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Kiel Wellsee: Industriestandort mit grüner Lunge
Kiel Wellsee: Industriestandort mit grüner Lunge
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18:40 07.09.2012
Von Ingrid Haese
Der Wellsee im Süden Kiels. Quelle: Haese
Kiel

Das 1994 von der Stadt ausgewiesene Landschaftsschutzgebiet „Wellsee und Wellsau-Niederung“, das eine Fläche von 240 Hektar beansprucht, reicht bis nach Elmschenhagen und Rönne hinein.

Der Wellsee nimmt darin eine Fläche von 25 Hektar ein und muss sich einem fortschreitenden Verlandungsprozess unterordnen. Kennzeichnend für den Verlandungsgürtel sind Röhrichtzonen, Weidengebüsche und Erlenbruchwälder. Das Schutzgebiet ist ein Paradies für Gänse, Enten, Schwäne und Teichrohrsänger. Für Erholungssuchende legte die Stadt ein Wegenetz an. Noch in diesem Jahr soll der Wanderweg aufgewertet und um 1,6 Kilometer erweitert werden.

Flora und Fauna spielen im Gewerbegebiet, dessen westlicher Teil zu Moorsee gehört, eine untergeordnete Rolle. Das Areal umfasst 160 Hektar Bauland. Über 200 Unternehmen haben sich dort angesiedelt. Den Branchenmix bestimmen Dienstleister ebenso wie zum Beispiel Firmen, die sich auf Kunststoffverarbeitung, Baustoff- oder Fahrzeughandel spezialisiert haben. Etwa 13 Hektar erschlossene Flächen sind frei. Die Vermarktung liegt in der Verantwortung der Kieler Wirtschaftsförderungs- und Strukturentwicklungs GmbH. Sie verkauft jährlich durchschnittlich eineinhalb Hektar Land.

Für den Industriestandort Wellsee engagiert sich ebenso der 2003 gegründete Gewerbeverein „Handels- und Industriepark Wellsee“. Er macht sich für die wirtschaftlichen und politischen Interessen der im Areal ansässigen Firmen stark, schuf Einkaufsgemeinschaften für Strom und Gas, bietet Seminare an und setzt sich für eine Verbesserung der Infrastruktur ein. Nicht zuletzt gönnt sich der Gewerbepark sogar eine „künstlerische Ader“. Die imposante Plastik „Großer Schritt“ des Metallbildhauers Klaus-Joachim Albert am Tor der Firma Laukien beispielsweise beeindruckt nicht allein Kunstliebhaber. Die stählerne Skulptur symbolisiert Aufbruchstimmung.

In Wellsee ist die Zeit nie stehengeblieben. Mitte der Vierzigerjahre des letzten Jahrhunderts existierten zwölf Bauernhöfe, heute sind sie Geschichte. Außerdem war Wellsee von 1911 an fünfzig Jahre lang Station der Kleinbahn Kiel-Segeberg.

Dort, wo heute in der Segeberger Landstraße das Gebäude des früheren Möbelhof Wellsee steht, gab es eine um 1900 errichtete Korn-Dampf-Mühle. Am 23. Mai 1957 brannte sie. An dieses Ereignis erinnert sich Heinz Otto Jaschinski, der seit 1954 in Wellsee wohnt, genau. „Nach dem Brand wurden die Mühlenräder ausgetauscht, die Mühle wurde elektrisch angetrieben, und ein paar Jahre später wurde der Betrieb eingestellt“, erzählt er. Heinz Otto Jaschinski befasst sich seit Jahrzehnten mit Wellsees Geschichte. Bei einer Tour durch den Ort zeigt er die alte Dorfschule in der Segeberger Landstraße 173, ein Backsteingebäude von 1862. In den Jahren 1919 und 1920 wurde eine neue Schule im Schoolkamp, der damals „Schulstraße“ hieß, gebaut. Die alte Lehranstalt war bis zur Eingemeindung Verwaltungssitz und ist heute ein Wohnhaus. Schräg gegenüber befindet sich ein Backsteinbau aus dem Jahr 1905. Unter seinem Dach war die Gastwirtschaft „Seeperle“, in der gefeiert wurde und in der sich Vereine trafen. Dort fand auch 1961 die Gründungsversammlung der Jugendfeuerwehr Wellsee statt. Wesentlich früher, am 26. Dezember 1903, wurde die Freiwillige Feuerwehr Wellsee ins Leben gerufen. Ihr 1951 gebautes Gerätehaus in der Segeberger Landstraße hinkt modernen Standards hinterher. Die Pläne, für die Feuerwehr ein neues aufzustellen, wurden bisher nicht umgesetzt.

Ein viel diskutiertes Thema in Wellsee ist der Einzelhandel. Das Angebot ist überschaubar. So gibt es beispielsweise in der Segeberger Landstraße eine kleine Ladenzeile. Im Goerdelerring konnten sich Einkaufsmärkte mangels ausreichender Umsätze langfristig nicht halten. Jetzt ist im Gespräch, an der Ecke Segeberger Landstraße und Liselotte-Herrmann-Straße einen Nahversorger zu etablieren. Auf dem Gelände wünscht sich zudem der SC Fortuna Wellsee eine Sporthalle.

Bei allen noch zu erledigen Aufgaben gibt es in Wellsee auch immer wieder etwas zu feiern. So lädt der Schützenverein Hubertus von 1891 alljährlich zu einem Schützenfest ein. Und die „Stadtteilkonferenz“, in der Vereine, Institutionen, soziale Einrichtungen und Ortsbeirat an einem Strang ziehen, macht in jedem Frühjahr aus dem von ihr initiierten Stadtteilfest eine Erfolgsgeschichte.

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