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Kiel Vor Demo: So ticken die Klima-Aktivisten
Kiel Vor Demo: So ticken die Klima-Aktivisten
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14:34 09.05.2019
Von Niklas Wieczorek
Von der Polizei beäugt, wurde aus der von TKKG angemeldeten Demo auf dem Theodor-Heuss-Ring eine Sitzblockade, die gewaltsam endete. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Mit der "Autofrei"-Demo vor knapp 14 Tagen auf dem Theodor-Heuss-Ring, die in eine Sitzblockade ausartete, haben die Aktivisten ein Zeichen gesetzt, das auch überregional für Aufmerksamkeit gesorgt hat. "Wichtig ist nicht unsere Gruppe, sondern die Probleme", sagt Ben Hansen. Mit Problemen meint er vor allem den Klimawandel. "Unsere Motivation ist der Kampf für Klimagerechtigkeit."

Bewusst spreche die Gruppe nicht von "Klimaschutz", denn "soziale und ökologische Gerechtigkeit gehören für uns zusammen", sagt Julia Schröder. Genauer: TKKG will beispielsweise die Verkehrswende nicht nur, um den Klimawandel zu stoppen – sondern auch, weil sie sich davon sozialverträgliche Mobilität verspreche.

Darum gibt es kein Foto von TKKG

Sie kamen in die Redaktion, nennen ihre Namen, wollen sich aber nicht fotografieren lassen. Der Grund: Sie seien keineswegs die Sprecher oder Köpfe der Gruppe. Die gebe es nämlich gar nicht. Die Gruppe kenne nach eigenen Angaben keine Hierarchie und versuche, Entscheidungen stets basisdemokratisch zu finden. Die Scheu vor der Öffentlichkeit ist so groß, dass sie auch keine Angaben zu ihren Berufen und zum Alter machen wollen.

Seit 2016 gibt es TKKG. Die Gruppe war zunächst als Reisegruppe zu Besetzungen im rheinischen Braunkohlebergbau oder der Lausitz unterwegs. In Kiel organisierte die Gruppe dann zunächst kleine Veranstaltungen: Vorträge, Filmabende, Workshops, schließlich auch Aktionen und immer größere Proteste. Am Donnerstag wollen sie den Kreuzfahrtgästen der "Queen Victoria" mindestens ein mulmiges Gefühl bereiten.

Polizeisprecher Oliver Pohl sagt, TKKG sei für die Behörde weiter ein "Demo-Anmelder". Aber auch: "Natürlich führt ein Demoverlauf wie auf dem Heuss-Ring auch zu einer polizeilichen Neubewertung dieser Gruppe." Die Polizei löste die Blockade schließlich auf. "Wir hatten sie nicht geplant, aber natürlich damit gerechnet, und sie hat uns gefreut", sagt Julia Schröder.

Radikalität? positiv. Keine Distanz zur Gewalt

Kritisch am Ausgang der Demo sieht TKKG, die sich selbst "radikal" nennen, nichts. "Radikalität ist für mich ein positiver Begriff: Denn er bedeutet, an die Wurzeln zu gehen", sagt Schröder. Geht das bis hin zu körperlicher Gewalt? "Wir reden in der Gruppe auch darüber: Was ist Gewalt, was ist in Ordnung? Es ist auch Gewalt, wenn RWE Leute im Rheinland aus ihren Dörfern vertreibt", so Schröder. Eine klare Distanzierung ist das nicht. Nach KN-Informationen gibt es in Kiel und landesweit durchaus Klima-Aktivisten, die von den Behörden beobachtet werden.

"Die Kreuzfahrt-Konzerne sind sehr auf ihr Image angewiesen", sagt Schröder zur Demo am Donnerstag. Neue Antriebsarten und Landstrom würden in viel zu geringem Ausmaß eingesetzt, stattdessen Kapazitäten und Emissionen erhöht, so Anuk Kersjes. Auf das, was aus ihrer Sicht "Green Washing" ist, aber auch auf die Arbeitsbedingungen an Bord vieler Kreuzfahrer will die Gruppe mit Flyern und symbolischen dunklen Wolken am Terminal aufmerksam machen.

Woher kommt der Name "TKKG"

Der Name TKKG ist angelehnt an den Titel der Jugend-Kriminalserie „Ein Fall für TKKG“. Dabei steht der abkürzende Titel, den Schöpfer Rolf Kalmuczak erfunden hat, für die Hauptcharaktere Tim, Karl, Klößchen und Gaby. TKKG erscheint seit 1979 als Buch, seit 1981 als Hörspiel. Angesprochen auf den Namen „TKKG“ für „Turboklimakampfgruppe“ sagt die Aktivistin Anuk Kersjes: „Der Name TKKG ist eigentlich Quatsch. Aber er ist jetzt hängen geblieben.“

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