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Kiel Wo bitte geht es zur Kieler Woche?
Kiel Wo bitte geht es zur Kieler Woche?
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07:17 26.06.2013
Von Lara Eckstein
Als er aus dem Zug stieg, ahnte Christian Kitazume aus Dortmund noch nicht, was die Kieler Woche konkret bedeutet. Spätestens im Trubel auf dem Internationalen Markt war klar: Sich treiben zu lassen, ist der beste Tipp. Quelle: fpr
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Kiel

Bei der Ankunft am Hauptbahnhof weist zunächst nichts darauf hin, dass hier in Kiel gerade eine fünfte Jahreszeit begonnen hat. Aber sobald unser Test-Tourist das Gebäude verlässt, steht er mitten im Trubel: Gedrängel zwischen Musikbühne, Bier- und Fressbuden. Beim Schlendern über den Bahnhofsvorplatz landet er kurz darauf vor einem großen Hinweisschild. Der Wegweiser ist mehr als zwei Meter hoch, gut sichtbar und zeigt an, in welcher Richtung Hörnbrücke, Alter Markt, Kiellinie und alle anderen Plätze liegen, die für die Kieler Woche wichtig sind. Als Ortsfremder kann Christian Kitazume mit dieser Beschilderung zunächst wenig anfangen. „Was würden Sie mir denn empfehlen. Wo soll ich hingehen?“, fragt er eine freundliche Bedienung am Biertresen in der Nähe. Die schickt ihn zur Kiellinie. „Gehen Sie einfach hier unten die Straße entlang, immer geradeaus, dann laufen Sie direkt drauf zu.“ Netter Tipp – so aber würde der Dortmunder den Internationalen Markt und alle Attraktionen in der Holstenstraße verpassen und stattdessen nur an Hafengebäuden und Rotlichtbars vorbeilaufen.

Nächster Versuch: die Tourist Information finden. Am Ausgang des Hauptbahnhofs hängt nur ein kleines, unscheinbares Hinweisschild mit einem „i“. Weil der 23-Jährige sich darauf nicht verlassen will, spricht er zwei Polizisten an, die vor dem Bahnhofsgebäude stehen: Wo bekommt er ein Programm für die Kieler Woche? Gibt es so etwas in der Tourist Information? Und wie kommt er da hin? Die Polizisten sind ein wenig ratlos. „Ein Programm gibt es bestimmt, aber wo... Wüsste ich jetzt selbst nicht.“ Ein dritter Gesetzeshüter eilt zur Rettung herbei: „Ein Programm bekommen Sie gleich hier beim Info-Point der Bahn. Und zur Tourist Info geht es einfach immer geradeaus. Das Gebäude können Sie von hier schon sehen.“ Der Mann hat Ahnung, alles ist so, wie er gesagt hat – und wer einmal auf dem richtigen Weg ist, findet auch weitere Hinweisschilder zur Touristen Info.

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Dort beantwortet ein gut gelaunter Mitarbeiter die typische Touri-Frage, was man denn hier so machen könne. „Es soll hier heute so etwas geben, das heißt Kieler Woche“, scherzt er, und erklärt dann ganz gewissenhaft den Weg über die Holstenstraße zum Internationalen Markt, am Bootshafen vorbei zum Schloßgarten und weiter an die Kiellinie. „Und wenn Sie dann noch nicht genug haben, fahren Sie nach Schilksee“, fügt er leicht feixend hinzu, „denn ursprünglich hatte das hier mal was mit Segeln zu tun, hab ich gehört.“ Gut beraten und mit einem kostenlosen Stadtplan ausgestattet, findet Christian sich nun bestens in Kiel zurecht. Die Holstenstraße mit ihren vielen Schmuckständen und Fressbuden kann den Studenten nicht überzeugen. Als er den Internationalen Markt erreicht, zwischen den vielen verschiedenen Köstlichkeiten aus aller Herren Länder umherschlendert und dann auch noch für einen Moment die Sonne hinter den Wolken hervorkommt, ist er aber zunehmend begeistert. Programm und Stadtplan liegen achtlos auf dem Biertisch, während wir bei nepalesischem Essen dem deutsch-dänisch-englischen Sprachmix um uns herum lauschen. Das ist das Kieler-Woche-Gefühl, das sich nicht für eine bestimmte Uhrzeit einplanen oder an einem bestimmten Platz verorten lässt, sondern das sich nur einstellt, wenn man sich in die Menge stürzt und ein wenig treiben lässt.

Für den Weg hinunter an die Förde ist der Stadtplan dann aber doch ganz nützlich. Und einen ganz wichtigen Tipp hat unser Tourist nicht bekommen: Dass er nach einem Bummel über die Kiellinie auch mit dem Fördedampfer von der Reventloubrücke nach Schilksee hätte fahren können – Kurzurlaub am Strand in Friedrichsort oder Laboe inklusive. Der freundliche Herr von der Tourist Info hat ihm nur den Bus empfohlen. Das geht natürlich schneller – zum echten Kiel-Gefühl aber gehört schließlich auch der Blick vom Wasser auf die Stadt.