Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Walexperte: Delfin in Kiel ist "abgebrühter Bursche"
Kiel Walexperte: Delfin in Kiel ist "abgebrühter Bursche"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:58 14.09.2016
Von Kristiane Backheuer
Walexperte Prof. Boris Culik macht sich für die Rettung von Schweinswalen stark. Immer wieder verenden die Tiere in Fischernetzen. Quelle: Sven Janssen
Kiel

KN-online bildet die Sichtungen auf einer Karte ab und veröffentlicht immer aktuellere Fotos in der Bildergalerie. Am Mittwoch wurde der Delfin schon vor dem Geomar gesichtet. Wie kommt es, dass dieser so zutraulich ist? „Delfine haben verschiedene Persönlichkeiten“, sagt der Meeresbiologe Prof. Boris Culik (57). „Es gibt scheue, aggressive und eben freundliche wie unseren hier.“ Der Experte beschäftigt sich seit Jahren mit Zahnwalen, zu denen die Delfine gehören. Zur Rettung der Schweinswale, den kleineren Verwandten des Delfins, hat er sich eine sensationelle Erfindung patentieren lassen.

Doch dazu später. Denn auch Boris Culik ist ziemlich beeindruckt von unserem Förde-Delfin. „Das scheint ein ziemlich abgebrühter Bursche zu sein“, sagt er mit Hochachtung in der Stimme. „Mal so locker durch die Holtenauer Schleuse zu schwimmen, ist kein Pappenstiel. Unter Wasser muss dort ein enormer Krach herrschen. Die Pumpen laufen, die Schiffsmotoren dröhnen und dann noch das rumpelnde Schleusentor...“ Am Montag schwamm der Delfin im Nord-Ostsee-Kanal bis nach Suchsdorf und Neuwittenbek. Was wäre, wenn er die längste künstliche Wasserstraße der Welt komplett durchschwimmen würde? „Das dürfte für ihn kein Problem sein“, sagt Culik. „Im Kanal gibt es genug Heringe, und die Schleuse in Brunsbüttel ist für ihn auch kein Thema.“ Nur das Wasser könnte kritisch werden, denn im Kanal fließt Süßwasser. „Da könnten sich Hautparasiten ansiedeln.“ Doch bisher war der Delfin gegen Abend immer wieder in der Förde.

Das sind die Bilder des Delfins in der Förde vor Kiel-Holtenau.

Eigentlich leben Delfine in der Nordsee. Schwimmen sie im Bereich Skagerak/Kategatt, dann gibt es drei schmale Eingänge in die Ostsee. „So landeten auch Selfie und Delfie im April bei uns“, erzählt Boris Culik. „Auch unser Delfin ist so ein Irrgast oder Scout. Das kann schon noch ein paar Wochen dauern, bis er zurückschwimmt. Aber eine Dauerpopulation von Delfinen gibt es in der Ostsee bisher nicht.“ Normalerweise sind Delfine in einer Gruppe unterwegs. „Sie berühren sich viel“, so Culik, „sie brauchen Kuscheleinheiten.“ Ob er deshalb aktiv den Schwimmern in der Förde entgegenkommt, um zu kuscheln? „Vielleicht“, so der Experte.

Ganz besonders ist auch die Sprache der Delfine. „Sie ist sehr, sehr komplex und völlig anders als die von Schweinswalen“, sagt der Meeresbiologe und erzählt von seinem aktuellen Projekt. Zusammen mit Wissenschaftlern aus Dänemark hat er die Klicklaute der Schweinswale analysiert und mit Situationen in Verbindung gebracht. Die Klickfolge in Angriffssituationen hat Boris Culik zusammen mit Matthias Conrad nun akustisch kopiert und in eine Art handgroßen Schwimmer eingebaut und das ganze Schweinswal-Alarm (PAL) genannt. Conrad ist Ingenieur bei der Kieler Firma Elac Nautic, die einst das Echolot erfunden hat. Bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung sowie bei einigen Stiftungen wie der Loro-Park-Stiftung auf Teneriffa haben die beiden für rund fünf Jahre knapp eine Million Euro Fördermittel eingeworben.

Ihre Erfindung, die sich Culik 2013 patentieren ließ, schwimmt nun in den Netzen einiger Fischer von Strande, Eckernförde, Fehmarn sowie vor Kopenhagen. Das Ziel: Durch das akustische Signal des PAL, das in Schweinswal-Sprache so viel heißt wie „Hau ab!“ oder „Achtung“ soll verhindert werden, dass Schweinswale in Stellnetze schwimmen. „Die Fischer, die bisher unser System getestet haben, haben 90 Prozent weniger Beifang“, erzählt Culik. Noch bekommen sie zwar eine Aufwandsentschädigung bezahlt. Aber der Meeresbiologe hofft, dass seine Erfindung bald auch freiwillig genutzt wird. Denn damit werden nicht nur unzählige Schweinswale gerettet, die Fischer haben auch keinen Ärger mehr mit gerissenen Netzen. Und vielleicht, so Culik, könne man eines Tages ein spezifisches Warnsystem auch für Delfine entwickeln.

Mehr Fotos und Videos

Wo haben Sie den Delfin gesehen? Mailen Sie Fotos und Videos an delfine@kieler-nachrichten.de

Mehr zum Thema
Kiel Mit Videos und Galerie Kieler sind im Delfin-Fieber

Wie ein Lauffeuer hat sich die Nachricht verbreitet, dass ein Delfin die Kieler Förde besucht. Gefühlt ist ganz Kiel auf den Beinen, um zumindest noch nach Feierabend einen Blick auf den verspielten Großen Tümmler zu werfen.

Kristiane Backheuer 14.09.2016

Ein Delfin begeistert seit mehreren Tagen Schaulustige in Kiel. Über die Schleuse Holtenau pendelt das Tier zwischen Förde und Nord-Ostsee-Kanal. "Der Delfin schleust munter hin und her", sagte Matthias Visser vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Deutsche Presse-Agentur dpa 12.09.2016

Der Delfin, der seit Freitag immer wieder vor Kiel-Holtenau aufgetaucht ist, hat vielen Badenden ein unvergessliches Erlebnis beschert: Immer wieder suchte der Große Tümmler den Kontakt zu den Menschen, stupste sie an, drehte sich auf den Rücken und ließ sich streicheln.

Heike Stüben 12.09.2016

Angst und Sorge in Kiel: Weil eine Grundschule gewarnt worden ist, dass auf ihrem Schulhof vergiftete Lebensmittel ausgelegt worden seien, hat sich Schulrätin Barbara Weber am Dienstag in einem kurzen Schreiben an alle Grund- und weiterführenden Schulen der Landeshauptstadt gewandt.

Kristian Blasel 14.09.2016

Rund drei Monate nach dem Feuer in der Mittelstraße öffnet das „Café Resonanz“ am Mittwoch wieder seine Türen. „Komisch, was Wasser so alles kaputt machen kann“, sagt Inhaberin Maaiken Fonck. Denn tatsächlich wurde das Lokal nicht durch die Flammen, sondern durch das Löschwasser beschädigt.

Kerstin Tietgen 13.09.2016

Das ehemalige militärische Sperrgebiet des Marinefliegergeschwaders MFG 5 in Holtenau gilt als „Sahnestück“: Ministerpräsident Torsten Albig übergab am Dienstag dafür einen Förderbescheid in Höhe von rund 6,6 Millionen Euro aus Mitteln der Städtebauförderung von Bund und Land an Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer.

Carola Jeschke 13.09.2016