrpreis übersteigen."

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