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Kiel Wirtschaft fordert Steuerentlastung
Kiel Wirtschaft fordert Steuerentlastung
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07:51 27.06.2013
Von Martina Drexler
Sie wünschen sich vom Finanzamt Rückenwind für die Kieler Woche (von links): Carsten Döring (KPMG Kiel), Uwe Wanger (Kiel-Marketing), Jörn Biel (IHK-Hauptgeschäftsführer) und Ingo Scheuse (Hauptgeschäftsführer des Unternehmensverbandes Kiel). Quelle: Volker Rebehn
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Kiel

Wer Kunden oder Geschäftspartner zwecks Pflege guter Beziehungen an Bord eines Regatta-Begleitschiffs samt Büfett einlädt, bewegt sich rechtlich auf schwankendem Boden. Das gilt auch für seinen Gast. Ein Arbeitnehmer muss sich womöglich wegen geldwerten Vorteils verantworten, ein eingeladener Geschäftspartner wegen Betriebseinnahmen.

Dass Gast wie Gastgeber in die Zwickmühle geraten könnten, erkannte das Bundesfinanzministerium im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft 2006 als Problem an und gab den VIP-Logen-Erlass in Sportstätten heraus. Demnach werden betriebliche Aufwendungen wie Werbeleistungen, Bewirtung oder Eintrittskarten pauschal aufgeteilt und sind daher in großen Teilen abzugsfähig.

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Fast 13000 Euro zahlte eine Kieler Firma, um während der Kieler Woche 2006 auf einem historischen Segelschiff 50 Gäste (davon 13 Mitarbeiter) zu bewirten und ihnen die Verfolgung der Regatta zu ermöglichen. Als abziehbare Betriebsausgabe sah sie nach dem VIP-Logen-Erlass (VIP = very important persons) etwa 7300 Euro an. Ihrem Argument, die Schiffsanmietung sei der Anmietung einer Loge in einer festen Sportstätte an Land vergleichbar, folgte aber weder die Finanzverwaltung noch der Bundesfinanzhof.

Eine steuerliche Ungleichbehandlung, die Ingo Scheuse, Hauptgeschäftsführer des Unternehmensverbands Kiel, ebenso wenig wie Jörn Biel, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Kiel, nachvollziehen können. „Warum geht das beim Oktoberfest oder beim Fußball und nicht bei uns?“, fragt Scheuse. Die Wirtschaft brauche auch für die Regatta-Begleitfahrten einen klaren rechtlichen Rahmen für den zumindest teilweisen Abzug von Betriebsausgaben, regte Steuerberater Carsten Döring (KPMG) an. Ohne eine Lösung sehen die Wirtschaftsvertreter schwarz für die Zukunft von Begleitfahrten als Marketing-Plattform. Kiels Image habe bereits unter dem Eklat wegen angeblicher Vorteilsnahme gelitten.

Auch wenn die steuerliche Handhabung und die Verfahren nichts miteinander zu tun haben, „werfen viele Betriebe das in einen Topf und sagen, das ist uns alles zu schwierig“, beklagt Scheuse.