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Kiel Mieter darf Schimmel-Wohnung verlassen
Kiel Mieter darf Schimmel-Wohnung verlassen
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17:50 20.12.2019
Von Karen Schwenke
Seine Wohnung war unbewohnbar. Doch Hans Augustin blieb. Denn aus eigener Kraft konnte er sich keine neue Unterkunft suchen. Seine kleine Rente stockt der kranke Mann mit Grundsicherung auf. Quelle: Sven Janssen
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Kiel

Auf Wänden, Möbeln, quasi auf all seinen Sachen wucherte zuletzt Schimmel. Und er raubte einem den Atem. Da der Vermieter den Schimmelbefall nicht wirksam bekämpfte, wendete sich Hans Augustin im April an die Kieler Nachrichten. Vonovia versprach, die Probleme zu beseitigen. Doch der giftige Schimmel breitete sich weiter aus. Weil der Konzern auf seine Bitten nicht reagiert habe, wendete sich Hans Augustin knapp neun Monate später erneut an die Kieler Nachrichten. Ein Besuch in seiner Wohnung offenbarte am Dienstag das ganze Elend. Ohne Zweifel musste der Mann aus der kontaminierten Wohnung raus. Und zwar schnell. Auf eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung reagierte Vonovia unverzüglich. Schon am Mittwoch wurde der Umzug des Mieters veranlasst. „Jetzt ist alles in Ordnung“, zeigte sich Hans Augustin anschließend zufrieden.

Die Sporen befanden sich offenbar überall

In der Schimmelwohnung bot sich den KN-Reportern am Dienstag ein erschütterndes Bild. Das Schlafzimmer war ebenso von dem Schimmelpilz befallen wie Wohnzimmer, Küche und Bad. Die Sporen befanden sich offenbar überall. Die schwere toxische Luft machte den Aufenthalt in der Zweizimmerwohnung unerträglich. Sie führte zu Atemnot und Übelkeit. Doch der 68-Jährige hatte sich daran gewöhnt. Er sagte: „Ich rieche den Schimmel nicht mehr.“ Der Mann ist nach eigenen Worten mehrfach chronisch krank. Die prekäre Wohnsituation mache ihm zusätzlich sehr zu schaffen, räumt er ein. „Ich kann wirklich nicht sagen, dass es mir gut geht.“

So sah die Wohnung von Hans Augustin aus

Seit einigen Wochen hatte Hans Augustin ein weiteres Problem. Seine Wohnung war kalt. Bei Außentemperaturen von zehn Grad ließen sich die Räume auf maximal 16 Grad erwärmen. Denn die Heizkörper, die im November erneuert worden waren, seien seither nicht funktionstüchtig.

Gebäudekomplex ist in einem üblen Zustand

Auch die Fenster hatte Vonovia erneuert. Im Wohnzimmer ließen sie sich jedoch nur auf Kippstellung öffnen, sodass Lüften nur eingeschränkt möglich war. Der Grund: Vonovia saniert, modernisiert und erweitert derzeit das ganze Haus in der Gaardener Raaschstraße 4-8. Das ist auch dringend nötig. Denn der Gebäudekomplex ist in einem üblen Zustand. Das Dach ist mindestens seit vergangenem April, als die Kieler Nachrichten erstmals über den Fall berichteten, undicht. In den Hausfluren und Treppenhäusern, allesamt verkommen und verdreckt, haben Mieter Gläser aufgestellt, um Regenwasser aufzufangen. Der feuchte Putz blättert von der Decke.

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„Ich möchte hier nicht mehr wohnen, der Schimmel ist belastend, die Kälte und der Lärm auch“, klagt Hans Augustin. „Von den Vonovia-Mitarbeitern würde keiner in solch einer Wohnung leben wollen“, schätzt er. Immer wieder habe er sich bei dem Unternehmen telefonisch beschwert, mehrmals sei beispielsweise der Quartiersmanager bei ihm gewesen. Er habe an der Heizung herumgeschraubt und versichert, die würde jetzt wieder funktionieren. „Doch das stimmte nicht.“ Vonovia-Sprecherin Panagiota-Johanna Alexiou argumentiert hingegen: „Leider haben wir keinen Zutritt zu Herrn Augustins Wohnung erhalten, weshalb wir dort keine Trocknungsgeräte aufstellen und die Mängel nicht beseitigen konnten.“

Hans Augustin durfte nach KN-Besuch in schimmelfreie Wohnung umziehen

Die Vonovia-Sprecherin bestätigte jedoch auch den problematischen Zustand des Hauses und der Wohnung des Rentners: „Da seine Wohnung derzeit in einem schlechten Zustand ist, haben wir Herrn Augustin eine Ersatzwohnung in der Nähe angeboten. Diese hat er heute Morgen bezogen.“

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Für Hans Augustin ging das alles sehr schnell und plötzlich: „Nachdem die Zeitungsreporter da waren, kamen mehrere Mitarbeiter von Vonovia und haben alles organisiert. Die Umzugsleute haben aber längst nicht alles mitgenommen. Denn viele Sachen sind schimmlig und nicht mehr brauchbar“, berichtet der Kieler. Darunter sein Bett, seine Schränke, viele Unterlagen, Bücher und Kleidungsstücke: „Die sind alle vom Schimmel befallen, die kann ich nicht mehr behalten, wurde mir gesagt.“ Hans Augustin ist dennoch glücklich. Jetzt wohnt er in einer schimmelfreien Wohnung in dem Hochhaus im Sandkrug unweit seiner alten Wohnung. Hier könne er nicht nur über die Festtage, sondern auf Dauer bleiben. Vorerst schlafe er zwar auf seiner Couch. Aber er sei zuversichtlich, dass er sich mit Vonovia über einen Ersatz seiner schimmelbefallenen Habseligkeiten und Möbel einigen werde.

Vonovia will Situation im Wohnhaus verbessern

In seinem alten Wohnhaus in der Raaschstraße 4-8 leiden derweil noch mehr Menschen unter der Baustelle mit dem undichten Dach. Vonovia sei „bewusst, dass diese Situation für die Mieter sehr belastend sein kann, deswegen begleiten wir sie eng – vor allem während der anstehenden Feiertage –, und wir haben bereits die Miete gemindert“, so Sprecherin Alexiou. „Die Umstände bedauern wir sehr. Wir arbeiten weiterhin mit Hochdruck daran, die Situation zu verbessern.“

So lief der erste Besuch von KN-Reportern bei Hans Augustin

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