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Kiel Er ist der Mann auf dem alten Pressefoto
Kiel Er ist der Mann auf dem alten Pressefoto
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08:00 04.07.2014
Von Anna Jakobi
Walter Bollgönn (92) hat sich auf einem Foto des Kieler Fotografen Magnussen im Stadtmuseum wiedererkannt. Quelle: fpr: Frank Peter
Kiel

Für Walter Bollgönn war es eine ziemliche Überraschung, als er von dem Bild in der Magnussen-Ausstellung erfuhr. 1961 war es zur Kieler Woche unter dem Titel „Land und Leute“ in den Kieler Nachrichten erschienen. Die Fotografie zeigt ihn bei der Arbeit als Festmacher an der Holtenauer Schleuse.

 Ein schöner Grund für Bollgönn, den alten Artikel wieder hervorzuholen, dem Stadtmuseum einen Besuch abzustatten und sich an ein halbes Jahrhundert voller Veränderungen zu erinnern. Als das Foto an der Schleuse vor 53 Jahren aufgenommen wurde, hatte er gerade den Beruf des Fischers aufgegeben, den er als Jugendlicher in Ostpreußen von seinem Vater gelernt hatte.

 1947 haben die Bollgönns in Kiel neu angefangen: „Wir haben einen der Kriegsfischkutter bekommen. Das waren ursprünglich bewaffnete Fischerboote, die im Krieg vor allem in der Nordsee eingesetzt waren. Danach wurden sie an Fischer verteilt, die ihre eigenen Boote verloren hatten“, erzählt der 92-Jährige. „Rund 100 davon hat die Marine in Kiel vergeben, mit der Verpflichtung, den Fang am Seefischmarkt zu löschen“, erklärt er. Einfach war der Neustart für die Familie trotzdem nicht: „Auch wenn sich der Fischbestand in der Nordsee während der Kriegsjahre erholt hat, hatten wir erstmal Probleme, das Material für unsere Ausrüstung zu beschaffen.“

 Mit dem Wirtschaftswunder begannen viele der Fischer, sich nach anderen Berufen umzusehen. „Die Sechziger, das war die Zeit, in der viele von uns ihre Kutter verkauft haben. Es gab kaum noch Männer, die zur See fahren wollten und die langen Fahrten in Kauf nahmen, weil es an Land genug Arbeit gab“, erzählt Bollgönn. „Viele Fischer wechselten zum Kanal. Dort wurden sie gern genommen, weil sie an harte Arbeit und frühes Aufstehen gewöhnt waren“, erklärt er. Auch der damals 39-Jährige bewarb sich um eine Stelle auf den Schleppern. „Um auf den Schiffen eingesetzt zu werden, fing man damals erstmal für zwei Jahre an der Schleuse als Festmacher an“, so Bollgönn. Nach zwei Jahren Schleusendienst wechselte er in den Dienst auf den Schleppern und war dort bis zur Rente 1982 im Einsatz. Heute lebt er nach wie vor in Friedrichsort in der Nähe des kleinen Hafens, in dem früher sein Kutter lag.

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