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Kiel Wie entsteht ein Tornado? Und was ist der Unterschied zur Windhose?
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Wie entsteht ein Tornado? Und was ist der Unterschied zur Windhose?

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15:36 21.10.2021
Von Anne Holbach
Am 29. September 2021 tobt ein Tornado durch Kiel.
Am 29. September 2021 tobt ein Tornado durch Kiel. Quelle: Steven Hutchings/TNN/dpa
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Ein Tornado ist eine Luftsäule mit Bodenkontakt, die um eine fast senkrecht orientierte Achse rotiert und sich unter einer Wolke befindet. Wegen ihrer enormen Windgeschwindigkeit, die 500 Kilometer pro Stunde erreichen kann, verwüsten Tornados entlang ihrer Zugbahn ihre Umgebung.

Wie entsteht ein Tornado?

Eine Voraussetzung ist laut Deutschem Wetterdienst eine Schauer- oder Gewitterwolke, die sich in der Atmosphäre hoch auftürmt und um eine vertikale Achse rotiert. So eine „Superzelle“ entsteht, wenn sich bodennahe sehr feuchtwarme Luft und trockenkalte Luft in der Höhe übereinander schichten. Die untere, feuchte Luftmasse steigt auf, weil sie leichter ist als die trockenkalte. Diese sinkt ab.

Wenn das Windtempo bis zur Wolke zunimmt und am Boden eine andere Windrichtung herrscht als oben, spricht man von einer vertikalen Windscherung. Es entsteht ein rotierender Aufwind im Inneren des Schlauchs, der rasende Geschwindigkeiten annimmt. „Tornados, die heftigsten Windsysteme der Erde, sind im Unterschied zu den bis zu 1000 Kilometer Durchmesser erreichenden Hurrikans oder auch Taifunen sehr kleinräumige Wirbelstürme, die nur selten einen Durchmesser von mehr als einem Kilometer erreichen“, sagt Björn Goldhausen von Wetteronline.

Ein Tornado verwüstet längs seiner Zugbahn einen Streifen von einigen Hundert Metern Breite. Den Weg der Zerstörung, den er hinterlässt, nennt man Asgardsweg.

Wieso lassen sich Tornados schwer vorhersagen?

„Anders als Tiefdruckgebiete, die zum Teil einen Durchmesser von mehreren Tausend Kilometern haben, ist der Ereignishorizont bei Tornados deutlich kleiner“, sagt Meteorologe Kent Heinemann von der Kieler Firma Wetterwelten.

Auch hochaufgelöste Modelle hätten ihre Probleme, die Voraussetzungen für die Entstehung eines Tornados klar darzustellen. „Selbst zwölf Stunden zuvor kann kein Ort ausgemacht werden, an dem sich ein Tornado ereignen wird.“

Tornado oder Windhose – was ist der Unterschied?

Der Begriff „Tornado“ kommt aus dem Spanischen und leitet sich vom Verb „tornar“ ab – sich drehen. Das Wort „Windhose“ beschreibt im Grunde das gleiche meteorologische Phänomen. „Es ist ein Synonym. Fachleute benutzen es aber nicht gerne, weil es leicht verharmlosend klingt und im Volksmund auch bei Gewittern mit Windböen verwendet wird“, sagt Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter beim Deutschen Wetterdienst.

Mancher leite den Begriff daher ab, dass das Bild der Luftsäule am Himmel wie ein fliegendes Hosenbein aussehe. Seinen Ursprung hat er aber wohl im englischen Wort „hose“, was übersetzt „Schlauch“ heißt. Es existiert auch die Bezeichnung „Großtrombe“ oder „Twister“. Von einer „Wasserhose“ spricht man, wenn sich ein Tornado über dem Meer oder großen Binnenseen bildet.

Haben Tornados auf dem Wasser mehr Kraft als an Land?

„Ein Tornado kann seine Kraft auf dem Wasser verstärken, weil es dort auf der glatten Wasseroberfläche weniger Reibung gibt als an Land. Wenn er dort über den Boden zieht, wird er durch die Reibung stärker gebremst“, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. Tornados richten auf dem Wasser allerdings meist kaum Zerstörung an, es sei denn, sie kommen Booten zu nahe.

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Wie misst man die Stärke eines Tornados?

Die Stärke der Tornados wird anhand der Fujita-Skala oder F-Scale festgelegt, die 13 Stufen umfasst. Bislang wurde keine stärkere Tornadoklasse als Stufe 5 beobachtet. Dabei werden Windgeschwindigkeiten von etwas über 500 Stundenkilometern erreicht. Sie trat bislang mit nur einem Prozent der Fälle recht selten auf. Zusätzlich wurde die Stufe 0 eingeführt, damit sich auch schwächere Tornados klassifizieren lassen.

„In früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten haben Tornados immer wieder auch Teile von Deutschland heimgesucht, darunter sind mehrere der zweithöchsten Kategorie F4 und sogar zwei der höchsten Kategorie F5 mit errechneten Windgeschwindigkeiten über 418 Kilometer pro Stunde überliefert“, so Goldhausen. „Und neben diesen großen und sehr zerstörerischen Tornados gab es schon immer zahllose weitere, schwächere Tornados der Stärken F0 bis F2.“

Wie viele Tornados gibt es in Deutschland?

In Deutschland tauchen jährlich zwischen 20 und 60 Tornados auf. Die Zahlen schwanken aber von Jahr zu Jahr. Am häufigsten entstehen sie im Sommer und in den Abendstunden. Dem DWD zufolge sind in Mitteleuropa extreme Luftmassenunterschiede seltener. Deswegen treten hier weniger Tornados auf als in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Daniela Weichselgartner 21.10.2021
Florian Sötje 21.10.2021
Florian Sötje 21.10.2021