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Kiel Keine Entspannung: So entwickelt sich der Kieler Wohnungsmarkt
Kiel Keine Entspannung: So entwickelt sich der Kieler Wohnungsmarkt
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06:25 30.08.2019
Von Jürgen Küppers
So wie hier an der Baustelle eines Mehrfamilienhauses an der Holtenauer Straße Ecke Mercatorstraße entsteht auch an vielen anderen Stellen Kiels dringend benötigter Wohnraum. Das wird und soll auch in den nächsten Jahren so bleiben. Denn trotz Einwohnerrückgangs bleibt die Lage auf dem Kieler Wohnungsmarkt angespannt. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Der im Sozialbericht der Stadt angeführte Bevölkerungsrückgang führt laut Sozialdezernent Gerwin Stöcken voraussichtlich erst im Laufe des Jahres 2022 zu einer spürbaren Entlastung auf dem Wohnungsmarkt.

„Wenn es bei Planung und Ausführung der Wohnungsbau-Großprojekte keine gravierenden Verzögerungen gibt, wird ab dann zumindest der größte Druck nachlassen“, prognostizierte der Dezernent bei der Vorstellung des Sozialberichtes. Zu solchen Großprojekten zählte Stöcken Bauaktivitäten an der Hörn, Marthas Insel, am Torfmoorkamp oder dem ehemaligen Post-Fuhrhof-Gelände in Gaarden.

Stadt Kiel will im Wohnungsbau nicht nachlassen

Trotz der absehbaren Entspannung verfolge die Stadt aber nach wie vor das Ziel, jährlich rund 800 neue Wohnungen zu schaffen. Die Zahlen im aktuellen Sozialbericht belegen, dass solche Anstrengungen trotz des absehbaren Bevölkerungsrückgangs auch weiterhin nötig sind.

So registrierte die Stadt 2018 insgesamt 2248 „Wohnungsnotfälle“, in 1143 Fällen davon hatten Asylberechtigte keine eigene Wohnung. Zum Vergleich: 2014 gab es knapp 600 solcher Notfälle, 44 davon betrafen Asylberechtigte.

400 Kieler finden keine Wohnung aus eigener Kraft

Gerwin Stöcken räumte hierzu zwar Handlungsbedarf ein – auch durch Schaffung zusätzlichen Wohnraums durch die neue kommunale Wohnungsgesellschaft Kiwog. Trotzdem verstellten die Zahlen der „Wohnungsnotfälle“ den Blick auf das Wesentliche: Rund 400 Menschen in Kiel könnten keine Wohnung aus eigener Kraft finden, entweder weil sie suchtkrank oder überschuldet seien. Um diese Menschen nicht zu ghettoisieren und in normale Wohnquartiere „einzustreuen“, müssten rund 4000 Wohnungen zur Verfügung stehen.

Aber der Sozialdezernent führt noch einen weiteren Faktor an, der gegen eine schnelle Entspannung auf dem Wohnungsmarkt spricht: die starke Zunahme von Single-Haushalten. Derzeit liegt der Durchschnittswert in Kiel laut Sozialbericht bei 56 Prozent, der Wert stieg in den vergangenen zehn Jahren um insgesamt rund zehn Prozentpunkte. In Kiel-Mitte liegt der aktuelle Prozentsatz der Single-Haushalte sogar bei 72 Prozent, in Gaarden bei 62,9.

Immer mehr Single-Haushalte verschärfen die Lage

An diesem Trend, dass insbesondere Gutverdiener immer häufiger sogar in Mehrraumwohnungen alleine lebten, könne die Stadt nichts ändern. „Aber der Trend zu Single-Haushalten verschärft die Lage auf dem Wohnungsmarkt natürlich ganz erheblich.“

Sorgen bereiten dem Dezernenten auch die Themen Pflege sowie das Wohnen alter Menschen in ihrem häuslichen Umfeld. Rund 150 Pflegeplätze in Kieler Senioreneinrichtungen könnten derzeit nicht besetzt werden, weil dort die gesetzlich geforderte Fachkräftequote von mindestens 50 Prozent nicht erfüllt werde.

Alte in Kiel sollen länger zu Hause wohnen können

In ihrem Sozialbericht führt die Stadt auf, dass 2018 in 39 Prozent der geprüften Pflegeheime eine mehr oder minder deutliche Unterschreitung der Werte registriert wurde. „Nicht weil die Einrichtungen das so wollen, sondern weil sie einfach keine Fachkräfte finden“, erläuterte Stöcken die Ursachen.

Umso wichtiger sei es der Stadt, alte Menschen dabei zu unterstützen, so lange wie möglich trotz mancher gesundheitlicher Einschränkungen zu Hause leben zu können. Entsprechende „Anlaufzentren Nachbarschaft“ (Anna), die solche Hilfsangebote im Wohnquartier koordinierten, gebe es zwar schon in den meisten Stadtteilen.

Weitere sollen noch hinzukommen. „Aber es geht uns dabei nicht nur um ein möglichst flächendeckendes Angebot“, erklärte Stöcken: „Denn in jedem Stadtteil ist die Situation für unterstützende Hilfsangebote anders. Deshalb müssen wir zunächst herausfinden, was an welcher Stelle schon vorhanden ist oder was noch fehlt.“

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