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Kiel Wildtiere erobern Kiel: Darum werden Waschbär, Fuchs und Wildschwein so zutraulich
Kiel Wildtiere erobern Kiel: Darum werden Waschbär, Fuchs und Wildschwein so zutraulich
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12:14 22.11.2019
Von Karen Schwenke
Die Großstadt ist ein Sammelbecken für wilde Tiere: Selbst größere Säuger wie Wildschweine suchen die Nähe zum Menschen.  Quelle: Gregor Fischer, dpa/Symbolbild
Kiel

In jedem Stadtteil, in jeder Straße, jedem Haus und Garten leben wilde Tiere. Dicht an dicht mit den Menschen. Und: „Sie gedeihen besser als auf dem Land“, meint Hartmut Rudolphi vom Naturschutzbund (Nabu) Kiel.

Grund: Das Nahrungsangebot ist in der Stadt größer, der Lebensraum naturnaher. Hier finden Wildtiere Zuflucht und Verstecke. Es gibt keine Überdüngung, keine Monokulturen, weniger Gift, weniger Feinde und kaum Jäger. „In der Stadt gibt es mehr Natur als außerhalb“, bringt es der Kieler Stadtförster Stefan Bronnmann auf den Punkt. „Auf Agrarflächen fehlt den Tieren einfach die Nahrung, die sie in der Stadt eher finden.“ Als Beispiel für die größere städtische Artenvielfalt nennt Rudolphi zwei Bienenarten, die in Schleswig-Holstein als ausgestorben galten, die aber in Kiel auf dem ehemaligen MFG5-Gelände gesichtet wurden.

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Tierisch beliebt: Stadtwälder, Parks, Gärten, Kleingartenanlagen

Vor allem die Kieler Grünflächen sind ein attraktiver Lebensraum für viele Tierarten. Dazu zählen die 1400 Hektar Wald verteilt auf über 100 Einzelflächen plus die Parkanlagen und die vielen Stadtgärten und Kleingartenanlagen. Naturschützer mahnen, dass immer mehr Bioverbundsysteme durch Straßen und Flächenversiegelung zerschnitten werden. Das gilt besonders für Großstädte wie Kiel. Die Landeshauptstadt sei nicht nur dichter besiedelt als das Umland, hier finde auch eine stärkere Vermehrung statt, sodass es eine Wanderungsbewegung vieler Tierarten hinaus aus der Stadt gebe. Dieser Aspekt werde bei Großbauvorhaben nicht ausreichend berücksichtigt, klagt Rudolphi.

Die Großstadt ist ein Schlaraffenland

Der urbane Raum ist auch deshalb ein regelrechter Magnet, weil es Nahrungsmittelreste in Hülle und Fülle gibt. „Die Stadt ist für Tiere wie ein Schlaraffenland: Jeder angebissene Pommes bedeutet eine Energiequelle für frei lebende Tiere“, sagt Bronnmann. Prinzipiell raten die Experten aber dringend dazu, Wildtiere nicht zu füttern. Erstens kämen sie in der Regel in der Stadt allein gut zurecht und würden ausreichend Nahrung finden. Zweitens lockt das zusätzliche Futter Tiere an, die als unerwünscht gelten, wie Ratten, Krähen, Tauben und Möwen.

Die Landeshauptstadt Kiel ist ein attraktiver Lebensraum für Wildtiere. Die Bedingungen sind hier besser als auf dem Land. Diese Wildtiere fühlen sich in der Stadt pudelwohl:

Aber auch der Fuchs und selbst nichtheimische Tiere wie Waschbären, Marderhunde oder Kanadatauben bedienen sich gern von dem, was die Menschen übrig lassen. Die Frage, ob es sich dabei um Schädlinge handelt, ob die Kieler für den ein oder anderen tierischen Nachbarn Sympathie aufbringen, hänge vom „Kuschelfaktor“ ab und der individuellen Perspektive, so die Erfahrung des Stadtförsters. Beispielsweise ist das Reh mit seinen großen Kulleraugen generell bei den Kielern beliebt.

Niemand ist verantwortlich

Aber der Gärtner, dem ein Reh alle Rosen weggefressen hat, der würde Rehe gern aus der Stadt verbannen. „In solchen Fällen werde ich gefragt, ob die Stadt Schadenersatz leisten könne“, erzählt Bronnmann. Natürlich nicht. Die Tiere sind herrenlos. Niemand ist für sie verantwortlich.

Die wilden Tiere sind aus der Stadt nicht wegzudenken. Viele von ihnen sind zwar nicht sichtbar. Aber sie sind unter uns, und es werden eher mehr.

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