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Kiel Busfahrer fordern 2 Euro mehr pro Stunde
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12:07 01.02.2020
Von Heike Stüben
Auch am Sonnabend streikten die Busfahrer in Kiel - neben den KVG-Fahrern waren diesmal auch die Busfahrer der Autokraft in Wellsee dabei.  Quelle: sabine flechtner
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Kiel

Es ist eine kurze Schrecksekunde für die Touristin aus München, als sie am Sonnabendmorgen auf dem Kielius die Anzeige "Leerfahrt" sieht. "Streiken Sie?", will sie vom Busfahrer wissen. Antwort: "Viele Busfahrer streiken heute. Ich fahre aber." Erleichterung bei der Touristin. Ein älterer Herr und ein junge Frau sind ebenfalls froh: "Man kann zwar auch mit dem Zug nach Hamburg fahren und dann zum Flughafen. Aber das ist viel umständlicher als mit dem Kielius."

Auch bei der nächsten Abfahrt eine Stunde später sind die Reisenden verunsichert. Doch auch dieser Bus fährt ganz normal. "Der Kielius ist nicht vom Warnstreik der Busfahrer betroffen. Die Fahrten des Kielius finden planmäßig statt", bestätigt eine Sprecherin der Autokraft.

Verdi: Warnstreik am Sonnabend tut weh

Währenddessen versammeln sich Busfahrer von KVG und Autokraft, die normalerweise heute für die Stadt Kiel den Busverkehr übernehmen würden, in Wellsee vor dem Busdepot. Am Vortag waren nur die KVG-Fahrer im Ausstand - jetzt sind auch die Kollegen der Autokraft dabei. 

Der Sonnabend wurde bewusst für den doppelten Warnstreik ausgesucht. "Erstens leiden so nicht die Schüler, die aus dem Umland nach Kiel müssen, unter dem Warnstreik der Autokraft", erklärt Verdi-Sprecher Frank Schischefsky. "Und zweitens tut ein Warnstreik am Sonnabend nach unseren Kenntnissen den Arbeitgebern weh, weil an diesem Tag vor allem Menschen mit dem Bus fahren, die den regulären Fahrpreis bezahlen."

Busfahrer wollen 340 Euro mehr im Monat

Die KVG-Fahrer fordern 2,06 Euro mehr die Stunde. Die Fahrer der Autokraft wollen 2 Euro mehr. "Das würde bedeuten, dass sie statt heute rund 2600 Euro im Monat  dann 2940 Euro bekommen würden", sagt Sabine Flechtner von Verdi.

Außerdem fordern wir für die Autokraft-Beschäftigten, dass sie nach fünf Jahren Berufserfahrung automatisch 100 Euro mehr im Monat erhalten. Bei der KVG gibt es solche Erfahrungssprünge alle vier Jahre." Verhandelt werden zwei Tarifverträge - der TVN für kommunale Betriebe wie die KVG und der OVN für private Busunternehmen wie die Autokraft, die im Auftrag von Kommunen fahren.

Busfahrer sein muss attraktiver werden

Verdi ist klar, dass sie "starke Forderungen" an die Arbeitgeber haben. Doch angesichts der Probleme, die die Busunternehmen schon heute bei der Personalsuche hätten, müsse der Arbeitsplatz Busfahrer attraktiver werden.

„Es ist an der Zeit, den Beschäftigten in diesem für das gesamte Land wichtigen Bereich die allgemeine Einkommensentwicklung in der Branche zu verschaffen, die die Verantwortung, die unterschiedlichen Belastungen und die gewachsene Bedeutung angemessen abbildet", erklärte der Verhandlungsführer von Verdi Nord, Karl-Heinz Pliete. "Dass die Arbeitgeber eine ähnliche Haltung haben, konnten wir bislang nicht erkennen, und deshalb werden wir nun den Druck mit Warnstreiks erhöhen."

Nächster Warnstreik in Lübeck

Der nächste Warnstreik startet nahtlos morgen in Lübeck - wieder zwei Tage lang inklusive der Nachtbuslinien von Montag auf Dienstag. Betroffen ist der Busverkehr im ÖPNV im Bereich Lübeck, also mit dem Stadtverkehr Lübeck.

„Wenn sich am Verhandlungstisch nichts bewegt, bleibt uns nur der Gang auf die Straße, um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen", begründete Pliete die nächste Runde von Warnstreiks.

Kieler haben sich auf Streiks eingestellt

Am Sonnabend in Kiel bleiben die Bushaltestellen verwaist. Am Sophienhof: keine Fahrgäste weit und breit. An anderen Haltestellen findet sich ab und zu jemand ein - und wartet auf einen Bus der Verkehrsbetriebe Plön. Dass Streikzeit ist, hat sich nach den Warnstreiks in Kiel und Neumünster offensichtlich herumgesprochen.

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