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Kiel Küssen, zanken und sich vertrauen
Kiel Küssen, zanken und sich vertrauen
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14:28 20.08.2019
Von Katharina Horban
So sieht Glück aus: Waltraud und Hans-Jürgen Schröder sind am 20.08.2019 70 Jahre verheiratet. Quelle: Frank Peter
Kiel

Der Foxtrott hat das Paar vor gut 70 Jahren zusammengebracht. Kennengelernt haben sich Waltraud und Hans-Jürgen Schröder am 30. November 1947 auf einem der ersten Bälle in Kiel nach dem Zweiten Weltkrieg – und zwar „auf dem Ball der Kieler Liedertafel am Westring“. Die beiden waren sich sofort sympathisch: Damit aus der Freundschaft der beiden Kieler Liebe wurde, musste Hans-Jürgen Schröder allerdings etwas kämpfen. Waltraud Schröder hatte damals einen Freund, der sich allerdings nicht meldete – deshalb ging sie mit einer Freundin zum Ball. Mit den jungen Herren vom Nachbartisch verstanden sie sich so gut, dass Waltraud und Hans-Jürgen Schröder danach des Öfteren ausgingen. In Tannenberg waren sie oft zum Tanzen, weshalb der heute 94-Jährige seine damalige Freundin von dort immer nach Hause nach Hassee brachte. Von Hassee aus lief er dann weiter zu sich am Blücherplatz.

Etliche Schuhe wurden durchgelaufen

So manches Paar Schuhe wurde dabei durchgelaufen – gelohnt hat es sich auf jeden Fall: Am 20. August 1949 heiratete das Paar in der Michaeliskirche. Den Stoff für das Hochzeitskleid bekam Waltraud Schröder nur über Beziehungen ihrer Eltern, ihr Kleid ließ sie nach der Hochzeit umfärben und trug es gekürzt noch zehn Jahre als Ballkleid. „Damals gab es ja noch keine Taxen. Aber wir haben eine Kutsche gehabt. Die erste Hochzeitskutsche in Kiel“, erinnert sich Waltraud Schröder. Die Fahrt darin war der Beginn eines wunderbaren Festes. Bis 6 Uhr am nächsten Morgen wurde mit den Gästen im Garten gefeiert. 

Hans-Jürgen Schröder arbeitete bis 2005 als Architekt

Hans-Jürgen Schröder studierte zu der Zeit noch Bauingenieurwesen in Lübeck, Waltraud arbeitete als Laborantin bei Harmsen in Hassee. Nach seinem Studium fand der heutige Jubilar erst einmal keine Arbeit, weshalb er bei seinem Schwiegervater als Eisenbieger ins Baugeschäft einstieg. 1952 folgte die erste Anstellung als Architekt, bald darauf kamen das eigene Haus und die zwei Kinder. 1960 machte sich Hans-Jürgen Schröder schließlich als freischaffender Architekt selbstständig und war noch bis 2005 mit seinem Sohn als Teilhaber aktiv. Über die Jahrzehnte hat sich das Paar das Tanzen und Segeln beibehalten und freute sich stets auf die gemeinsame Zeit mit den Freunden – zum Beispiel, wenn es nach dem Tanzen auf ein Bier in das nächstgelegene Lokal ging.

Immer für einen Ausflug zu haben

Alles mitnehmen, was geht – diese Lebenseinstellung herrscht heute im Alltag des Ehepaars vor. Für einen Ausflug mit ihren Kindern oder Enkelkindern sind sie immer zu haben. „Wir fahren nach Strande, Schilksee oder an die Kiellinie. Am Wasser zu sitzen und etwas zu essen, das ist wunderschön“, sagt die 93-Jährige. Es sind die kleinen Freuden im Alltag, die sie glücklich machen. So sitzen sie bei schönem Wetter gerne im Garten – oft mit ausreichend Lesestoff: Den gibt es nicht mehr in Papierform, sondern auf dem E-Book-Reader. „Da kann ich den Text so groß machen, wie ich will“, sagt Hans-Jürgen Schröder. Auf Bewegung legen beide großen Wert, denn man könne nicht den ganzen Tag im Bett liegen und an die Decke starren: „Man muss schon ein bisschen was für sich tun“, sagt Waltraud Schröder. Sie erzählt von ihrer Physiotherapie und ihren Gängen durchs Haus und den Garten. „Bewegung muss sein. Das finde ich gut“, betont sie.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Der Zukunft blickt das Paar optimistisch entgegen, denn das Schönste ist für beide folgender Moment: „Dass wir jeden Morgen aufwachen und zu zweit sind.“ Ob sie sich als junges Paar hätten vorstellen können, einmal 70 Jahre verheiratet zu sein? Sofort kommt von beiden ein munteres Lachen: „Nein, gar nicht. Dass man heutzutage so alt wird, ist ja unglaublich.“

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