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Kiel Wieder Zoff bei Genossen in Kiel
Kiel Wieder Zoff bei Genossen in Kiel
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00:17 10.06.2013
Von Martina Drexler
Der Vorsitzende der SPD in Kiel, Jürgen Weber, ist über den erneuten Streit nicht amüsiert. Quelle: Paesler (Archivbild)
Kiel

Persönliche Querelen haben bereits im Vorfeld des Wahlkampfs zu Eklats geführt. Frank Hornschu, damals Ortsvereinsvorsitzender in Russee-Hammer, trat wie auch andere Vorstandsmitglieder nach der Wahl Wagners im Dezember 2012 zum Direktkandidaten enttäuscht zurück: Dass das Votum der Basis offenbar nicht zähle, sei einmalig in der Geschichte der SPD. Als daraufhin Vorstandsneuwahlen in Russee-Hammer nötig wurden und sich niemand für den Vorsitz meldete, bewarb sich ausgerechnet Michael Wagner, fiel aber durch. Seit damals führt der erst im Februar gewählte Kreis-Chef Jürgen Weber kommissarisch den Ortsverein bis zum nächsten Donnerstag: Dann nämlich steht die Jahreshauptversammlung des Ortsvereins an – mit den Vorstandsneuwahlen und Bestimmung der Ortsbeiratsmitglieder. Trotz der gespannten Atmosphäre gibt sich Weber optimistisch, dass nach der Hauptversammlung wieder Schwung in die Ortsvereinsarbeit komme und man beginnen könne, „die Gräben zu überwinden“. Bisher liegt eine Kandidatur für den Vorsitz von Robert Bartels vor, Winfried Jöhnk und Andrea Leßmann bewerben sich als Stellvertreter.

Michael Wagner kündigte zwar an, weder für den Vorstand noch für den Ortsbeirat zu kandidieren. Doch der Konflikt ist erneut aufgeflammt, nachdem er sich in dieser Woche erfolgreich als Bürgerliches Mitglied im Kreisausschuss beworben hatte. Er setzte sich dabei mit deutlicher Mehrheit gegen drei Konkurrenten durch – darunter auch das bisherige Bürgerliche Mitglied im Bauausschuss und SPD-Mitglied in Russee-Hammer, Siegfried Schmidt. Der Bauausschuss, betonte Wagner, sei als zentraler Ausschuss für den Stadtteil von Bedeutung. Auch wenn er nach der verlorenen Wahl nicht mehr im Rat sitze, wolle er seine sachliche Arbeit fortsetzen. Bestärkt fühlt er sich durch die große Unterstützung sowohl „aus großen Teilen der Partei als auch aus dem Stadtteil“. Der Wahlkreis sei im Mai so knapp an Michael Frey (CDU) verloren gegangen, dass er, der das Direktmandat bei der Wahl 2008 noch überdurchschnittlich gut für die SPD gewonnen hat, keine „persönliche Komponente“ daraus ablesen kann.

Das sieht mancher Genosse ganz anders. Hornschu reagierte nach eigenen Angaben auf den jüngsten Vorgang „erstaunt“: „Ich hatte selbstverständlich erwartet, dass Meinung und Wille der Basis auch bei der Besetzung von Bürgerlichen Mitgliedern mehr Berücksichtigung findet – auch vor dem Hintergrund des Wählervotums“. Hornschu hatte zu denen gehört, die vor dem Verlust des Wahlkreises gewarnt hatten, sollte Jöhnk nicht kandidieren: Dieser sei im Stadtteil hochgradig vernetzt.

Auch Weber stellte fest, dass Michael Wagner „nicht das Vertrauen der Sozialdemokraten in Russee-Hammer besitzt“ und äußerte schon offen Kritik, als Wagner sich im Februar um den Ortsvereinsvorsitz bewarb. Damit habe der Ratsherr das Gebot von Ruhe und weiterer Konfliktvermeidung „erst einmal über den Haufen geworden“, ärgerte er sich und forderte, auf eine öffentliche Kommentierung zu verzichten, was ihm einige Sozialdemokraten als Maulkorberlass anlasteten. Auch bei Wagners jetziger Bewerbung empfahl er nach Informationen unserer Zeitung seinen Parteifreunden, Wagner nicht zum Bürgerlichen Mitglied zu bestimmen – vergeblich. Das anschließende Votum für den früheren Ratsherrn „macht die Sache für die SPD in Rusee-Hammer nicht leichter“, bestätigte er, dass es zu Parteiaustritten wegen des Konflikts gekommen ist. Sieht er sein Amt als Kreis-Chef nicht beschädigt? „Nein“, sagt Weber: „Auch Kreisvorsitzende dürfen eine andere Meinung haben.“

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