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Kiel E-Sportzentrum: Nun drängt die Zeit
Kiel E-Sportzentrum: Nun drängt die Zeit
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06:00 28.06.2019
Von Jürgen Küppers
So sollen ambitionierte Spieler demnächst auch in dem geplanten E-Sport-Zentrum in Kiel trainieren können. Darüber hinaus soll es dort auch Beratungsangebote für Eltern und künftige Trainer geben. Quelle: Maria Manneck
Kiel

Seit Monaten ist es ruhig geworden um die Gründung des bundesweit ersten öffentlich geförderten und nicht kommerziellen Landeszentrums für E-Sport und Digitale Kompetenz (LESZ). Stadt und Land stellten Anfang des Jahres zwar hohe Fördersummen für ein solches Zentrum in Aussicht (wir berichteten). Trotzdem hakt es noch.

„Das Problem ist, dass wir keine geeigneten und bezahlbaren Räume möglichst im Innenstadtbereich finden“, erklärt Martin Müller, Vizepräsident des E-Sport-Bundes Deutschland, der als Träger des Zentrums fungiert. Trotzdem soll und muss es in diesem Jahr irgendwie klappen – sonst droht der Wegbruch der Fördergelder.

Mindestens 300000 Euro Förderung sind zugesagt

Die Summen, die dabei im Raum stehen, zeigen das große Interesse an der Entstehung des Landeszentrums. Allein das Ministerium für Umwelt und Digitalisierung des Landes würde 150000 Euro „Digitalisierungsmittel“ zur Verfügung stellen, hinzu käme noch ein größerer Anteil der 500000 Euro aus dem Innenministerium für E-Sport-Häuser in Schleswig-Holstein. Noch einmal 150000 Euro – verteilt auf drei Jahre – bewilligte die Stadt im Februar dieses Jahres.

Damit zumindest die Landesmittel fließen, muss sich Martin Müller mit der Suche nach einem Domizil für das E-Sport-Zentrum beeilen: „Denn die Förderung muss in diesem Jahr noch abgerufen werden“, gibt der Sportreferent im Innenministerium, Eckhard Jacobs, zu bedenken. Zur Verstetigung der Mittel über 2019 hinaus gebe es keine Zusage.

Noch in diesem Jahr soll ein Standort gefunden sein

Trotz des Zeitdrucks gibt sich der E-Sport-Funktionär optimistisch: „Wir werden es noch in diesem Jahr schaffen, geeignete Räume zu finden und damit die Fördervoraussetzungen erfüllen.“ Gespräche mit potenziellen Vermietern liefen derzeit auf Hochtouren. Genauere Angaben zu möglichen Standorten des Zentrums wollte Müller aber nicht machen.

Sicher ist nur: Die gesuchten 400 bis 600 Quadratmeter großen Räume müssen zum Konzept des LESZ passen. Dazu gehören technische (Datenleitungen) wie räumliche (passende Größe) Voraussetzungen. Denn das künftige Zentrum soll als eine Art Bindeglied zwischen Gamern, interessierten Laien (Eltern), Kinder- und Jugendschützern oder Medienpädagogen gleich mehrere Funktionen erfüllen.

Es geht nicht nur ums Daddeln am PC

Im Klartext heißt das: Im LESZ soll es nach Vorstellung von Martin Müller nicht nur ums Daddeln am PC mit den gerade angesagtesten Spielen gehen. „Es geht ganz entscheidend auch um Vermittlung von Informationen, welche Spiele für welche Altersgruppe geeignet sind, welche nicht und was sie kosten können.“ Außer als Ort solcher Aufklärung für Eltern und Jugendliche verstehe sich das Zentrum auch als Schulungseinrichtung für Trainer sowie als Treffpunkt für die Gamerszene.

Das Konzept interessiert auch die Kieler Wirtschaftsförderung (Kiwi). „Schließlich suchen Unternehmen händeringend nach digital gebildeten Mitarbeitern“, erklärt Kathrin Reinicke, Leiterin Unternehmensservice bei der Kiwi. Und wenn so ein Zentrum zum Beispiel im Rahmen von Events digitale Spezialisten in die Landeshauptstadt ziehe, „bleiben sie vielleicht in Kiel bei einem innovativen Start-up-Unternehmen hängen“. Außerdem könnten Firmen in dem Zentrum Talente ansprechen, um sie für eine Ausbildung im digitalen Bereich zu gewinnen.

E-Sportler sollen raus aus der Isolation

Für Martin Müller hat das Projekt aber auch ein wichtige gesellschaftliche Funktion: „Wir erkennen dadurch an, dass E-Sportler ein Teil der digitalen Gesellschaft sind. Wir bringen die Jugendlichen mit Gleichgesinnten und Experten zusammen und holen sie damit aus der Isolation.“

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