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Kiel Genossenschaft: Wohnträume für die Wik
Kiel Genossenschaft: Wohnträume für die Wik
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13:00 12.06.2019
Von Karen Schwenke
Mitglieder der Bürgerinitiative Arge 3a wollen eine Stadtteilgenossenschaft für die ehemalige Marinetechnikschule entwickeln. Quelle: Sven Janssen
Kiel

Kein Wunder, dass einige Kieler davon träumen, hier zu wohnen: in einem der mächtigen denkmalgeschützten Backsteinbauten, die sich um einen großzügigen Innenhof mit schattenspendenden Bäumen erstrecken. Seit zwei Jahren setzen sich Bürger dafür ein, auf dem repräsentativen Gelände der ehemaligen Marinetechnikschule genossenschaftlich organisierten Wohnraum zu schaffen – und ein nachbarschaftliches Miteinander, wie Lorenz Oberdoerster (35), Mitglied der Bürgerinitiative Arge 3a, berichtet. Seit Ende März ist der Traum näher gerückt: Die Ratsversammlung hat die Gründung einer Stadtteilgenossenschaft beschlossen, Geld dafür bereitgestellt und ausdrücklich die Verwaltung angewiesen, partnerschaftlich mit den Akteuren vor Ort zusammenzuarbeiten. Die Bürgerinitiative ruft nun zum Mitmachen auf. Am Donnerstag will sie vor Ort die Öffentlichkeit informieren.

90 Jahre lang wurden Offiziere und Ingenieure hier ausgebildet

Der Weg auf das Anwesen in der Arkonastraße 1 führt durch eine imposante Toreinfahrt. 90 Jahre lang wurden in den einst von der Kaiserlichen Marine errichteten Gebäude Offiziere und Ingenieure ausgebildet. Heute mutet die ehemalige Militärschule fast verlassen an. Nur vereinzelt gehen Menschen durch den weitläufigen Innenhof. Seit vier Jahren dienen die Gebäude als Flüchtlingsunterkunft. Doch von den anfänglich 800 Flüchtlingen wohnen jetzt nur noch 200 hier, und auch sie sollen nach den Plänen der Stadt bis Ende 2020 ausziehen.

Die Bürgerinitiative mit dem willkürlichen Namen „Arge 3a“ hat seit zwei Jahren 17-mal in der Wik zu einem „Kiez-Café“ eingeladen und die Bürger ihre Wünsche zur Zukunft des 4,3-Hektar großen Areals aufschreiben lassen. 300 bis 400 Wunschzettel wurden so gesammelt: „Zusammengefasst wünschen sich die Leute hier flexibles, inklusives und bezahlbares Wohnen“, sagt Oberdoerster (35). Sein Mitstreiter Michael Dolz (45) erklärt, was sich hinter den flexiblen Wohnformen verbirgt: „Zum Beispiel nutzen die Bewohner von mehreren Appartements gemeinsam ein großes Wohnzimmer. Oder es gibt Cluster-Wohnungen, dabei werden zwei Wohneinheiten zu einer zusammengefügt oder können bei Bedarf wieder getrennt werden, etwa für Patchwork- oder Scheidungsfamilien.“

Keine klassische Wohnungsgenossenschaft

In jedem Fall seien alternative Wohnformen gefragt, bei denen die Gemeinschaft gefördert werde, sind sich die Männer einig. So könne man gesellschaftliche Probleme zu lösen, wie Einsamkeit oder Betreuungssorgen von Alleinerziehenden. Und auch verändernde Lebenssituationen und wechselnde Bedürfnisse der Bewohner sollten bedacht werden: „Viele Menschen sind zu Mehrfach-Jobs verdonnert, oder sie starten quasi vom Küchentisch ein Business. Wir wollen, dass hier ein Quartier entsteht, in dem sich Menschen auch auf solchen Lebensebenen weiterentwickeln können“, meint Dolz. Auf keinen Fall ginge es um die Gründung einer klassischen Wohnungsgenossenschaft, sondern um eine Stadtteilgenossenschaft, die die gesamte Nachbarschaft miteinbeziehe.

Wie es jetzt weitergeht, ist noch ungewiss. Jens Broschell von der Initiative: „Wir sammeln weiter Ideen, diskutieren sie, und irgendwann muss darüber entschieden werden.“ Wann und wie die Stadtteilgenossenschaft gegründet wird, steht längst nicht fest. Die Stadtverwaltung gibt darüber keine Auskunft. Es sei nicht mal bekannt, in welchem Dezernat das Thema angesiedelt ist. Es würden noch Gespräche geführt, heißt es aus dem Rathaus.

Unter der Überschrift „Dein Kiez – eine Stadtteilgenossenschaft für die Wik“ will die Bürgerinitiative Arge 3a Donnerstag, 13. Juni, um 19 Uhr in der in der Arkonastraße 1, Machinenhalle 1, die Öffentlichkeit informieren.

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