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Kiel Kieler Wirtschaft boomt weiter
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15:42 23.09.2019
Von Michael Kluth
U-Boot-Bau bei TKMS: Der Schiffbau bleibt ein wichtiger Industriezweig in Kiel. Quelle: Frank Peter
Kiel

Industrieunternehmen, Handelsfirmen und die Dienstleistungsbranche investieren – und das zum Teil kräftig. "Mir ist kein größerer Arbeitgeber bekannt, der zurzeit nicht investiert", sagt der Leiter des städtischen Wirtschaftsreferats, Jörn Genoux.

Entsprechend ist die Beschäftigung gestiegen. In Kiel arbeiten nach den aktuellen Zahlen 126.400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das sind rund 3000 mehr als ein Jahr zuvor. 1000 der neuen Arbeitsplätze sind danach in der Industrie und im Metall- und Elektrogewerbe entstanden.

Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen einschließlich Beamten und Selbstständigen liege mit 173.500 "auf Allzeithoch", wie Wirtschaftsdezernent Ulf Kämpfer (SPD) verkündet. Er freut sich über "50 neue Arbeitsplätze pro Woche in Kiel".

Die Zahl der Erwerbslosen lag im August unter 11.000. Die Arbeitslosenquote beträgt 7,8 Prozent. Auch bei Langzeitarbeitslosen gebe es jetzt "echte Bewegung", sagt Kämpfer. Er rechnet in der Herbstkonjunktur mit einem weiteren Rückgang.

Wirtschaftsbericht: Schwerpunktthema ist Kooperation in Kiel

Der Wirtschaftsbericht zeigt Geschichten hinter diesen Zahlen - und Menschen, die die Wirtschaft und die Wissenschaft in Kiel gestalten. Schwerpunktthema ist - nach Digitalisierung 2018 - in diesem Jahr Kooperation.

"Kooperation ist ein Gebot der Stunde", sagt Kämpfer. "In Kiel hat sich in den vergangenen Jahren eine ganz besondere Kultur der Zusammenarbeit entwickelt.“ Der Oberbürgermeister verweist auf die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure im Industriepolitischen Dialog und auf der Digitalen Woche Kiel.

Hauptthemen: Kieler Start-up-Szene, CAPTin Kiel, Industriegebiet Friedrichsort

Die Start-up-Szene wird im Wirtschaftsbericht besonders herausgestellt. Netzwerke und Kooperationen seien für Gründer selbstverständlich, so Kämpfer.

Als Beispiel für Kooperation beschreibt der Wirtschaftsbericht das Projekt CAPTin Kiel. Das Konzept einer Mobilitätskette mit fahrerlosen Fähren und Bussen entwickele sich zu einem der bedeutendsten Kooperationsprojekte zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Auch Kiels letztes Industriegebiet wird herausgestellt: Der Wirtschaftsbericht stellt die Pläne für das Gewerbegebiet Friedrichsort vor. Das Areal soll sich nach Vorstellung der Stadt zu einem modernen Standort für IT-Dienstleister, Handwerk und Industrie entwickeln.

Hintergrund

Die Kieler Wirtschaft

Die Wirtschaft in Kiel entwickelt sich in den meisten Bereichen schon seit mehr als zehn Jahren günstig. Kontinuierlich sank die Arbeitslosigkeit, stieg die Beschäftigung und steigerte sich die Wertschöpfung. Bereiche wie die IT-Branche, das produzierende Gewerbe, die Gesundheitswirtschaft, der Tourismus, der Hafen und der Bildungssektor entwickelten sich positiv. Im Vergleich zu anderen Städten hat der Dienstleistungssektor in Kiel einen sehr großen Anteil. 88 Prozent der Beschäftigten sind hier tätig, rund 84 Prozent der Wertschöpfung wird mit Dienstleistungen erzielt. Die Kieler Wirtschaft ist stark durch ihre mittelständische Struktur geprägt. In Kiel gibt es 5900 Betriebe, in denen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig sind. 7200 Firmen sind umsatzsteuerpflichtig. Das Unternehmensregister zählt 9600 Betriebe. Der durchschnittliche Betrieb hat 21 Beschäftigte. Diese eher kleinteilige Struktur trägt mit dazu bei, dass die Wirtschaft in Kiel weniger krisenanfällig ist.

Daneben finden sich im Wirtschaftsbericht weitere Berichte und Meldungen aus Wirtschaft und Wissenschaft: Wie die Muthesius Kunsthochschule Wissenstransfer organisiert, welchen Beitrag Unternehmen aus dem sozialen Sektor leisten und warum Kiel Jahr für Jahr eine steigende Zahl von Touristen und Gästen anlockt. Dargestellt werden auch die geplante Science-City und die Zukunftswerkstatt "Kiel 2042".

"Beispielhaft ist die Leistung, die das Unternehmen Wulff Textil-Service bei der beruflichen Integration von Geflüchteten vollbracht hat", sagt Genoux. "Ein Schritt zur Fachkräftesicherung".

"Der Wirtschaftsbericht ist Imagewerbung für die Stadt"

Der erzählende Wirtschaftsbericht habe sich als gefragte Unterlage für Unternehmen bewährt, die Fachkräfte gewinnen wollten, so Genoux. Der Referatsleiter ist gelernter Wirtschaftsjournalist.

So ein Wirtschaftsbericht sei "ziemlich einzigartig" in Städten der Kieler Größenordnung, sagt Kämpfer. "Ein echter Imagefaktor." Der Bericht ist ab sofort unter www.kiel.de/Wirtschaft herunterzuladen. Die gedruckte Version erscheint ab Mittwoch in einer Auflage von zunächst 2000 Stück.

In drei Interviews geben Stephanie Schmoliner von der IG Metall, Wiebke Müller-Lupp vom Wissenschaftszentrum und der neue Generalmusikdirektor Benjamin Reiners ihre Sicht auf den Standort Kiel wieder.

Kieler Ansiedlungshemmnisse: Wohnungsnot, Sanierungsstau, Flächenkonkurrenz

Kämpfer scheut sich übrigens nicht, auch auf Ansiedlungshemmnisse in Kiel hinzuweisen. "Wohnungsknappheit und Sanierungsstau an den Schulen beschäftigen mich auch als Wirtschaftsdezernenten", sagt der Oberbürgermeister. Und die Flächenknappheit sei ein Problem.

Da sucht Kämpfer Lösungen über die Stadtgrenzen hinaus. Er deutet an, dass im Kieler Norden nach Melsdorf ein weiteres interkommunales Gewerbegebiet im Raum Altenholz/Dänischenhagen/Kiel entstehen soll.

Den Wirtschaftsbericht 2018/19 finden Sie hier

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